Vier Unfallverursacher flüchten pro Tag

In Mittelsachsen haben in den ersten zehn Monaten des Jahres 1172 Beteiligte pflichtwidrig den Unfallort verlassen. Über 40 Prozent werden dennoch erwischt.

Claußnitz/Hartmannsdorf.

Vor der Sparkasse in Claußnitz beschädigt ein bislang unbekanntes Fahrzeug einen Mazda, der dort ordnungsgemäß abgestellt war. Der Unfallverursacher hält zunächst an, verlässt dann aber den Unfallort. Ein ähnlicher Fall in Hartmannsdorf: Ein unbekanntes Fahrzeug prallt gegen einen Skoda Octavia, der auf dem Parkplatz des Tanklagers geparkt ist. Auch in diesem Fall macht sich der Unfallfahrer davon. Nochmals Hartmannsdorf: Ein Skoda Fabia steht vor einem Grundstück an der Feldstraße. Ein unbekanntes Fahrzeug beschädigt den Wagen, der Fahrer fährt weiter. Im Lunzenauer Ortsteil Cossen kommt einem VW Tiguan in einer Kurve kurz vor dem Ortseingang ein roter Pkw entgegen, dessen Fahrer sich nicht ans Rechtsfahrgebot hält. Es kommt zum Zusammenstoß der beiden linken Außenspiegel. Der Fahrer des roten Autos verlässt die Unfallstelle.

Laut Polizei gibt es im Landkreis im Schnitt rund vier Fahrerfluchten am Tag. "Vom 1. Januar bis 31. Oktober 2019 wurden bei der Polizeidirektion Chemnitz 1172 Verkehrsunfallfluchten in Mittelsachsen registriert", informiert Daniela Koenig. Die Autobahnen seien dabei ausgenommen. Gegenüber den Vorjahren haben die Gesetzesbrüche zugenommen. Laut Koenig gab es 2018 im Vergleichszeitraum 1153 Verkehrsunfallfluchten, 2017 seien es bis Ende Oktober 1092 gewesen.

Laut dem Verkehrsbericht der Polizeidirektion für das vorige Jahr konnten 41,6 Prozent aller Unfallfluchten in Mittelsachsen aufgeklärt werden. Im Erzgebirgskreis (46,1 Prozent) und in der Stadt Chemnitz (49,3 Prozent) lag die Erfolgsquote der Ermittler dem Bericht zufolge noch höher.


Das rät die Polizei Unfallbeteiligten

Bei geringfügigem Sachschaden ist unverzüglich beiseite zu fahren, um andere Verkehrsteilnehmer nicht unnötig zu behindern (§ 34 StVO).

Von einem Anruf bei der Polizei können Sie absehen, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. In diesem Fall sollten Sie jedoch daran denken, eigenständig Beweise zu sichern bzw. den Unfall zu dokumentieren, beispielsweise Fotos aufzunehmen.

Wenn bei einem Parkplatzunfall der Verursacher nicht mehr vor Ort sein sollte, überlegen Sie bitte, neben welchen Fahrzeugen sie Ihres geparkt hatten. Wichtig ist hierbei auch die Abstell- und die Feststellzeit. Teilen Sie der Polizei in solchen Fällen auch mit, ob andere - etwa Anwohner oder Mitarbeiter angrenzender Geschäfte - den Unfall verfolgt haben könnten.

Einen Zettel mit ein paar wenigen Daten hinter der Frontscheibe zu hinterlassen, ist nach gültiger Rechtssprechung zumeist nicht ausreichend, wenn man selbst der Schuldige eines Malheurs ist, erklärt Daniela Koenig von der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz. Die Polizei leite gegebenenfalls dennoch Ermittlungen wegen des Verdachts des unerlaubten Entfernens vom Unfallort ein. Über den Ausgang des Verfahrens entscheide dann die Staatsanwaltschaft.

Sollte ein Unfallgegner nicht versichert sein oder in Fällen der Unfallflucht nicht ermittelt werden können, hilft Ihnen gegebenenfalls die Verkehrsopferhilfe weiter.

Sogenannte Bagatellunfälle, bei denen durch den Polizeibeamten noch am Unfallort eine mündliche Verwarnung oder ein Verwarnungsgeld ausgesprochen wurde, werden nicht weiter durch die Polizei bearbeitet.

Schwerwiegendere Verkehrsunfälle gelangen nach entsprechender Weiterbearbeitung durch die Polizei an die jeweils zuständige Bußgeldstelle bzw. bei einem Straftatverdacht an die jeweils zuständige Staatsanwaltschaft. (jan)

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