Wanderhütten-Brandserie in Niederfrohna setzt sich fort

Zum vierten Mal seit Ende 2017 ist ein Feuer an einem Unterstand ausgebrochen. Alles deutet auf Brandstiftung hin. Einwohner machen ihrer Empörung Luft.

Niederfrohna.

Es passiert nicht oft, dass die Feuerwehrsirene nachts in Niederfrohna Alarm schlägt. "Als ich sie hörte, hatte ich sofort ein komisches Gefühl. Ich dachte, es wird doch nicht schon wieder passiert sein", sagt der stellvertretende Bürgermeister Jens Hinkelmann. Seit Ende 2017 war die Feuerwehr bereits dreimal zu Wanderhütten am Querweg gerufen worden, stets in den frühen Morgenstunden. Zwei Unterstände brannten komplett nieder, in einem weiteren Fall konnte ein Zeuge die Flammen löschen, sodass es bei Rußspuren blieb.

Nun haben sich die Befürchtungen vieler Niederfrohnaer bewahrheitet - es ist wieder passiert. Am Montag um 4.19 Uhr wurden die Feuerwehrleute zu jener hölzernen Wanderhütte gerufen, bei der Anfang 2018 der Zeuge Schlimmeres verhinderte. Dieses Mal gelang das nicht. "Als wir ankamen, stand die Hütte im Vollbrand", berichtet die stellvertretende Wehrleiterin Franziska Leißner. Sie und elf Kollegen konnten den Unterstand nicht mehr retten - er brannte komplett nieder. Leißner bezeichnet die Situation als gefährlich, weil sich auf beiden Seiten des Unterstandes Getreidefelder befinden, die noch nicht abgeerntet sind. "Wären auch die in Brand geraten, hätten wir große Probleme gehabt", sagt sie. Die Feuerwehrleute wässerten deshalb vorbeugend die Randstreifen der Felder - mit Erfolg, ein Übergreifen der Flammen blieb aus. Nach einer Stunde konnten sich die Einsatzkräfte zurückziehen.


Die Polizei geht von Brandstiftung aus, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilt. Die Ermittler prüfen einen Zusammenhang zu den früheren Bränden. Auch damals lag der Verdacht nahe, dass die Hütten angezündet worden waren. Stromleitungen gibt es in den Unterständen nicht, sodass ein technischer Defekt ausgeschlossen ist. Die Ermittlungen zu den bisherigen Fällen liefen jedoch ins Leere und wurden eingestellt. Weil sich die Wanderhütten abseits der Wohnbebauung befinden, tat sich die Polizei schwer bei dem Versuch, Zeugen zu finden.

In Niederfrohna ist die Empörung groß. Kommentare auf Facebook reichen von "Das darf doch wohl nicht wahr sein" über "Es ist einfach nur traurig" bis "So viel Dummheit!". Ein Einwohner sagt, es habe sich eine gewisse Fassungslosigkeit breitgemacht, weil sich niemand vorstellen könne, wer immer wieder Brände legt. "Jugendliche, die sich dort treffen können, würden doch ihren Treffpunkt nicht selbst zerstören", ergänzt er.

Jens Hinkelmann betont, dass Brandstiftung gerade bei sommerlicher Trockenheit kein Kavaliersdelikt sei. "Schnell kann ein Feuerwehrmann bei den Löscharbeiten verletzt oder ein Unbeteiligter durch das Feuer eingeschlossen werden." Man müsse befürchten, dass der oder die Brandstifter weitere Taten verübe. Der stellvertretende Bürgermeister ist auch deshalb wütend, weil viele Niederfrohnaer im vergangenen Jahr für den Wiederaufbau einer anderen, 2500 Euro teuren Wanderhütte gespendet hatten. "Man schafft gemeinsam etwas - und einer Gruppe oder einem Einzelnen ist das alles egal", stellt Hinkelmann fest. Ob der nun abgebrannte Unterstand ebenfalls durch einen Neubau ersetzt oder an jener Stelle stattdessen nur noch eine Bank platziert wird, ist noch nicht entschieden. Diese Diskussion müsse jetzt geführt werden, sagt Hinkelmann. Er appelliert an alle Niederfrohnaer, Beobachtungen, die mit dem Geschehen im Zusammenhang stehen könnten, an die Polizei oder ans Rathaus zu melden.

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