Wahl wirbelt Stadtrat durcheinander

In Limbach-Oberfrohna müssen elf der 26 Lokalpolitiker ihren Posten räumen. In Niederfrohna herrscht mehr Kontinuität, obwohl eine Partei erstmals in den Rat einzieht.

Limbach-O./Niederfrohna.

Zeitenwende im Stadtrat Limbach-Oberfrohna: CDU und Freie Wähler tauschen die Rollen, die Freien Wähler sind nach der Kommunalwahl am Sonntag mit Abstand stärkste Kraft. "Das Ergebnis ist besser, als ich es zu hoffen gewagt habe", sagt Fraktionschef Gerd Härtig. Die gute Arbeit in der Stadt mit Oberbürgermeister Jesko Vogel an der Spitze habe sich bezahlt gemacht. Die Fraktion der Freien Wähler wird nicht nur größer, sie erhält auch ein deutlich anderes Aussehen: Die bisherigen Stadträte Hilmar Steinert, Kay-Uwe Langenhagen und Tilo Grosch scheiden trotz der Zugewinne aus. Sechs neue Gesichter ziehen dafür ein. Die Freien Wähler sehen sich laut Härtig als integrative Kraft, um einen Konsens mit den anderen Parteien zu erreichen. Nur von der AfD werde man sich abgrenzen.

Die CDU steht mit einem Verlust von knapp 13 Prozentpunkten als größter Verlierer der Wahl da. Stadtverbandschef Jan Hippold erhielt zwar die meisten Stimmen aller Kandidaten, kann sich darüber aber nicht recht freuen. "Man muss neidlos anerkennen, dass die Freien Wähler ein gutes Ergebnis erzielt haben", sagt der Landtagsabgeordnete. Er habe gehofft, dass die CDU ihre Position als stärkste Kraft verteidigt. In einer ersten Analyse nannte Hippold zwei Gründe für die Entwicklung: Vogels OB-Bonus und den bundesweit negativen Trend der Volksparteien. Die CDU-Stadträte Christian Vollrath und Lars Brodhagen scheiden aus, der 18-jährige Marvin Müller wird künftig der mit Abstand jüngste Lokalpolitiker sein.


Die AfD legt deutlich zu und stellt künftig vier Stadträte. Damit könne man anders als zuvor eine Fraktion gründen, teilt Spitzenkandidat Uwe Müller auf Anfrage mit. Fast hätte es nach seinen Angaben sogar für fünf Sitze gereicht. Die Stadtpolitik werde auch mit einer stärkeren AfD oft geräuschlos funktionieren, kündigt der Elektrotechniker an. Zunächst müssten Gremien und Ausschüsse besetzt werden. "Wir werden die anderen Fraktionen daran messen, wie hier mit uns umgegangen wird", so Müller.

Jörn Wunderlich, Spitzenkandidat der Linken, macht den allgemeinen Bundes- und Landestrend für das schlechte Abschneiden seiner Partei verantwortlich. "Einen speziellen kommunalen Grund wüsste ich nicht." Er bedauere, dass AfD-Wähler auf "vermeintlich einfache Antworten" hereinfielen, sagt der Jurist. Die Linken können mit zwei Räten eine Fraktion bilden. Wunderlich geht aber davon aus, dass die Fraktionsgemeinschaft mit dem Grünen Albert Klepper fortgesetzt wird. "Die Zusammenarbeit hat gut geklappt." Klepper selbst, der seinen Sitz verteidigen konnte, sieht das genauso. Er habe sich über sein Ergebnis gefreut, sagt der Umweltschützer. Die Freien Wähler hätten einen hervorragenden Wahlkampf gemacht, ihr Erfolg sei verdient. Der Zugewinn der AfD stimme ihn allerdings traurig, so Klepper.

Andreas Barth zieht nach einer Legislaturperiode Pause wieder für die FDP in den Stadtrat ein. Die Liberalen gewinnen aber keinen Sitz hinzu; der Unternehmer ersetzt vielmehr Konrad Felber, der nicht mehr angetreten war. "Wir hatten uns mehr als einen Sitz erhofft und sind nicht zufrieden", sagt Barth. Er wolle sich für den Ausbau der Infrastruktur für Firmen einsetzen, vor allem mit Blick auf das Internet. An anderer Stelle müsse man mit Investitionen aber sparsamer umgehen. "Wir schwelgen in einigen Bereichen im Luxus, wenn ich mir zum Beispiel den neuen Bauhof anschaue", erklärt der Liberale. Ob er als Einzelkämpfer im Stadtrat agieren oder sich vielleicht der CDU anschließen wolle, müsse er sich noch überlegen.

Nur noch auf ein Mandat kommt auch die SPD. Iris Raether-Lordieck, die dieses ausfüllen wird, ist enttäuscht. "Wir wollten die Zahl unserer Sitze auf vier erhöhen, aber jetzt ist das Gegenteil eingetreten", stellt die Landtagsabgeordnete fest. Als Gründe führt sie die starke Bewerberriege der Freien Wähler und die bundespolitische Tendenz an. "Ich kann nicht sehen, dass wir auf kommunaler Ebene etwas falsch gemacht haben", sagt Raether-Lordieck. Ob sie sich einer anderen Fraktion anschließe, werde sie mit den SPD-Mitgliedern diskutieren.

In Niederfrohna hat sich relativ wenig geändert. Die dominanten Freien Wähler sowie die CDU haben ihre Ergebnisse von 2014 bestätigt. Die AfD wird erstmals im Gemeinderat vertreten sein. Den errungenen Sitz nimmt Stefan Frünke ein, der die Lokalpolitik aus seiner Zeit als FDP-Gemeinderat bereits kennt. Es werde ihm um die Sache und nicht um permanente Opposition gehen, kündigt der Elektromeister an. Aus seiner Sicht, sagt Frünke, müsse vor Entscheidungen aber mehr diskutiert werden.

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Kommentar: OB-Bonus wirkt

Dass die Freien Wähler in Limbach-Oberfrohna vom OB-Bonus profitieren, konnte man erwarten - so wie es früher auch bei der CDU der Fall war. Dass sie aber deutlich stärkste Kraft sind, überrascht dann doch. So war zum Beispiel den engagierten Elternvertretern und CDU-Kandidaten Gunnar Stalzer und Tino Websky ein besserer Ergebnis zuzutrauen. Einer von vielen Gründen für das Ergebnis dürften die Querelen um den mittlerweile abgewählten Bürgermeister Carsten Schmidt sein.

In Niederfrohna können sich die Freien Wähler zwar über ihr Ergebnis freuen. Sie sollten ihre dominante Stellung aber nicht missbrauchen. So informierten sie über ihre Kandidaten per Mail aus dem zur Neutralität verpflichteten Gemeindeamt. Diese Vorgehensweise hätte in jeder größeren Stadt einen handfesten Skandal nach sich gezogen - und zwar zu Recht.


Frauenanteil steigt

Dass in der Lokalpolitik zu wenige Frauen aktiv sind, wird seit Jahren bemängelt. Im 26-köpfigen Limbacher Stadtrat gibt es in dieser Hinsicht jetzt einen Fortschritt: Die Anzahl der Frauen steigt von vier auf sieben und die Quote damit von 15 auf 27 Prozent. Dafür sorgen vor allem die Freien Wähler, zu deren Fraktion künftig drei Frauen gehören.

Ein umgekehrtes Bild bietet sich in Niederfrohna: Dort sinkt die Anzahl der Gemeinderätinnen von vier auf zwei und die Quote von 28 auf 14 Prozent. Während Ines Polster-Peters und Claudia Elsner weiterhin dabei sind, erhielt Barbara Stapel zu wenige Stimmen. Petra Geisler trat nicht erneut an. (jop)


Die neuen Stadt- und Gemeinderäte

Stadtrat Limbach-Oberfrohna

Freie Wähler (10 Sitze, bisher 6): Frank Konieczny, Anja Sonntag, Gerd Härtig, Marlies Pfeiffer, Olaf Müller, Tommy Wetzel, Philipp Kühn, Steve Meisel, Sabine Schneider und Holger Schmeißer.

CDU (7 Sitze, bisher 11): Jan Hippold, Dieter Schottenhamel, Andreas Küchler, Gabriele Hilbig, Enrico Fitzner, Jürgen Zöllner und Marvin Müller.

AfD (4 Sitze, bisher 1): Peter Vulpius, Uwe Müller, Cornelia Hempel und Steffen Süß.

Die Linke (2 Sitze, bisher 4): Jörn Wunderlich und Kerstin Brandt.

Grüne (1 Sitz, bisher 1): Albert Klepper.

FDP (1 Sitz, bisher 1): Andreas Barth.

SPD (1 Sitz, bisher 2): Iris Raether-Lordieck.

Gemeinderat Niederfrohna

Freie Wähler (10 Sitze, bisher 11): Wolfgang Vogel, Ines Polster-Peters, Dirk Kärgling, Jörg Lindner, Sebastian "Whopper" Schreier, Harald Ring, Jürgen Jäger, Tino Vogel, Frank Kretzschmar und Jürgen Schade.

CDU (3 Sitze, bisher 3): Jens Hinkelmann, Tony Rabe und Claudia Elsner.

AfD (1 Sitz, bisher 0): Stefan Frünke.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    cn3boj00
    28.05.2019

    Na ja ein Bergsturz ist das nicht gerade. Außer bei der Personalie Schmidt hat man doch nach außen keine großen Differenzen bemerkt. Durch den OB war die Stadt doch sowieso von den FWLO geprägt. Und es ist ja auch beser, wenn man miteinander statt gegeneinander ist (wie es meist der Fall ist wenn es eine absolute Mehrheit gibt). Schade ist, dass entgegen dem bundesweiten Trend grüne Politik hier noch immer keine Rolle spielt, die Limbacher Teiche hätten es nötig. Für die SPd ist es schade, auf kommunaler Ebene haben sie das nicht verdient. Und die AfD? Deren Internetauftritt und Wahlkampfauftrittist ja sehr inhaltsleer. Was diese "Bürgerpartei" eigentlich für LO will blieb mir verborgen. Aber man kann natürlich auch Leere wählen.



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