Warum Bauarbeiter als Models jobben

Mitarbeiter zeigen auf Kalenderblättern, was sie in der Freizeit tun. Der Chef verfolgt damit einen bestimmten Zweck.

Lichtenau.

Eben nicht nur Arbeit! Das ist der Titel des Jahreskalenders der Oberlichtenauer Baugesellschaft, der in einer Auflage von 300 Stück an Geschäftspartner und Mitarbeiter verteilt wurde. Auf 13 Seiten (Januar 2019 bis Januar 2020) sind 13 Mitarbeiter des Unternehmens mit 65 Beschäftigten in ihrer Freizeit zu sehen. "Wir gestalten jedes Jahr einen Kalender - als Dankeschön", sagt Geschäftsführer Dirk Siegel. Dabei nutze er oftmals ungewöhnliche Einblicke in den Arbeitsalltag, um für den Beruf eines Bauarbeiters zu werben. Auf dem Kalender 2018 waren beispielsweise Tänzerinnen vom Chemnitzer Opernhaus zu sehen, die an ungewöhnlichen Orten - auf Baustellen der Baugesellschaft - ihr Können zeigen. Er sei ein begeisterter Opern- und Ballettfan. "Deshalb kam die Inspiration", sagt der 50-Jährige, der seit 30 Jahren im Unternehmen ist und seit 2015 die Geschäfte führt.

In der Firma sei es schon immer Tradition, bei jährlichen Sommerfesten, Sportvergnügen - wie Paddeltour - und Weihnachtsfeiern den Mitarbeitern zu danken. "Jetzt hatten wir eine neu Idee - der Kalender von Mitarbeitern und für Mitarbeiter", so Siegel. Aber kann man mit einem Kalender Fachkräfte anlocken? "Natürlich nicht", sagt er. Die Atmosphäre in der Firma sei familiär. Das solle der Kalender widerspiegeln. Aufgrund des guten Miteinanders gebe es kaum Wechsel im Mitarbeiterstamm. Auch beklage er keinen Fachkräftemangel. Das Unternehmen profitiere vom anhaltenden Bauboom. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, erläutert Siegel. Den Umsatz von 2018 gibt er mit 15 Millionen Euro an, dieses Jahr werden 18 Millionen Euro angepeilt.

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Der Wanderfreund

Ingolf Jackisch kam 2003 zum Unternehmen, als sein Arbeitgeber pleite gegangen war. "Das war für mich ein glücklicher Umstand", sagt der 53-jährige Betonbauer. Der Chemnitzer fährt viel Fahrrad und wandert mit seiner Frau gern. Da das alles durstig macht, hat er sich mit seinem Kollegen Tommy Krautheim vor dem Gelände des Getränkeherstellers Lichtenauer Mineralquellen postiert. "Wir haben dort den Eingang mit gebaut", sagt er. Sie arbeiten zurzeit auf einer Baustelle in Erfurt. Auf dem Juli-Kalenderblatt ist Tommy Krautheim zudem als Kickboxer zu sehen. (bj)


Der Fußballtrainer

Heiner Junge arbeitet seit 22 Jahren in der Firma und ist Trainer der E2-Jugendmannschaft beim BSC Motor Rochlitz, in der auch Sohn Lillebror (9) trainiert. "Eigentlich sollte die Mannschaft aufs Foto, aber aus Zeitgründen war das nicht möglich", sagt der Vorarbeiter. Also habe er seine beiden Kinder, Lillebror und Skrollan (5), geschnappt und sich vor den Drogeriemarkt gestellt, den er mit gebaut hat. Die Kinder - die seltenen Namen entstammen aus einem Buch von Astrid Lindgren - seien aufgeregt gewesen, aber dank des Fotografen sei alles ganz "easy" abgelaufen. (bj)


Die Hobby-Näherin

Nicole Kusche arbeitet seit 2012 bei "Oli-Bau", sagt die Auerswalderin. Sie sei durch ihren Freund, der den Firmensitz der Baugesellschaft mit ausgebaut hat, zum Betrieb gekommen. Die Wirtschaftsinformatikerin arbeitet als Sekretärin. Die Überschrift im Kalender: "Unentbehrlich. Mit maßgeschneiderter Terminplanung." Damit wird auf das Hobby der 33-Jährigen angespielt: das Schneidern. Auf dem Foto sei der Stoff zu sehen, aus dem sie ihrem Freund ein T-Shirt genäht hat. Sie habe das Handwerk bei ihrer Oma gelernt und sich dabei viel Fingerfertigkeit abgeguckt, sagt sie. (bj)


Der Kakteenzüchter

Alexander Riegel arbeitet seit drei Jahren beim Bauunternehmen, zuvor war er deutschlandweit unterwegs. Der 42-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. "Als die Mädchen in die Schule kamen, stand fest: Das Pendeln muss ein Ende haben", sagt der Oberbauleiter. Jetzt fährt er täglich nur noch von Meißen nach Lichtenau. Das Modeln vor der Kamera habe viel Spaß gemacht. Seine Kollegen kennen sein Hobby - die Kakteenzucht, die er schon als Kind betreibt. Das Hobby sei für ihn, der viel unterwegs ist, gerade richtig, denn die Pflanzen brauchten wenig Wasser, sagt er. (bj)

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