Vom Haben und vom Teilen

Auf dem Sonnenberg können Menschen sich künftig Sachen ausborgen, die sie nicht selbst besitzen können oder wollen. Ein Verein will damit Konsumkreisläufe hinterfragen und Gemeinschaft schaffen.

Braucht jeder Mensch eine eigene Bohrmaschine? Wenn es nach dem Team des künftigen "Karleihla" auf dem Sonnenberg geht, ist die Antwort einfach: Wer eine Bohrmaschine braucht, geht in den Leihladen und borgt sich dort eine. Selbiges gilt für Feuerschalen, Kinderspielzeug, Bierbänke und noch vieles mehr, vor allem für Utensilien, die nicht permanent, sondern eher punktuell in Gebrauch sind. "Es macht keinen Sinn, Sachen zu kaufen, die kaum genutzt werden, aber in jedem Haushalt vorhanden sind", sagt Cindy Paukert.

Sie gehört zu einem fünfköpfigen Team, das sich derzeit für den Leihladen stark macht. Ihr Ziel: Solidarität zeigen und Menschen einen Zugang zu Werkzeugen und Gegenständen schaffen, den sie sich sonst nicht leisten können. Auch der Gedanke an Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung treibt das Team an. Anstoß für das Projekt gab das Stadtlabor auf dem Brühl, in welchem 2019 mehrere Veranstaltungen angeboten wurden, bei denen sich Menschen für Projekte und Ideen zusammenfinden konnten. "Dort wurde Infrastruktur zur Verfügung gestellt, um Bürger zu ermutigen, eigene Projekte umzusetzen, so Paukert. Sie selbst nahm an einem der Treffen teil und kam auf diesem Weg mit ihrem heutigen Team ins Gespräch. Zu Beginn des Vorjahres kam es dann zu ersten Treffen, mit Begleitung und Expertise des Stadtlabors. "Im Mai haben wir dann den Sonnenberg ins Auge gefasst. Wir wollten unseren Leihladen gerne in einem Stadtteil mit hoher Bevölkerungsdichte und großer sozialer Durchmischung", erklärt die Aktivistin. Das Team durchlebte im Prozess einige Wechsel bei den Teilnehmern, die Idee wurde konkreter. Dann machten sich die Ehrenamtler auf die Suche nach einem Trägerverein, der die Idee mit stemmen könnte. Fündig wurden sie beim Verein Stadthalten, der auch ein Repariercafé auf dem Sonnenberg betreibt. Cindy Paukert kann sich künftige Synergien gut vorstellen.

Auch in Stadtteilmanager René Bzdok fanden sie einen Unterstützer. Er besorgte ihnen einem Raum an der Paul-Arnold-Straße, Ecke Sonnenstraße - im Kellergeschoss des Hauses, in dem sich auch das Stadtteilmanagement befindet. "Ich wollte immer ein Stadtteillager haben", erklärt Bzdok. Das Stadtteilmanagement verfüge über eine ganze Reihe von Utensilien, unter anderem Bierbänke, Müllpicker, Straßenbesen und Schneeschaufeln. Letztere werden vor allem für Einsätze zur Reinigung des Sonnenberges verliehen, die Bänke und anderes aber auch an Privatpersonen oder andere Vereine für Veranstaltungen. Der Stadtteilmanager habe sogar Fördermittel für den Raum bekommen, bislang fehlte es aber an Personen, die sich um das Verleihen der Gegenstände kümmern. "Ich würde mir wünschen, dass die Dinge häufiger genutzt werden als zwei bis drei Mal pro Jahr", sagt er. Daher habe er sich sofort für die Idee des Leihladens erwärmen können. Ein Grundstock an Gegenständen ist nun schon im künftigen Laden vorhanden. Es sollen jedoch mehr werden.

Denn das Konzept des Leihladens sieht vor, dass jeder Interessent einen Gegenstand mitbringt, der dann ebenfalls verliehen werden kann. Zudem soll eine Jahresmitgliedschaft von 36 Euro pro Jahr gezahlt werden, um die Kosten für den Laden zu decken. Auch Probemitgliedschaften und Leihmodelle sind im Gespräch, ebenso ein Patenmodell, für Menschen ohne oder mit wenig Einkommen. "Wir wollen Menschen die Möglichkeit geben, ganz individuell mit uns zu sprechen", sagt Cindy Paukert.

Anvisierter Eröffnungstermin ist der 1. April. Um an diesem Tag öffnen zu können, müssen noch einige Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Dafür suchen die Ehrenamtler Mitstreiter. Vor allem Fachkundige, die bei Versicherungs- und Rechtsfragen helfen oder eine Internetseite gestalten können, aber auch Freiwillige, die Gegenstände einbringen und später bei der Betreuung des Leihladens helfen, werden gesucht.

Kontakt zum Leihladen kann per E-Mail an Karleihla.chemnitz@gmail.com aufgenommen werden.

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