Von der Orgelwerkstatt aufs Feld

Bevor er in die Landwirtschaft wechselte, baute ein Waldenburger die großen Instrumente. Der Quereinstieg in den neuen Job hatte viele Vorteile - und einen großen Nachteil.

Waldenburg.

Arbeit hat ein Landwirt auch im Winter. Thomas Sander aus Waldenburg sieht man jedenfalls auch in den kalten Monaten auf seinem Hof im Ortsteil Oberwinkel in Arbeitskleidung. "Die Maschinen müssen repariert und gewartet werden", sagt er. Seit zwei Jahrzehnten arbeitet er hier im Landwirtschaftsbetrieb, den er von seinen Schwiegereltern übernommen hat - damals als Seiteneinsteiger. Denn in seinem ersten Berufsleben baute und sanierte Sander Orgeln.

Orgelbauer und Landwirt - zwei traditionsreiche Handwerksberufe, die auf dem ersten Blick nicht viel gemeinsam haben. "Ich habe mit 18 Jahren die Schule geschmissen und ein Praktikum bei einem Orgelbauer in Leverkusen gemacht", erklärt er. Es folgten Ausbildung und Wanderjahre durch Deutschland. Mitte der 1990er-Jahre der Umzug in den Osten. Ehefrau Astrid arbeitete nahe Zittau, er in einem Unternehmen bei Bautzen. Schließlich ging es auf den Hof der Schwiegereltern in Oberwinkel, wo er sich eine Werkstatt einrichtete. Als die Schwiegereltern in den Ruhestand gingen, übernahm er den Betrieb.

"Ich mochte den Orgelbau zwar, aber es war wohl nie zu 100 Prozent meine Sache", sagt der sechsfache Familienvater. "Ich war immer eher der Techniker." Das gilt auch für seine Tätigkeit als Bauer, die so ihre Eigenheiten hat. "Viele Maschinen drehen auf Feldern via GPS bereits autonom ihre Bahnen. Das ist bei uns schon aufgrund der mangelhaften Funkverbindung ein Problem", so der Landwirt. Aber an seinen Maschinen tüfteln, über Abläufe nachdenken, das sei seine Welt, sagt Sander. Doch wie ist es, Quereinsteiger zu sein? "Wer mit der Agrarwirtschaft nicht aufgewachsen ist, hat es später schwer, alle Zusammenhänge zu verstehen", erklärt er. "Ich habe einen Kollegen, der schaut eine Pflanze an und sagt dir sofort, was sie für eine Krankheit hat. Da kann ich nicht mithalten."

Dafür bringt Sander etwas anderes mit. "Als Quereinsteiger hat man oft einen frischen Blick auf die Dinge und geht freier an Neues heran." Als er vor 15 Jahren seinen Betrieb auf Direktsaatverfahren umstellte, war er in der Region der Erste. Dabei wird der Ackerboden nicht mit einem Pflug umgegraben. Die Saat wird stattdessen oberflächennah abgelegt, das Ökosystem des Bodens so geschont. "Damals haben wohl viele gedacht, dass wir den Betrieb hier dichtmachen können", so Sander. 2006 erhielt er dafür den Sächsischen Umweltpreis. Gegenwärtig entwickelt er mit dem Institut für Fördertechnik der TU Chemnitz eine neue Düngemethode. Seinen letzten Auftrag als Instrumentenbauer erledigte er in der Aula des Waldenburger Eurogymnasiums, wo er die Kreutzbach-Orgel sanierte.

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