Viele offene Fragen nach blutigem Vorfall in Kappel

Wurde versucht, einem 45-Jährigen das Ohr abzuschneiden? Die Polizei hält sich bedeckt, ermittelt nun aber auch gegen den Verletzten selbst.

Eine Anwohnerin wusste es schon nach wenigen Minuten ganz genau: "Soeben wurden vor meiner Haustür einem Familienvater die Ohren abgeschnitten von unseren Neubürgern", verbreitete sie vor gut einem Monat bei Facebook. Anlass war ein blutiger Vorfall mit einer Gruppe ausländischer Jugendlicher, der sich am Abend des 16. Februar in Kappel zugetragen hatte. Laut erstem Bericht der Polizei waren ein 45-Jähriger und dessen Begleiterin von vier 15- bis 21-Jährigen "beleidigt, bedroht und tätlich angegriffen" worden. Einer habe den Mann "mit einem spitzen Gegenstand" verletzt.

Gegen den 15-Jährigen wird weiterhin wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt, teilte eine Polizeisprecherin nun auf Anfrage mit. Ob sich der Vorfall tatsächlich wie seinerzeit beschrieben zutrug oder es mittlerweile neue Erkenntnisse gibt, dazu will sich die Polizei nicht äußern. Auch nicht zu der Frage, ob wirklich versucht wurde, dem Mann ein Ohr abzuschneiden, wie es im Internet tausendfach verbreitet worden war. Zu Verletzungsdetails äußere man sich generell nicht, so die Sprecherin.

Auf einem nach der Erstbehandlung ausgestellten Notfallschein, der ebenfalls im Internet zirkuliert, ist von einer "Risswunde" hinter der linken Ohrmuschel die Rede - und von einer Alkoholisierung des Patienten. Das behandelnde Krankenhaus lehnt unter Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht jede Erläuterung ab. Andere Ärzte halten es aber für wenig wahrscheinlich, dass eine Schnittwunde nicht als solche erkannt worden sein könnte. "Eine Wunde wird in aller Regel so genau und als das bezeichnet, was es ist", betont ein erfahrener Mediziner.

Unterdessen ist der 45-Jährige selbst zum Gegenstand von Ermittlungen geworden - wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Grund ist ein Kommentar, den er kurz nach dem Vorfall im Internet hinterlassen hatte. Auf dem Facebook-Profil des Mannes findet sich eine Reihe von Einträgen mit ausländerfeindlichen, zum Teil rechtsextremen Bezügen. Ein Bild etwa zeigt ein blondes Mädchen mit einer Hitler-Figur in den Händen. Kommentar: "Es muss nicht immer Barbie sein."

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