Von fleißigen Helfern und drei großen Wünschen

Wie entwickeln sich die einzelnen Chemnitzer Gebiete? Welche Projekte sind geplant? Wo gibt es Sorgen? "Freie Presse" nimmt die Stadtteile unter die Lupe. Heute: Einsiedel.

Das moderne Gebäude am Ortseingang von Einsiedel aus Richtung Erfenschlag kommend ist ein Alleinstellungsmerkmal für den Stadtteil im Chemnitzer Südosten: Das Gymnasium ist das einzige in Chemnitz, das sich am Stadtrand befindet. Die Bildungsstätte sowie die Grundschule sind für den Ort von herausragender Bedeutung, sagen Monika Gerth und Ronny Förster. Im Gymnasium lernen nicht nur viele Einsiedler Schüler, hier kommen Senioren zur Weihnachtsfeier zusammen und in der Turnhalle treiben viele Einwohner Sport.

Doch während das Gymnasium für den Einsiedler Nachwuchs so nah ist, sind Oberschulen weit weg. "Der Bedarf nach einer Oberschule im Chemnitzer Süden ist sehr hoch", sagt Monika Gerth vom Förderverein der Grundschule und Elternratsvorsitzende. Der Wunsch nach einer Oberschule gelte nicht nur für Einsiedel, sondern auch für benachbarte Stadtteile wie Erfenschlag und Reichenhain. Weil der Weg zu Chemnitzer Oberschulen lang ist - die nächsten befinden sich im Heckert-Wohngebiet und in der City - , besuchen viele Einsiedler Oberschüler Schulen in Burkhardtsdorf, Thalheim oder Zschopau, so Ronny Förster. Er arbeitet bei der Chemnitzer Berufsfeuerwehr und ist Mitglied der Freiwilligen Wehr Einsiedel.


Wenige Meter neben dem Gymnasium befindet sich mit dem Teich der ehemaligen Papierfabrik ein Lieblingsort vieler Einsiedler, sagt Monika Gerth. Bänke laden zur Erholung ein, auf einem asphaltierten Weg können Besucher um das Gewässer spazieren. Nicht weit davon entfernt steht der Hof von Bauer Rene Leimbrock. Er sei ein Beispiel für unkomplizierte Nachbarschaftshilfe, sagt Gerth. "Er tut viel für den Ort, stellt etwa eine Fläche für den Zirkus zur Verfügung." Auch die Feuerwehr unterstützt er, sagt Ronny Förster. Für das Höhenfeuer, organisiert vom Feuerwehrverein, hilft er mit Technik. Im Gegenzug schaufelten Feuerwehrmänner dem Bauern im schneereichen Winter 2012 ein Stalldach frei, erinnert sich Förster. Auch deshalb lebe sie gern in Einsiedel, sagt Monika Gerth. "Die Menschen helfen sich untereinander." Nicht nur in Vereinen gebe es fleißige Ehrenamtler, auch außerhalb. Als Beispiel nennt die 47-Jährige die Pyramiden-Männer um Horst Heidernätsch, die unermüdlich seit 1970 jedes Jahr im Dezember die Ortspyramide aufbauen. Seit drei Jahren bieten die Männer zusätzlich für die Grundschüler eine Führung an, bei der sie Wissenswertes zur Pyramide und ihrer Geschichte erzählen, so Monika Gerth.

Unweit von ihrem Standort in der Ortsmitte verläuft die seit September 2018 gesperrte Bahnstrecke Chemnitz - Aue. Voraussichtlich ab Herbst 2020 sollen dort nach Umbauarbeiten Straßenbahnen fahren. Monika Gerth und Ronny Förster sind bei weitem nicht die einzigen Einsiedler, die die Bahn vermissen, sagen sie. Sie hoffen, dass die Bauarbeiten schnell beginnen. Ausgebaut werden soll auch der Zwönitztalradweg neben der Bahntrasse. "Das ist ein großer Wunsch vieler Einsiedler und ganz wichtig. Mit dem Rad ist man schnell in der Stadt", sagt Ronny Förster. Der Ausbau des Weges ist vom Reichenhainer Bahnhof über Erfenschlag bis zum Bahnhof Einsiedel vorgesehen, auch den Chemnitzer Stadtpark soll er anbinden.

Wer im Ort zu Fuß unterwegs ist, freut sich nicht nur bei der derzeitigen Hitze über eines der jüngsten Projekte im Stadtteil: die Mitfahrerbank. Sie steht an der Kreuzung Harthauer Weg/Einsiedler Hauptstraße, am Fuß des steilen Anstiegs zu Grundschule, Kirche, Friedhof und Siedlung. "Ist die Bank besetzt, wissen Autofahrer, dass derjenige eine Mitfahrgelegenheit benötigt. Das ist eine richtig gute Idee", sagt Monika Gerth. Für Fahrradfahrer hofft sie dagegen auf mehr Komfort: "Am Rathaus muss dringend ein Fahrradständer hin." Das große Haus an der Ortsdurchfahrt ist wichtiger Anlaufpunkt für Einwohner, dort haben unter anderem Vereine, Arbeitsgemeinschaften, ein Seniorenclub und die Bibliothek ihren Sitz.

An der Ortsdurchfahrt behindern derzeit kleine Baustellen den Verkehr: Zeichen dafür, dass in Einsiedel der Breitband-Ausbau gestartet ist. Auch woanders wird gebaut: In der Nähe des Bahnhofs entsteht ein Supermarkt, auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei werden 25 Grundstücke für Häuslebauer geplant, sagen Gerth und Förster. Auch für Unternehmen gibt es freie Gewerbeflächen, sagen sie. Grünes Licht gab es auch für die von Eltern, Lehrern und Schülern seit langem herbeigesehnte Sanierung des Schulhofes der Grundschule. Eine Baustelle lässt wohl noch länger auf sich warten. Am Ortsende von Einsiedel Richtung Dittersdorf schauen beide kritisch auf den Asphalt der Ortsdurchfahrt. Man sieht ihm an, dass er dutzende Male geflickt wurde. Die Straße, in dem Start- und Zielbereich für die über Sachsen hinaus bekannte Erzgebirgsrundfahrt der Radrennfahrer, muss dringend erneuert werden, wünschen sich Monika Gerth und Ronny Förster.


Das ist Einsiedel

In dem Stadtteil im Südosten von Chemnitz lebten Ende Februar auf einer Fläche von knapp elf Quadratkilometern 3548 Menschen. Zwischen 2008 und 2017 sank die Bevölkerung von Einsiedel um 5,5 Prozent. Das entspricht dem Chemnitzer Durchschnitt. Die Talsperre dient der Trinkwasserversorgung von Einsiedel. Der Stadtteil grenzt im Süden an den Erzgebirgskreis. (hfn)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    5
    Interessierte
    26.06.2019

    Was ist denn das eigentlich für eine Serie , da muß ich mich gelegentlich mal durchlesen ;-)



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