Vom Glück des Sammelns und des Schenkens

Beim zweiten Chemnitzer Galerierundgang zeigte sich: Die schönsten Kunsterlebnisse müssen nicht vom Geld abhängig sein.

Das Staunen in der Galerie "e.artis" war fast greifbar, als Sammler Wolfgang Müller zum Abschluss eines Podiumsgesprächs, in dem es oft darum ging, wie man das nötige Geld für eine Kunst- (oder Wein- oder Whisky-) Sammlung beschafft, seine ganz besondere Idee zum zweiten Chemnitzer Galerierundgang offerierte. Er verschenkte Originalmalereien des baden-württembergischen Künstlers Walter Wohlschlegel.

"So viel Großzügigkeit ist heute selten", meinte ein Zuhörer. Wolfgang Müller aber schlug damit geschickt den Bogen vom Motto des Gesprächs "Leidenschaft Kunst - das will ich mir leisten" zu seiner Auffassung vom Sammeln, die das Verschenken einschließt. Denn, sagt er, es ist ihm lieber, er weiß ein Bild in guten Händen, als dass es auf dem Dachboden schlummert. Wie ihm die Fragen nach dem wachsenden Wert seiner Sammlung afrikanischer Kunst auch eher unwichtig schienen. Er habe nie gesammelt, um etwas mit Gewinn zu verkaufen, sondern um sich selbst Wünsche zu erfüllen, um das Glück des Anschauens und der Geschichten hinter den Masken und Fetischen aus Afrika, den Grafiken von Wolfgang Mattheuer oder Joan Miró zu genießen: "Da kann ich mich drei Stunden davor setzen und mich freuen." Im Übrigen sei er gern in Ostdeutschland, sagt er später in der Galerie Borssenanger, die sich ebenso wie die Galerien Schmidt-Rottluff, Alina, Am Rosenhof und die Siedlungsgemeinschaft am Rundgang beteiligten. Hier sei die Kunstszene lebendiger.

In der Galerie Borssenanger wurde eine Ausstellung mit Gemälden des Ungarn Csaba Fürjesi und des gebürtigen Freibergers André Deloar eröffnet. Während Fürjesi seine Bilder philosophisch auflädt, erinnern Deloars Arbeiten an ewige Baustellen, auf denen etwas entsteht, das man oft nicht genau benennen kann - Verbildlichung einer Art Wachstum um jeden Preis und ohne Sinn.

Um vorhandene Gebäude auf dem Sonnenberg ging es in der Galerie Hinten im Lokomov, der einzigen nichtkommerziellen Galerie, die sich an der Aktion beteiligte. Sie überraschte mit einer künstlerischen Intervention an der Zietenstraße. Dort sorgten die Dresdner Enrico Sutter und Daniel Schramm mit einer Performance zur Musik von vier Cellisten für einen Klang- und Farbtupfer an der Straße. Auch dies ein Geschenk - das man sich leisten kann und das im Juli noch zwei weitere Auflagen erfährt.

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