Vor Mitgliederentscheid: Streit um Kandidaten für CFC-Aufsichtsrat

Der Insolvenzverwalter lehnt die vorliegende Liste ab und fordert andere Personen. Gesellschafter warnen vor dem Scheitern der Mitgliederversammlung und drohen mit Rückzug.

Wer überwacht künftig die Geschäfte des Chemnitzer FC? Über diese Frage ist ein Streit zwischen dem Notvorstand des Vereins auf der einen und dem Insolvenzverwalter Klaus Siemon sowie einigen Gesellschaftern auf der anderen Seite entstanden. Knackpunkt ist die künftige Zusammensetzung des CFC-Aufsichtsrates. Die Vereinsmitglieder sollen zur Versammlung am Montag über die Besetzung des Gremiums abstimmen, das das Recht hat, einen Vorstand zu bestellen. Verantwortlich für die Kandidaten-Vorschläge für den Aufsichtsrat ist der Ehrenrat. Seine Liste sieht sechs Personen vor: Katrin Johst, Geschäftsführerin der Lausitzringcatering-Gesellschaft, Wirtschaftsjurist Norman Löster, Bäckermeister Wolfgang Meyer, Gusstechnik-Zwickau-Geschäftsführer Knut Müller, Olaf Pönisch, Geschäftsführer eines Sanitärbetriebes, sowie Jürgen Thomas, Geschäftsführer eines Fliesenhandels. Die drei Letztgenannten haben als Gesellschafter Anteile an der CFC GmbH erworben.

CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon lehnt diese Liste ab. "Ich erteile die Anweisung, keine Personen in Aufsichtsrat oder Vorstand zu bestellen, die nicht meine Zustimmung haben", schreibt er in einer E-Mail an Notvorstand und Ehrenrat. Darin fordert er, folgende Personen als Aufsichtsratskandidaten zu benennen: Romy Polster von Polster Catering, Doreen Pfeifer vom Getränkehandel Pfeifer, Unternehmer Uwe Hildebrand aus Olbernhau, Gunther Kermer, Geschäftsführer des Bauunternehmens KPM, sowie den ehemaligen Mitgliederbeauftragten Frederik Ranck. Bis auf Ranck sind alle Gesellschafter des CFC. Da der Aufsichtsrat maximal sieben Personen zählen darf, müssten von der ursprünglichen Liste einige Personen verschwinden.


Siemon bestätigt auf "Freie Presse"-Anfrage die Namen nicht, sagt aber, "dass eine operative Verzahnung von CFC GmbH und CFC eV erforderlich ist, um den Sanierungskurs fortzusetzen." In der E-Mail an Ehrenrat und Notvorstand droht der Jurist mit Rechtsmitteln und Schadenersatzansprüchen, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden.

Ob er das Recht dazu hat, ist offen. Zwar seien die Vertreter eines Vereins wie Vorstand und Aufsichtsrat laut Insolvenzordnung zur Mitwirkung im Insolvenzverfahren verpflichtet, sagt der Chemnitzer Fachanwalt Martin Krause von der Kanzlei Wille-Rechtsanwälte. Das bedeute aber nicht, dass der Insolvenzverwalter über die Personen für diese Gremien mitbestimmen kann. Er sehe auch keine Rechtsmittel, die in diesem Fall eingelegt werden könnten, so Krause.

Der vom Amtsgericht eingesetzte Notvorstand, dessen Hauptaufgabe die Organisation der Mitgliederversammlung ist, weist die Forderungen Siemons zurück. "Es kann doch nicht sein, dass der künftige Aufsichtsrat nur aus Gesellschaftern und Sponsoren besteht", sagt Notvorständin Annette Neuerburg. Ihrer Ansicht nach sind einige der von Siemon vorgesehenen Gesellschafter keine Vereinsmitglieder, weil sie erst im März aufgenommen wurden. Während eines Insolvenzverfahrens sei aber nur die Aufnahme von aktiven Mitgliedern - also Spielern - möglich, so Neuerburg. Die Folge: Diese Gesellschafter könnten nur als Gäste an der Mitgliederversammlung teilnehmen und wären nicht für den Aufsichtsrat wählbar.

Das komme für ihn und seine Frau Doreen aber nicht infrage, sagt Udo Pfeifer. Sollten sie der Versammlung nicht als Mitglieder beiwohnen können, blieben sie komplett fern. In diesem Fall würde er sein Sponsoring beenden, kündigte Pfeifer am Dienstag vor Journalisten an. Er und weitere Gesellschafter warnten vor einem Scheitern der Mitgliederversammlung. Es gehe um den Fortbestand des Vereins. Man werde deswegen in dieser Woche das Gespräch mit dem Ehrenrat und dem Notvorstand suchen.

Erste Folgen hat Siemons Intervention bereits: Die Kandidatenliste werde erneut überarbeitet, kündigte der CFC-Ehrenratsvorsitzende Jürgen Rotter am Dienstag an. Ende der Woche werde ein neuer Vorschlag für die Aufsichtsratswahl vorliegen. Dieser soll möglichst allen drei Seiten - Gesellschaftern, Notvorstand und Insolvenzverwalter - gerecht werden. Rotter: "Für uns steht das Bestehen des Chemnitzer Fußballclubs und des Profifußballs im Vordergrund."

Gesellschafter bekennen sich zu Frahn-Entlassung

Die Gesellschafter des CFC haben sich erneut hinter die Entscheidung von Geschäftsführer Thomas Sobotzik gestellt, Kapitän Daniel Frahn wegen dessen angeblicher Nähe zu rechtsextremen Fans zu entlassen. Im Gesellschaftervertrag stehe, dass die Gesellschaft ein Bollwerk gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sein soll, sagte Romy Polster von Polster Catering: "Und dafür stehen wir."

Verärgert zeigte sich Gesellschafter Udo Pfeifer vom drohenden Aus für das Nachwuchsleistungszentrum. Siemon hatte vor zehn Tagen Trainern und Mitarbeitern des Vereins gekündigt; Förderverträge mit Talenten wurden aufgelöst. "Das hat mich kalt erwischt. Ich stehe da wie der letzte Pfosten", sagte Pfeifer, der sich in der GmbH verstärkt um das NLZ kümmert. Er hätte sich eine frühere Benachrichtigung über die Finanzprobleme durch den Insolvenzverwalter gewünscht, so Pfeifer. Die Gesellschafter hätten aber nur wenig Kontakt zu Siemon. Das NLZ werde nun zum Teil von der Gesellschaft finanziert, so Pfeifer. (lumm)

Bewertung des Artikels: Ø 3.6 Sterne bei 10 Bewertungen
7Kommentare
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  • 4
    0
    AliceAndreas
    13.08.2019

    @698236

    ... aber genau das ist doch ein Beispiel dafür, das es völlig falsch wäre, wenn die GmbH dem e.V. aufzwingt das dieser ausschließlich aus den Gmbh Gesellschaftern besteht, oder nicht!!??

    Außerdem sind selbst in der aktuellen Liste schon 4 von 6 Leuten Gesellschafter. Ich denke 2 unabhängige hätten vllt ganz gut getan.

  • 4
    0
    zeitungchemnitz
    13.08.2019

    Bisher wurde vom IV noch kein einziger Schritt, weder vor Benennung des Notvorstandes noch jetzt, in Richtung e. V. unternommen. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass hier echtes Interesse daran besteht, den e.V. zu retten, denn es ist immer nur von Bedingungen, Drohungen und diktatorischen Entscheidungen vom IV zu lesen.
    Gleiches trifft auf die Entscheidung zur Entlassung von D. Frahn zu. Hier braucht man sich nicht dahinter zu verstecken, dass die CFC GmbH ein "Bollwerk" gegen rechts sein will, wenn immer noch die selben Securitypersonen im Stadion stehen wie vor den Ereignissen im März. Wo bleibt denn hier die konsequente Umsetzung des Bollwerks?
    Es wurde wiedermal ein (wahrscheinlich zu teures) Baueropfer gesucht um die Macht zu demonstrieren.
    Schade um die aufopferungsvollen Leistungen aller im NLZ und um die talentierten Spieler.
    Eine saubere, konstruktive Zusammenarbeit, mit gegenseitigem Respekt, Toleranz und Achtung derer die wirklich Interesse am CFC e.V. haben, ohne diktatorische Bedingungen, ist die einzige Möglichkeit für eine gemeinsame Lösung und den Erhalt des Vereins.

  • 3
    6
    698236
    13.08.2019

    @AliceAndreas: Das ist seriös. Was nicht seriös ist, das was bisher im e.V gelaufen ist. Da kann nur auf die letze Mitgliederversammlung verwiesen werden. Der Verein war da schon pleite und das schon 2016!
    Der Ehrenrat sollte seinen Namen als Programm verstehen!

  • 3
    8
    AliceAndreas
    13.08.2019

    Also wollen die Gesellschafter der GmbH den e.V. zu 100% übernehmen - oder machen den Laden zu?!

    ... klingt extrem seriös - NICHT !!!!

  • 1
    9
    698236
    13.08.2019

    Stimmt ja, der Ehrenrat ist das Gremium, welches Bewerber nicht in der Lage ist, objektive Gründe für eine Nichtberücksichtigung als Kanditat zu nennen. Das ist nicht ehrenvoll und sollte auf der Mitgliederversammlung doch mal genau hinterfragt werden. Da kann man nur die Meinung des Herrn Siemon vertreten, wenn keine Transparenz in den e.V. Einzug hält. Schade um den e V.

  • 4
    4
    698236
    13.08.2019

    FP, welches Gremium hat denn überhaupt die Aufsichtsratsmitglieder bestimmt. Ist das Gremium unabhängig? Da sind ja Namen dabei, die man schon mit dem Debakel der Insolvenz in Verbindung bringen kann. Das kann ja dahingehend interpretiert werden - weiter so im e.V. Denn vor der Insolvenz ist der Verein ja wie ein Kreisliga-Club geführt worden. Das birgt für Montag eine Menge Diskussionssprengstoff. Wird das Nominierungsgremium sich am Montag den Fragen der Mitglieder stellen udn Auswahlkriterien Preis geben?

  • 4
    4
    994374
    13.08.2019

    FP, welche Gesellschafter waren das denn bei der PK?



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