Vor der Filmpremiere auf Geldsuche

In wenigen Tagen soll der Streifen "Hurra, es ist ein Mädchen" zum ersten Mal gezeigt werden. Doch die Finanzierung wackelt. Das liegt vor allem daran, dass aus 19 porträtierten Frauen jetzt 25 geworden sind.

Regisseurin Beate Kunath hat mit "Hurra, es ist ein Mädchen" eines der aufwendigsten Projekte ihrer Karriere realisiert.
Maria Schmid-Billhardt fotografierte in Chemnitz ganze Generationen. Vor allem ihre Kinderporträts sind berühmt.

Für Sie berichtet: Jana Peters

Vom Sommer hat Beate Kunath in den vergangenen Wochen nicht viel mitbekommen. Sie verbringt die meiste Zeit des Tages vor dem Computer, an dem sie das Material für ihren Film "Hurra, es ist ein Mädchen" schneidet. Täglich sitzt sie dort rund zwölf Stunden. Denn der Film muss fertig werden. Am 25. August ist Premiere, eine Woche vorher ist Kunath in einem Tonstudio für die Musikmischung. Bis dahin muss sie fertig sein mit dem Filmschnitt.

Kunath hat schon zahlreiche Filme gedreht, meistens Dokumentationen, unter anderem über die Chemnitzer Schriftstellerin Irmtraud Morgner und über Frauen in Partnerstädten von Chemnitz, die am selben Tag Geburtstag haben wie Kunath. Aber "Hurra, es ist ein Mädchen" ist ein besonders aufwendiges Projekt. Seit anderthalb Jahren arbeitet Kunath daran. Anliegen ist es, die Lebensleistungen außergewöhnlicher Chemnitzerinnen seit dem Mittelalter bis heute zu zeigen. Bevor Kunath überhaupt irgendetwas mit der Kamera drehen konnte, begann sie gemeinsam mit Ursel Schmitz vom Frauenzentrum Lila Villa die Recherchen. Welche Frauen gab es in Chemnitz, die im Film auftauchen sollten? Unter anderen führten sie die Nachforschungen ins Stadtarchiv, in die Kunstsammlungen und ins Schloßbergmuseum.

Premiere soll der Streifen am 25. August als Teil der Irmtraud-Morgner-Festtage im Tietz feiern. Die in Chemnitz geborene Schriftstellerin wird in Kunaths Film ebenso vorgestellt wie die Malerin Helene Funke, die Puppenbauerin Hildegard Krahmer und Selma Pfütze, eine der ersten Frauen im Chemnitzer Stadtparlament. Ursprünglich sollte der Film 19 Porträts enthalten. Bei einer Voraufführung im März im Schloßbergmuseum wurden einige davon bereits einem kleinen Publikum gezeigt. Doch in den vergangenen Monaten hat sich einiges getan. Aus den angestrebten 90 Minuten sind 150 geworden, aus den 19 Frauen 25. Der Film werde mit einer Pause vorgeführt, sagt Kunath. Sie habe es einfach nicht übers Herz gebracht, bereits recherchiertes Material wieder wegzuwerfen oder auf Frauen, die sie spannend findet, zu verzichten. Geplant ist auch eine DVD. Damit können sich Interessenten den Film auch zu Hause ansehen, peu à peu.

Doch dass der Film umfangreicher geworden ist, bedeutet auch, dass er teurer wird. Kunaths Auftraggeber ist der Verein Akcente, der Träger des Frauenzentrums Lila Villa ist. Das Projekt soll ein Beitrag zum Stadtjubiläum 875 Jahre Chemnitz sein. Ursprünglich geplant worden war mit Ausgaben in Höhe von 57.000 Euro. Doch selbst diese Summer konnte der Verein bisher nicht aufbringen. Nun haben sich die Kosten aber auf 60.000Euro erhöht. Das liegt vor allem an den Lizenzen, die an Rechte-Verwertungsgesellschaften gezahlt werden müssen. Will Kunath zum Beispiel ein Gemälde abfilmen, das Emmy Schmidt-Rottluff gemalt hat, dann muss sie dafür die Rechte einholen - und das kostet Geld. Auch Fernsehaufzeichnungen, zum Beispiel von der aus Chemnitz stammenden Schauspielerin Bruni Löbel, werden im Dokumentarfilm gezeigt. Auch sie kosten Geld. Wenn der Film auf DVD erscheinen soll, fallen noch einmal extra Kosten für die Rechte an, erklärt Kunath.

Für die Finanzen des Films ist der Akcente-Verein zuständig. Vorsitzende Iris Tätzel-Machute sagt, Gelder, die eine Stiftung in Aussicht gestellt hatte, seien nicht geflossen. Die noch fehlende Summe belaufe sich auf 6000Euro, so die Vereinsvorsitzende. Darum wurde nun eine Spendensammlung eingerichtet. Und Beate Kunath möchte, sobald ihr Film fertig ist, eine sogenannte Crowdfunding-Aktion im Internet beginnen.

"Hurra, es ist ein Mädchen" wird am 25. August um 18 Uhr im Tietz gezeigt. Die Premiere ist ein Teil der Irmtraud-Morgner-Festtage. Spenden für die Finanzierung des Films gehen auf das Volksbank-Konto des Vereins akCente e.V., IBAN: DE43 8709 6214 0321 0274 31, BIC: GENODRF1CH1.

Drei starke Frauen, die es noch in den Film geschafft haben

Luise Marie Pleißner (1891 bis 1983) war Lehrerin. Sie kämpfte für Frauenrechte und setzte sie sich gegen den Nationalsozialismus ein, indem sie jüdische Familien unterstützte. Sie wurde im KZ-Ravensbrück inhaftiert. In Chemnitz ist ein Park nach ihr benannt und sie hat einen Ehrengedenkstein auf dem Nikolai-Friedhof.

Helene Wagner (Lebensdaten unbekannt) gehörte zu den ersten sechs Frauen im Stadtparlament. Sie war Mitglied der SPD. Die Textilarbeiterin berichtete in einer Rede vor dem sächsischen Landtag vom schwierigen Leben der Heimarbeiterinnen, die gleichzeitig auf ihre Kinder aufpassen mussten. Sie sprach auch auf dem ersten Frauentag in Leipzig 1911.

Maria Schmid-Billhardt (1901 bis 1983) hatte ihr erstes eigenes Foto- labor im Hinterhaus der Weststraße 36. Sie wurde vor allem durch ihre Porträt- und Kinderfotografie bekannt. Ganze Generationen wurden von ihr abgelichtet. Ihr Sohn Thomas Billhardt zählt zu den wichtigsten Fotografen der DDR. (jpe)

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