Vom Cello bis zur Trommel - Wie Schüler fremde Klänge entdecken

In der Brass-Band "Banda Internationale" spielen Musiker aus sieben Nationen. Jetzt war die Gruppe aus Dresden in der Annenschule zu Gast. So vielfältig wie ihre Herkunft war auch der Tag.

Reitbahnviertel.

Diesen Tag werden die Schüler der Klassenstufen fünf bis sieben der Annenschule so schnell nicht vergessen. Statt regulärer Unterricht stand ein musikalischer Workshop auf dem Stundenplan. Doch nicht die gewohnten Lehrer unterrichteten an diesem Tag, sondern die Brass-Gruppe "Banda Internationale" aus Dresden. Das Besonderere an den Musikern: Sie stammen aus Polen, Russland, Irak, Syrien, Palästina, Burkina Faso und Deutschland. Einige von ihnen kamen als Flüchtlinge nach Dresden.

Im Kellergeschoss der Schule, wo sich die Räume für den Werkunterricht befinden, wird gesägt und gefeilt. "Je länger das Rohr ist, desto tiefer wird der Ton", erklärt der Tenorsaxofonist der Banda, Richard Ebert. Zusammen mit seinem Band-Kollegen, dem Posaunisten Felix Korte, führt er den Kindern vor, wie man aus einem Stück PVC-Leitung ein Didgeridoo herstellen kann. Neben dem traditionellen Instrument der Aborigines - der Ureinwohner Australiens - stehen eine Flöte aus Trinkhalmen, eine Rassel aus Holzspan sowie eine Kazoo aus Kunststoffrohr auf dem Bauplan. Für letztere hat sich Erik Förster entschieden. Der 13-jährige Schüler erzählt, dass er erst von den Mitgliedern der Banda erfahren habe, dass das maultrommelähnliche Instrument in der ganzen Welt gespielt wird.


Szenenwechsel. Die Schulturnhalle ist erfüllt von Klatsch- und Trommellauten. Thabet Azzawi sitzt auf einem Cajon. In der Banda spielt er eigentlich die Oud, ein Saiteninstrument aus Persien, das der Mandoline ähnelt. Zu den rhythmischen Geräuschen versammelt Trompeter Arystan Petzold die rund 30 Kinder zum Kreistanz und erklärt: Einen Schritt nach links gehen, dann in die Hände klatschen, springen und ein lautes "Hey."

Etliche Räume weiter, im Musikzimmer, sitzen 20 Schüler auf Schlagwerken im Kreis. In der Mitte steht Akram Al-Siraj mit einem Cello und verteilt Kopien mit Noten und Text. Auf den Blättern ist zu lesen "Ey çoban, nedir kederin?" Ein türkisches Lied, das die Geschichte eines Schäfers erzählt, der von seiner Herde getrennt wurde. Eine Metapher für die Suche nach Heimat, erklärt Akram Al-Siraj. Nach dem musikalischen Ausflug an den Bosporus geht es weiter in den Osten Europas. Als nächstes steht das russische Wiegenlied "Bajuschki, baju" auf der Liste. Damit die Kinder den Text verstehen, übersetzt ihn Alexander Valnov zuerst, bevor er das Lied am Flügel intoniert.

Nebenan in der Aula geht es laut zu, denn viel Brass kommt hier zum Einsatz. Etwa die Hälfte der Schüler der Klassenstufen fünf und sechs entscheidet sich für das musikalische Profil und erlernt ein Instrument, erklärt Schulleiterin Ulrike Schulz. Danach können sich die Kinder entscheiden, ob sie bei dem Instrument bleiben wollen. Einige ältere Schüler seien Mitglied des Jugendblasorchesters, so Schulz. Musik sei ein wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzepts der Schule. Als sie von der Möglichkeit des Workshops erfahren hatte, habe sie die Band sofort gefragt, ob sie in die Annenschule kommen will.

Nun sitzen die rund 40 Schüler im Halbkreis, ausgerüstet mit Saxofon, Tenorhorn, E-Gitarre, Schlagzeug und anderen Instrumenten. Es soll ein Hardrock-Thema gespielt werden. Trompeter Germi Riess erklärt kurz die Reihenfolge der Einsätze der Instrumente, steigt danach auf einen Stuhl und spielt selbst die Solotrompete. Die Kinder proben für das Abschlusskonzert, denn am Ende des Workshops versammeln sich alle Schüler in der Aula. Zum Teil mit selbst gebastelten Instrumenten, zum Teil mit Instrumenten der Schule. Wer nicht mitmusiziert, der singt mit oder klatscht. Auf der Bühne stehen zum Abschied Banda Internationale selbst.

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