Viadukt wird nach 122 Jahren erstmals umfassend saniert

Die Bauarbeiten in Rabenstein beginnen im Juni nächsten Jahres. Danach sollen nicht nur Wanderer in 23 Metern Höhe unterwegs sein.

Rabenstein.

Es sei ziemlich genau 20 Jahre her, erinnert sich Gottfried Reuther von der Unabhängigen Bürgerinitiative Rabenstein, dass er wegen der Sanierung des Eisenbahnviaduktes zum ersten Mal beim damaligen Oberbürgermeister Peter Seifert vorstellig wurde. Neben der Instandsetzung des Bauwerks habe er seinerzeit auch die dringend notwendige Erneuerung der Rabensteiner Schule angesprochen. Die Schule war vor zwei Jahren gebaut worden. Dass nun nach so langer Zeit auch das Viadukt saniert werden soll, freue die Mitglieder der Bürgerinitiative, sagt Reuther.

Trotz hartnäckiger Forderungen vonseiten der Bürgerinitiative und Anträgen der früheren CDU/FDP-Fraktion im Stadtrat, das technische Denkmal zu sanieren, stand das Vorhaben lange Zeit in der Warteschlange. Das Geld wurde für andere Vorhaben benötigt. Doch nun fließen 1,5 Millionen Euro Fördermittel für Erhalt und Instandsetzung einer der ältesten Stahlbrücken Deutschlands. Das Geld stammt aus dem ehemaligen DDR-Parteienvermögen. Insgesamt werden die Bauarbeiten, die laut einem Stadtsprecher im Juni nächsten Jahres beginnen und Ende 2021 abgeschlossen sein sollen, 1,9 Millionen Euro kosten. Die Eigenmittel in Höhe von 400.000 Euro sind im Haushalt der Stadt eingestellt, so der Sprecher auf Anfrage. Der Beschluss zur Instandsetzung des Viadukts sei für die Sitzung des Stadtrates im Dezember vorgesehen.

Zum ersten Mal in ihrer 122-jährigen Geschichte wird die 23 Meter hohe Brücke, auf der sich ein Panoramawanderweg befindet, saniert. Die Bauarbeiten fallen besonders umfangreich aus. So müssen die stark geschädigten Bauteile des Stahlfachwerkes ausgetauscht und der Korrosionsschutz neu hergestellt werden, so der Stadtsprecher. Zuvor wird die alte Farbe entfernt. Saniert werden ebenfalls das Widerlager Ost und die Pfeilersockel. Hinzu kommen ein neues Geländer, die Brückenbeleuchtung und die Entwässerung des Bauwerkes. Um noch stärker als bisher auf das Denkmal hinzuweisen, soll es künftig bei Dunkelheit mit LED-Strahlern beleuchtet werden. Zudem wird eine Böschung neu angelegt, die mit großen Natursteinen befestigt werden soll. Auch der bisherige Gehweg werde erneuert. Er kann nach Abschluss der Bauarbeiten auch als Radweg genutzt werden. Bei Gottfried Reuther kommt das gut an. Radfahrer könnten nun von Rabenstein aus längere Touren bis ins Erzgebirge unter die Pedale nehmen. "Bis nach Lugau ist der Radweg schon fertig", sagt Reuther. Er hofft, dass es bald auch einen Anschluss in Richtung Innenstadt geben wird.

Der Verkehr auf der Oberfrohnaer Straße, die unter dem Eisenbahnviadukt verläuft, soll während der Bauarbeiten "weitestgehend ohne Beeinträchtigung" verlaufen, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Sanierung der Brücke soll mit einem Hängegerüst erfolgen. Vollsperrungen seien derzeit nicht vorgesehen. Dagegen wird die komplette Sperrung des Wanderweges auf dem Viadukt während der Instandsetzung "wahrscheinlich nicht vermeidbar sein", erklärt der Sprecher weiter. Dazu sollen konkrete Informationen Mitte 2020 folgen. Die Stahlbetonplatten auf dem Weg befinden sich in einem schlechten Zustand. Die Oberfläche sei rissig, eine Abdichtung nicht vorhanden.

Die Reaktionen auf die Erneuerung des Viadukts, auf dem 1950 der Zugverkehr eingestellt wurde, und die Ausweisung des Radweges fallen unterschiedlich aus. Positiv sieht Uwe Fiedler von der benachbarten Burg Rabenstein die Arbeiten. "Davon werden sicher alle anliegenden touristischen, kulturellen, gastronomischen Einrichtungen profitieren", sagt er. Aus Sicht der Betreiber der Burg sei vor allem die verstärkte Einbindung in den Fahrradtourismus sehr willkommen, erklärt Fiedler. Andreas Schön von der Gaststätte mit Pension "Don Promillo", die sich unterhalb der Brücke befindet, hat eine andere Meinung. "Ich bezweifle stark, dass künftig mehr Touristen bei mir einkehren", sagt er. Der Weg vom Viadukt hinunter in sein Lokal oder in die auf der anderen Straßenseite gelegene Konditorei sei einfach zu weit. Die kürzeste Verbindung, ein Wanderweg, der vom Viadukt direkt zu seinem Grundstück führe, sei zugeschüttet, so Schön. Würde dieser Wanderweg wiederbelebt, kämen sicherlich künftig mehr Ausflügler bei ihm vorbei. "Dafür würde ich auch selbst einen Wegweiser bauen", sagt er.

Gottfried Reuther ist sich dagegen sicher, dass auch das Umland von der Viadukt-Sanierung profitieren wird. "Ob Naherholungsgebiet mit Stausee oder der Rabensteiner Wald, es werden bestimmt mehr Besucher als bisher in die Region kommen", sagt er.

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2Kommentare
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  • 0
    2
    Interessierte
    17.10.2019

    Vor 30 Jahren hatte man dafür wohl kein Geld , dazu brauchte man wohl erst das Parteivermögen ?

  • 1
    1
    cn3boj00
    16.10.2019

    Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Und für einen Wanderweg kann man etwas tun.



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