Verurteilt wegen Freiheitsberaubung

Ein 56-Jähriger soll seine Tochter gegen ihren Willen eingesperrt haben und wollte mit ihr ins Ausland reisen. Das Kind flüchtete durch einen Sprung aus dem Fenster. Es war nicht der einzige Anklagepunkt.

Das Chemnitzer Amtsgericht hat am Mittwoch einen arbeitslosen Gastronomen aus Chemnitz zu 120 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt. Der Richter sah es als erwiesen an, dass der Mann im Juli 2019 seine damals elfjährige Tochter bei sich zuhause eingesperrt sowie den Lebensgefährten der Kindesmutter mit einen Steinwurf verletzt hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Kind lebt seit der Scheidung der Eltern bei seiner Mutter. Laut Zeugenaussage der heute 32-jährigen Frau besteht zwischen ihr und dem ehemaligen Partner die Vereinbarung, dass er seine Tochter alle 14 Tage am Wochenende sehen darf. Zudem sei vereinbart, dass er mit ihr während der zweiten und dritten Woche der Sommerferien in den Urlaub fahren kann. Allerdings, so gab sie an, hatte sich der Vater seit fast einem halben Jahr nicht mehr gemeldet, als er am Dienstag, 2. Juli 2019, um Wochenendbesuch bat.

Während das Kind dann bei ihm war, meldete sich der Vater per SMS bei der Mutter. Er forderte, sie solle Reisepass und Kleidung der Tochter zu ihm bringen, denn er wolle mit ihr verreisen. Die Frau war in Sorge: Der Vater, selbst türkischer Staatsbürger, plante mit dem Kind in die Türkei zu fliegen. Die Mutter verständigte die Polizei. Allerdings seien die Beamten nicht eingeschritten, sagte sie, denn der Wochenendbesuch beim Vater sei rechtens.

Als das Kind jedoch am Montag, 8. Juli, noch immer nicht zurück war, fuhr die Mutter mit ihrem Lebensgefährten und einer Arbeitskollegin zur Chemnitzer Wohnung des Mannes. Alle drei sagten aus, die Arbeitskollegin habe an der Haustür geklingelt und um Einlass gebeten. Daraufhin öffnete der Vater per Gegensprechanlage die Haustür. Als er im Treppenhaus sah, wer hereinkam, sperrte er die Türe seiner Wohnung ab, diese liegt im ersten Stockwerk. Im Treppenhaus sei das Weinen des Kindes hörbar gewesen.

Die Mutter gab an, anschließend das Haus verlassen zu haben um ihre Anwältin anzurufen. Diese habe geraten, die Polizei einzuschalten. Fünf Minuten später sei dann plötzlich die Tochter hinter ihr gestanden. Das Kind habe angegeben, es sei aus dem Fenster gesprungen und gewarnt, der Vater sei unterwegs zu ihr. Kurz darauf sei er tatsächlich aufgetaucht und habe einen etwa 30 Zentimeter breiten Stein geworfen. Diesen habe der Lebensgefährte der Mutter abgewehrt und sich dabei die Hand verletzt. Es kam zu einem Gerangel zwischen den Männern, kurz darauf erreichte die Polizei den Ort des Geschehens.

Im Prozess bestritt der Angeklagte eine böswillige Absicht und bezichtigte die Zeugen der Lüge. Er betonte sein Recht, mit dem Kind verreisen zu dürfen. Wegen der Zeugenaussagen verurteilte ihn der Richter dennoch wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung.

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