Wahl der Ortsvorsteher: Eine Entscheidung fällt knapp aus

Die jüngsten Kommunalwahlen haben auch in den Ortschaftsräten zu veränderten Kräfteverhältnissen geführt. Bei der Abstimmung um ein Stellvertreteramt bestimmte das Los.

In den acht seit 1990 eingemeindeten Chemnitzer Ortsteilen gibt es im Unterschied zu den anderen 31Stadtteilen Ortschaftsräte, deren Mitglieder bei der Kommunalwahl im Mai dieses Jahres neu gewählt wurden. Dabei büßten die SPD, die jetzt in keinem Ortschaftsrat mehr vertreten ist, und auch die CDU Sitze ein, während freie Wählervereinigungen Zugewinne verbuchten.

Ortschaftsräte haben ein Mitspracherecht bei Entscheidungen des Stadtrates, die den jeweiligen Ortsteil betreffen. In ihren ersten Sitzungen, die nach der Sommerpause stattfanden, haben alle neugewählten Ortschaftsräte ihre Vorsitzenden, die Ortsvorsteher, gewählt. Dabei gab es, anders als erwartet, keine Überraschungen. In der jüngsten Sitzung des Stadtrates ernannte und vereidigte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig nahezu dieselbe reine Männerriege wie vor fünf Jahren.

Einsiedel: Mit zehn von elf abgegebenen Stimmen der Mitglieder des Ortschaftsrates ist Falk Ulbrich (CDU) erneut zum Ortsvorsteher gewählt worden. Er bekleidet diese Funktion seit 2014. Neben Ulbrich, der zugleich Stadtrat ist, hatte Otto Günter Boden vom Verein Haus und Grund Einsiedel als Ortsvorsteher kandidiert. Boden, der für die AfD im Stadtrat sitzt, erhielt eine Stimme. Zum 1. stellvertretenden Ortsvorsteher wurde mit sechs Stimmen Jürgen Dreier und zum 2. Stellvertreter mit acht Stimmen Dirk Hänel (beide Bürgerliste Einsiedel) gewählt. Boden und Frank Schreiber (beide Haus und Grund Einsiedel), die für beide Ämter ebenfalls zur Wahl gestanden hatten, gingen leer aus.

Euba: Thomas Groß (CDU), der bereits seit 2007 Ortsvorsteher in Euba ist, wurde einstimmig wiedergewählt. Er war der einzige Bewerber. Bei der Wahl zum 1. stellvertretenden Ortsvorsteher erhielt Arnd Heidemüller, bei der zum 2. stellvertretenden Ortsvorsteher Mathias Seifert (beide Eubaer Wählerverein) ebenfalls die volle Stimmenzahl.

Grüna: Auch in Grüna bleibt der bisherige Ortsvorsteher, Lutz Neubert (Freie Wählervereinigung Grüna), für weitere fünf Jahre im Amt. Neubert, der diese Funktion seit 2009 ausübt, wurde ohne Gegenkandidaten von allen 13 Mitgliedern des Ortschaftsrates wiedergewählt. Sein 1. Stellvertreter ist Richard Aurich, der elf Stimmen erhielt, 2. Stellvertreterin Carola Hilkmann mit sieben Stimmen. Beide gehören ebenfalls der Freien Wählervereinigung Grüna an.

Klaffenbach: Andreas Stoppke (Freie Wähler der Gemeinde Klaffenbach), Ortsvorsteher seit 2009, wurde ebenfalls ohne Gegenkandidaten von allen neun Mitgliedern des Klaffenbacher Ortschaftsrates wiedergewählt. Auch seine beiden Stellvertreter standen jeweils als einzige zur Wahl und erhielten die volle Stimmenzahl: Matthias Freitag als 1. und Michael Stoppke, der Sohn von Andreas Stoppke, als 2. Stellvertreter. Beide sind gleichfalls Mitglieder der Freien Wähler.

Kleinolbersdorf-Altenhain: Marco Gerlach (CDU) ist der einzige der acht Chemnitzer Ortsvorsteher, der bei der Ernennung und Vereidigung im Stadtverordnetensaal des Rathauses vor fünf Jahren noch nicht dabei war. Aber auch er wurde wiedergewählt. Er war erst Ende 2017 vom Ortschaftsrat zum Nachfolger seines Vaters, Bernd Gerlach, gewählt worden und hat das Amt zum 1. Januar 2018 angetreten. Bei der jetzt erfolgten Neuwahl hatte er keinen Gegenkandidaten und wurde ohne Gegenstimme bestätigt. Auch sein einziger Stellvertreter, Detlef Wuttke von der Freien Wählervereinigung Kleinolbersdorf-Altenhain, wurde mit sechs Stimmen und einer Stimmenthaltung gewählt.

Mittelbach: Ohne Gegenkandidaten stellte sich Gunter Fix (Freie Wählergemeinschaft Mittelbach), seit 2009 Ortsvorsteher, zur Wiederwahl und erhielt die Stimmen aller zehn Mitglieder des Mittelbacher Ortschaftsrates. Für die Wahl seiner beiden Stellvertreter gab es dagegen jeweils mehrere Bewerber. Über die Besetzung der Funktion des 1. stellvertretenden Ortsvorstehers musste letztlich das Los entscheiden, nachdem Maxi Köhler und Frank Naumann (beide Heimatverein) in zwei Wahlgängen jeweils die gleiche Stimmenzahl erhalten hatten. Das Los entschied für Maxi Köhler. Frank Naumann wurde anschließend mit sechs von zehn Stimmen zum 2. Stellvertreter gewählt. Ursula Frischmann (CDU), die sich ebenfalls beworben hatte, unterlag bei beiden Wahlen. Röhrsdorf: Mit dem knappsten Ergebnis aller Chemnitzer Ortsvorsteher wurde Hans-Joachim Siegel (Die Linke) in Röhrsdorf wiedergewählt. Er übt diese Funktion seit 2009 aus, als er sich gegen den ehemaligen Röhrsdorfer Bürgermeister Jürgen Konrad (Unabhängige Liste Röhrsdorf) durchgesetzt hatte. Diesmal war Thomas Trost (CDU) angetreten, um Siegel den Posten streitig zu machen. Er erhielt von den elf anwesenden Ortschaftsratsmitgliedern vier Stimmen, sieben von ihnen votierten für Siegel. Mit jeweils zehn Stimmen bei einer Enthaltung wurden Trost und Dieter Kunz (Freie Wählervereinigung Röhrsdorf) zu stellvertretenden Ortsvorstehern gewählt.

Wittgensdorf: Der dienstälteste Chemnitzer Ortsvorsteher, Ullrich Müller (CDU) in Wittgensdorf, ist von allen neun Ortschaftsratsmitgliedern einstimmig im Amt bestätigt worden. Der jetzt 71-Jährige übt diese Funktion bereits seit dem Jahr 2000 aus und war der einzige Kandidat. Ebenfalls einstimmig wurde Bernd Welzel (CDU) zum 1. Stellvertreter gewählt. Kai Tietze (Die Linke) erhielt als 2. Stellvertreter acht der neun Stimmen.

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