Vorwurf: Busunternehmen verschwenden Kraftstoff

Ein Anwohner aus Kändler ist verärgert, weil auch abends noch lange Fahrzeuge unterwegs sind. Das sei nicht nur mit Blick auf die Kosten fragwürdig.

Kändler.

Wenn Peter Lippert abends einen Spaziergang durch Kändler macht, steigt regelmäßig Wut in ihm auf. Und das liegt nicht daran, dass es im Limbach-Oberfrohnaer Ortsteil keine reizvollen Wege und Ausblicke gäbe. Vielmehr stört sich der Rentner am öffentlichen Nahverkehr, konkret an der Buslinie 254. "Auch abends wird noch mit einem dreiachsigen Bus gefahren, obwohl kaum jemand drinsitzt. Das ist doch eine Provokation", empört sich der 72-Jährige. Er fragt sich, warum bei sinkender Auslastung nicht ein zweiachsiger, also kürzerer und leichterer Bus zum Einsatz kommt. "Jeder Privatmann könnte es sich nicht einen Tag lang leisten, auf diese Weise Kraftstoff zu verschwenden", ist Lippert überzeugt. Er erinnert daran, dass im Nahverkehr regelmäßig die Fahrpreise erhöht werden, und fragt sich, warum Einsparpotenziale nicht genutzt werden. Lippert schlägt vor, dass die Busse am Chemnitz-Center ausgetauscht werden könnten.

Der Anwohner aus Kändler weist auch auf die Umweltbelastung hin. Diese sei bei einem dreiachsigen Bus höher als bei einem zweiachsigen. "In Umweltzonen wird streng kontrolliert, ob alle Fahrzeuge eine grüne Plakette aufweisen." Da könne es doch nicht sein, dass ein Verkehrsbetrieb keine Rücksicht auf den Schadstoffausstoß nehme, betont Lippert. Der inzwischen verrentete Verkehrsingenieur war früher in der Speditionsbranche tätig.


Die Linie 254 fährt von Ebersdorf über die Chemnitzer Innenstadt, Röhrsdorf und Kändler bis nach Limbach-Oberfrohna sowie in der Gegenrichtung. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt der Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG) und des Regionalverkehrs Erzgebirge, sodass Busse beider Unternehmen auf der Strecke zum Einsatz kommen. Da die Busse etwa im Berufsverkehr gerade in der Chemnitzer Innenstadt gut gefüllt sind, ist der Einsatz von dreiachsigen Bussen nötig.

CVAG-Sprecher Stefan Tschök bestätigt, dass die Busse abends und zum Teil auch an den Wochenenden nur schwach ausgelastet sind. Es sei zudem korrekt, dass Gelenkbusse mehr Kraftstoff verbrauchen als die kürzeren Exemplare mit nur zwei Achsen. Dass ein Tausch von Bussen etwa am Chemnitz-Center effizienter und umweltschonender ist, sei dennoch ein Trugschluss. "Häufig ist es so, dass der Tausch der Fahrzeuge über den Betriebstag durch unverhältnismäßig lange Leerfahrten zwischen Linie und Depot weniger effektiv ist", erklärt Tschök. Dies gelte sowohl mit Blick auf die Kilometerbilanz als auch hinsichtlich der Arbeitszeiten der Fahrer. Auch Kraftstoff lasse sich mit einem Tausch der Busse nicht sparen, betont der Sprecher. Der zusätzliche Verbrauch durch die Auswechselfahrten wäre nach seinen Angaben größer als die Ersparnis, die der kürzere Bus mit sich bringt.

Zum Fuhrpark der CVAG gehören derzeit etwa 80 Busse. Zweiachsige Busse wiegen etwa elf Tonnen, Gelenkbusse bringen je nach Ausstattung zwischen 15 und 28 Tonnen auf die Waage. Die meisten der Fahrzeuge verfügen über einen Diesel-Motor, nur wenige werden mit Erdgas betrieben. Das Unternehmen beobachte die Entwicklungen in der Automobilbranche genau, setze vorerst aber weiter auf die Diesel-Technologie, sagt Tschök. "Erdgas-Fahrzeuge haben zum Teil nicht die Leistung gebracht, die wir uns vorgestellt haben. Zudem dauert der Tankvorgang sehr lange, was zu Kapazitätsproblemen führen kann."

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