Vorstoß: Bus und Bahn für einen Euro pro Tag

Linke machen Tarifmodell zum Thema im Stadtrat - Zuspruch anderer Parteien

Alle Welt redet von Klimaschutz und Stärkung des Nahverkehrs, Chemnitz könnte bald ein Achtungszeichen setzen. Die Linken im Stadtrat wollen die Einführung eines Monatstickets für 30 Euro bzw. eines 365-Euro-Jahrestickets für Bus und Bahn im Stadtgebiet prüfen lassen. Das sieht ein Beschlussantrag vor, über den der Stadtrat zu seiner nächsten Sitzung Ende Oktober abstimmen soll. Dabei wird eine Einführung zum Fahrplanwechsel Ende 2021 angestrebt. Derzeit kostet die Monatskarte im Abonnement 48,40 Euro. Das macht übers Jahr gut 580 Euro.

"In Chemnitz, das den Ruf einer Autofahrerstadt hat und in der der motorisierte Individualverkehr immer weiter zunimmt, müssen wir mehr Anstrengungen unternehmen, um den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken und den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn attraktiver zu gestalten", begründet Linken-Fraktionschefin Susanne Schaper den Vorstoß. Vor allem Familien mit Kindern und Senioren kämen bei Fahrten mit dem Nahverkehr rasch an finanzielle Schmerzgrenzen. "Wir wollen versuchen, das System für alle bezahlbar zu machen", so Schaper.

Zentrale Frage bei der Prüfung wird sein, wie das Ganze finanziert werden soll. Schon jetzt sind für den Nahverkehr jährlich Zuschüsse aus dem städtischen Haushalt erforderlich. Sie werden in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach weiter steigen. Kritiker befürchten zudem, dass eine deutlich stärkere Inanspruchnahme des Angebots von Bus und Bahn einen Mehrbedarf an Personal und Fahrzeugen nach sich ziehen wird - und damit noch einmal zusätzliche Kosten.

Erste Reaktionen aus anderen Fraktionen fallen dennoch überwiegend positiv aus. "Ein sinnvoller Vorschlag", sagte AfD-Fraktionschef Volker Dringenberg. "Wenn sich das finanzieren lässt, würden wir das sicher unterstützten." SPD-Fraktionschef Detlef Müller setzt auf Hilfen vom Bund, etwa über das kürzlich beschlossene Klimaschutzpaket. "Aus eigener Kraft wird es nicht gehen", meinte er. Bündnis 90/Grüne sehen Bedarf zunächst beim qualitativen Ausbau des Nahverkehrs. "Häufigere Fahrten am Abend zum Beispiel", so Fraktionsvorsitzende Kathleen Kuhfuß.

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12Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 10
    1
    H1D2M18
    29.09.2019

    Hallo
    Es ist ja gut und schön wenn man sich Gedanken macht was kann man tun für die Verbesserung des Klimas und in Folge dafür zB den ÖPNV verbessern möchte.

    Das die Fahrpreise in vielen Regionen "hoch" sind und immer mehr steigen ist für die Kunden "ärgerlich". Aber es gibt auch Menschen die den ÖPNV nicht nutzen können weil in ihrer Region es keinen ÖPNV gibt oder dieser "Kundenunfreundlich" ist weil er nicht immer , nur eingeschränkt oder zu umständlich fährt. Selbst innerhalb einer Stadt ist es oft zeitaufwändig weil der "Bus" mit "der Kirche" ums Dorf" fährt.

    Macht man nun das Preisangebot mit 365€ / Jahr dann lockt das sicher einiges an mehr Kunden in den ÖPNV aber überwiegend in den Städten und den direkten Umkreis und die "Landbewohner" bleiben auf der Strecke.

    Also Ausbau des Flächendeckenden ÖPNV Angebotes. --- ABER ---
    Fordern kann man viel und mit Geld (viel....Geld) allein ist es sicher nicht getan !!
    Klar Strecken (Bahn/Tram etc) kann man ausbauen und erweitern , mehr Fahrzeuge lassen sich auch kaufen wobei diese zwei Punkte schon schwierig sind.
    Aber es ist gibt noch das große Problem mit den mangelnden Fachkräften !!

    Warum plant zB die Stadt Chemnitz nicht selbst neue Tramstrecken (zumindest innerstädtisch) und überläßt das dem ZVMS ? Warum plant man nicht mehrere Strecken des Chemnitzer Models gleichzeitig ? Wenn man bedenkt wielange es von der Planung - Vorstellung des Projektes - Einsprüche (zB durch Bürgerinitativen etc) - Genehmigung der Landesbehörden - Finanzmittel Bereitstellung (Stadt/Land/Bund) - Ausschreibung der Bauleistung - Bauausführung - oft Bauverlängerung bis zur Fertigstellung dauert muß man sich auch über die steigenden Kosten nicht wundern. Aber diese müssen bezahlt werden und fehlen dann für andere "Dinge". Dies alles bindet aber Planer und Projektbetreuer über Jahre !!

    Wo gibt es Baufirmen die soviel freie Kapazitäten haben das sie ein "mehr" an Aufträgen abwickeln können ?

    Wo gibt es Fahrzeughersteller die innerhalb kürzester Zeit eine große Anzahl an zusätzlichen Zügen / Trams / Bussen etc bauen und zulassen können ? Die zudem schon ihre Zuverlässigkeit bewiesen haben ? Fahrzeuge sind oft speziell und auf die Nutzerbetriebe zugeschnitten. Bitte keine Prototypen die am Kunden getestet werden !!

    Wo soll das Personal an Fahrern für den Mehrverkehr herkommen wenn es viele Betriebe schon heute nicht schaffen eine auseichende Anzahl vorzuhalten ? Der Auswuchs an Tochtergesellschaften wo man Fahrer "mit weniger Lohn" beschäftigt muß aufhören.
    Warum fährt zB die CVAG keinen Nachtverkehr und überläßt das der ETP ?

    Alles bevor man nun einen Schuß ins Blaue macht bitte vorher über die Folgen nachdenken und dafür mindestens gleichzeitig oder besser vorher Lösungen erarbeiten und umsetzen !!

  • 12
    1
    Inke
    29.09.2019

    Investitionen und vielleicht auch staatliche Zuschüsse werden anfangs wohl nötig sein, wenn man da wirklich flächendeckend Verbesserungen erreichen will. Dann muss das ganze auch noch entsprechend beworben werden. Es wird sich zukünftig vieles im Verkehrssektor ändern. Es reicht nicht, wenn der Nahverkehr in der Stadt funktioniert und das Land weiterhin angehängt bleibt. Symbolpolitik wird da auch nichts bewirken. Es müssen echte Lösungen entwickelt werden, die auch langfristig funktionieren.

  • 12
    0
    hkremss
    29.09.2019

    Das Angebot des ÖPNV muss zunächst attraktiver werden. Was nützt mir das Jahresticket, wenn ich ohne Umsteigen nicht mal zum Hauptbahnhof komme? Die Fahrplanabfrage über die CVAG oder VMS-Homepage ist ein Witz! Anmeldung, Ticket-Kauf und Bezahlung über App unnötig kompliziert. So schreckt man Fahrgäste ab. Es ist nicht immer nur der Preis.

  • 7
    0
    CPärchen
    29.09.2019

    Als Gegenargument anzuführen, dass Kosten steigen werden, weil man bei einer Preisreduzierung mehr Fahrgäste bekommt, spricht eigentlich sehr dafür

  • 1
    19
    Rocco18091963
    29.09.2019

    ich glaube das hatten wir doch schon alles einmal.
    liegt so um die 30 jahre zurück und hat auch nicht funktioniert .

  • 19
    2
    Inke
    29.09.2019

    Wenn derartige Tarife auch im weiten Umland durchgesetzt werden könnten, wären wir auf einem richtig guten Weg. Momentan werden Tickets regelmäßig teurer, Busse und Bahnen immer leerer und die Verbindungen immer lückenhafter. Dass es funktionieren kann, zeigen andere schon lange. So zum Beispiel die Schweiz und Südtirol. Hoffentlich tut sich da bald was.

  • 19
    1
    cmi
    28.09.2019

    "Kritiker befürchten zudem, dass eine deutlich stärkere Inanspruchnahme des Angebots von Bus und Bahn einen Mehrbedarf an Personal und Fahrzeugen nach sich ziehen wird - und damit noch einmal zusätzliche Kosten."

    Oh ja, das wäre ja ABSOLUT schrecklich, wenn der ÖPNV verstärkt in Anspruch genommen würde.

    Manchmal fragt man sich...

  • 18
    4
    Zeitungss
    28.09.2019

    Diskutiert und prüft mal weiter, andere machen es (Wien).

  • 23
    1
    franzudo2013
    28.09.2019

    Frische Ideen sind immer gut. Das Potential des Chemnitzer Modells wird noch nicht annähernd ausgeschöpft, ist ja auch noch nicht ganz fertig. Aber die Größe des Verkehrsverbundes lässt den Wiener Tarif mit 365€ sinnvoll erscheinen.

  • 8
    22
    Hinterfragt
    28.09.2019

    Nun, etwas Nachhilfe für die Rotfingerchen:

    https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern-ruegen/spd-in-sassnitz-beendet-zusammenarbeit-mit-afd-bei-antraegen

  • 11
    25
    Hinterfragt
    28.09.2019

    "Ein sinnvoller Vorschlag", sagte AfD-Fraktionschef Volker Dringenberg. "Wenn sich das finanzieren lässt, würden wir das sicher unterstützten."...

    Opsssss, jetzt wird der Antrag sicher zurückgezogen, denn mit der AfD, das geht doch gar nicht ...

  • 16
    3
    Urlaub2020
    28.09.2019

    Ich glaube für viele ist es wichtiger Pünktlich zur Arbeit zu kommen ,oder wenn jemand Spätdienst hat auch nach Hause kommt.



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