Von der Sehnsucht nach Normalität

Gala aus dem Opernhaus war deutschlandweit live im Radio zu hören

Besondere Situationen erfordern besondere Ideen. Eine hatten die Theater Chemnitz, die Radiosender Deutschlandfunk Kultur, MDR Kultur und MDR Klassik. Sie luden Musikerinnen und Musiker, Intendanten, Regisseure und Regisseurinnen aus ganz Mitteldeutschland für Samstagabend ins Opernhaus zu einer Operngala nebst vielen Gesprächen zur Situation der Theater an einen von Bettina Volksdorf und Stefan Lang moderierten Stammtisch ein. Ein auch über drei Stunden nie langweiliges, abwechslungsreiches Programm - das aber wegen Corona ohne jeden Beifall blieb.

Was für ein Abend wäre dies mit Publikum gewesen - Ausschnitte aus herausragenden, preisgekrönten, originellen, populären und selten gespielten Opern mit hervorragenden Sängerinnen und Sängern, begleitet oft nur von Pianisten wie dem Chemnitzer Jeffrey Goldberg oder von kleinster Besetzung, unter anderem mit dem Chemnitzer Cellisten Thomas Bruder. Aber auch ohne Publikum war der Abend ein großartiger "Solidaritätsbeweis" der mitwirkenden Häuser, wie Moderatorin Bettina Volksdorf sagte. Dazu bedurfte es nicht langer Bitten, wie Cheforganisator Patrick Wurzel vom Opernhaus erklärte. Für die Zusagen der mehr als 70 Mitwirkenden von 19 Theatern habe es "keine 48 Stunden" gedauert. Musikerinnen hätten sogar private Termine abgesagt, um dabei sein zu können.

Dennoch wollten viele Gesprächspartner die während der Coronapandemie entwickelten neuen Ideen - digitale Programme, Auftritte in kleinen Notbesetzungen und an ungewöhnlichen Orten, Drive-In-Konzerte - nicht idealisieren. "Theater hat mit Abstand nichts zu tun", bekräftigte Ingolf Huhn, Intendant des Eduard-von-Winterstein-Theaters Annaberg-Buchholz. Auch die sächsische Ministerin für Tourismus und Kultur, Barbara Klepsch (CDU), gab zu bedenken, dass man mit dem "Kreativpotenzial", das während der Coronakrise entwickelt worden sei, nicht die Dramatik der Situation überspielen solle: "Es sind Existenzen bedroht", man sehne sich danach, wieder wie zuvor Theater auf der Bühne und mit Publikum machen zu können.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.