Video zeigt offenbar Stephan E. in Chemnitz

Ermittler prüfen Kontakte des mutmaßlichen Lübcke-Täters in Region

Chemnitz.

Der MDR hat am Wochenende Filmaufnahmen öffentlich gemacht, die den Neonazi Stephan E. auf einer von AfD und der rechtsextremen Wählergruppierung "Pro Chemnitz" initiierten Großdemonstrationen am 1. September 2018 in Chemnitz zeigen sollen. Für die Demonstration war damals bundesweit mobilisiert worden. Gegen Stephan E. ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen des Mordes am Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Der MDR hat das Material nach eigenen Angaben auf Echtheit geprüft und geht davon aus, dass es neben Stephan E. auch die Teilnahme von Markus H. an der Demonstration zeigt. Markus H. sitzt ebenfalls in Untersuchungshaft, ihm wird im Fall Lübcke Beihilfe vorgeworfen. In der vergangenen Woche war er von Stephan E. jedoch selbst der Tat bezichtigt worden.

Bereits im vergangenen Jahr war ein Foto öffentlich geworden, das Stephan E. und Markus H. als Teilnehmer besagter Demonstration in Chemnitz zeigen sollten. Die "Freie Presse" berichtete daraufhin Mitte November, dass Ermittler im Mordfall Lübcke Verbindungen von Stephan E. zur Chemnitzer Neonazi-Szene prüften. Zwar betonte die Bundesanwaltschaft als ermittlungsleitende Behörde damals, "zu laufenden Verfahren" gebe man "keine Auskünfte". Nach "Freie Presse"-Informationen indes ging es um mögliche längerfristige Kontakte von Stephan E. und Markus H. zu hiesigen Szene-Mitgliedern.

Das Foto aus dem vergangenen Jahr war von der Plattform Exif-Recherche Ende September veröffentlicht worden. Es zeigt Stephan E. und Markus H. auf jener Chemnitzer Straßenkreuzung, die dem Tatort der Messerstecherei, bei der im Vorjahr der Chemnitzer Daniel H. starb, am nächsten liegt.

Der Fall Lübcke hatte in der vergangenen Woche eine neue Wendung genommen. Der Anwalt von Stephan E. informierte die Öffentlichkeit darüber, dass sein Mandant nunmehr ausgesagt habe, Markus H. habe den tödlichen Schuss im Streit mit Lübcke versehentlich abgegeben habe. Nach Angaben von Verteidiger Frank Hannig hatte Stephan E. mit seinem ersten Geständnis Markus H. schützen wollen - ihm seien dafür Schutz und finanzielle Vorteile für seine Familie versprochen worden. (kle/eu/dpa)

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