Von Naturgeld aus Teeblättern bis zur digitalen Währung

4000 Jahre Geschichte von Münzen und Scheinen sind derzeit Thema einer Ausstellung der Sparkasse im Moritzhof. Ein Exponat ist für die Veranstalter besonders wertvoll.

Genau 461 Taler und 12 Groschen zahlte die erste Chemnitzer Sparkassenfiliale in der Turmstube des alten Rathauses an ihrem Eröffnungstag, dem 1. Juli 1839, an Kunden aus. Festgehalten hat das in Schönschrift der damalige Stadtschreiber August Friedrich Röhr, der zugleich erster Kassierer der Sparkasse war, im Hauptbuch des per königlichem Dekret vom 5. März 1839 genehmigten Geldinstituts. Dieses im Original erhaltene Hauptbuch, in dem alle täglichen Einnahmen und Ausgaben verzeichnet wurden, ist seit Montag in einer Ausstellung anlässlich 180Jahre Sparkasse Chemnitz im Moritzhof zu sehen. "Für uns ist es wegen seiner Geschichte das wertvollste Exponat", sagt Unternehmenssprecher Sven Mücklich.

Das Thema der im Auftrag des Ostdeutschen Sparkassenverbandes entstandenen Wanderausstellung lautet 4000 Jahre Geldgeschichte. Auf 29 Informationstafeln und in zwei Vitrinen werden Originale, Nachbildungen und Fotos von historischen und aktuellen Zahlungsmitteln aus aller Welt gezeigt und erläutert. In einer der Vitrinen liegen Beispiele für Natur- oder Primitivgeld, das als erste Währung den reinen Tauschhandel ablöste. Dazu gehören Muschel- und Schneckengehäuse, bestimmte Erbsen, Glasperlen und ein sogenannter Teeziegel. Solche aus pulverisierten Teeblättern gepressten Barren waren in Südchina, Tibet, Birma, der Mongolei und in Südsibirien teilweise noch bis ins 20. Jahrhundert in Umlauf. Das größte und schwerste Zahlungsmittel der Welt wird dagegen nur auf Fotos gezeigt: Bis zu vier Meter hohe und fünf Tonnen schwere Scheiben aus Kalkstein, die auf einer zu Mikronesien gehörenden Inselgruppe im Westpazifik bis heute als Zahlungsmittel gelten. Um ihren Besitzer zu wechseln, werden die schweren Steine meist gar nicht bewegt.

Geradezu federleicht und winzig wirken im Vergleich dazu Münzen wie ein Diobol aus Griechenland 550 Jahre vor Christus, ein Silberpfennig aus dem 10. und ein Hohlpfennig aus dem 12. Jahrhundert. Diese gehören zum Inhalt der zweiten Vitrine, welche die Chemnitzer Sparkasse laut ihrem Sprecher zum Großteil selbst mit Exponaten aus der Stadt und Region bestückt hat. Neben dem ersten Hauptbuch von 1839 zählen dazu Geldscheine von 1908 bis 1932 und aus der Zeit der Hyperinflation von 1923 sowie eine Heimspardose, die von der Städtischen Sparkasse Limbach in den 1920er- bis 1940er-Jahren an Kunden verliehen wurde. Die Schlüssel zum Leeren verblieben bei der Sparkasse. Eine Etage höher liegen Sparbücher der Sparkasse Karl-Marx-Stadt aus der Zeit von 1957 bis 1993 und eine Geldkarte dieser Sparkasse. Mehrere DDR-Mark-Scheine - darunter ein 200er und ein 500er, die gar nicht mehr in Umlauf kamen - und Forum-Schecks sind ausgestellt, in die DDR-Bürger westdeutsche D-Mark umtauschen mussten, um in Intershop-Geschäften einkaufen zu dürfen. Dort gab es Produkte, die für DDR-Mark nicht erhältlich waren. Auch an die Einführung des Euro in der Bundesrepublik 2002 wird erinnert: mit einem in Folie eingeschweißten Paket Papierschnipsel, das die geschredderten Überreste von 50.000 D-Mark enthalten soll.

Die Informationstafeln geben nicht nur Auskunft zur Entwicklung der Finanzen von Naturwährungen über Münzen und Scheine bis zu bargeldlosen Überweisungen und digitalen Zahlungsmitteln wie dem Bitcoin, sie erzählen auch Geschichten rund ums Geld. So wird über den Augsburger Kaufmann und Bankier Jakob Fugger (1459-1525) berichtet, der mit seinem Reichtum Kaisern auf den Thron verhalf, und über den Tulpenwahn um 1640 in Holland als erster Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte. Eine weitere Tafel ist der bisher größten Geldfälschungsaktion gewidmet: dem Unternehmen Bernhard, bei dem Nazideutschland jüdische KZ-Häftlinge falsche britische Pfundnoten drucken ließ.

Die Ausstellung 4000 Jahre Geldgeschichte wird noch bis zum 24. Mai im Veranstaltungssaal der Sparkasse im Erdgeschoss des Moritzhofes, Bahnhofstraße 52, gezeigt und kann zu den Öffnungszeiten der Filiale montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 18 Uhr sowie mittwochs und freitags von 9 bis 13 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Für Schulklassen, die um Voranmeldung unter der Telefonnummer 0371 991004 gebeten werden, bietet die Sparkasse auch Führungen an.

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