Warum Chemnitz bis heute eine Autostadt ist

Der Fahrzeugbau in der Stadt ist Thema einer Ausstellung zur 875-Jahr-Feier. Dabei geht es aber nicht nur um Traditionen.

Kapellenberg.

Schon das erste Automobil der Weltgeschichte soll einer umstrittenen Legende zufolge nicht Carl Benz 1885 in Mannheim, sondern bereits fünf Jahre eher der Chemnitzer Louis Friedrich Tuchscherer gebaut haben. Dem Beispiel des Mechanikers und Erfinders folgten bis heute mehr als 400 Unternehmen in der Stadt, die sich mit der Entwicklung, dem Bau und der Instandhaltung von Fahrzeugen beschäftigten und beschäftigen. Ihnen widmet sich die gestern Abend im Museum für Sächsische Fahrzeuge an der Zwickauer Straße eröffnete neue Sonderausstellung "Fahrzeugspuren in Chemnitz".

"Wir trugen uns schon länger mit dem Gedanken an eine solche Ausstellung auf Grundlage der gleichnamigen Bücher des Chemnitzer ,Oldtimer-Papstes' Frieder Bach", erklärt Museumsleiter Dirk Schmerschneider. Als die Stadtverwaltung Anfang dieses Jahres Bürger und Vereine zu eigenen Beiträgen zum 875-jährigen Stadtjubiläum aufrief, sahen die rund 35 Mitglieder des Trägervereins des Museums den richtigen Zeitpunkt dafür gekommen.

Für die Sonderausstellung wurde mithilfe von Sponsoren ein etwa zehn mal zehn Meter großer, historischer Stadtplan gedruckt, auf dem sieben selbst konstruierte und gebaute Aufsteller platziert sind. Sie tragen insgesamt 21 Tafeln mit Fotos und Texten zu 43 ausgewählten Unternehmen und deren Standorten in Vergangenheit und Gegenwart. Zudem wurden die etwa 50 Exponate aus Chemnitzer Produktion in der Dauerausstellung, darunter Fahrräder, Motorräder, Autos und Motoren, mit Hinweisen auf die Ausstellung versehen.

"Bei der Auswahl ging es uns darum, neben bekannten Marken wie Diamant und Auto Union vor allem die Vielfalt der Hersteller und Dienstleister in Chemnitz zu zeigen", so der Museumschef. Ein Großteil von ihnen war Zulieferer des Automobilbaus. Als Beispiel nennt Schmerschneider die Fahrzeuglampenfabrik Herrmann Riemann an der Fürstenstraße: "Als Marktführer und Erstausstatter der Auto Union wäre sie heute mit Bosch vergleichbar." Die 1866 als Metallwarenfabrik gegründete Firma Riemann war nur eines von drei Chemnitzer Unternehmen der Fahrzeugelektrik-Branche. Zusammen mit der Pöge-Elektrizitäts-AG, später Presto, an der Dorfstraße in Altchemnitz und der Gebrüder Häckel Laternenfabrik an der Bernhardstraße ging sie zu DDR-Zeiten im VEB Fahrzeugelektrik auf und wurde 1992 geschlossen.

Daneben zeigt die Ausstellung Standorte, an denen seit annähernd 100 Jahren kontinuierlich für den Automobilbau entwickelt und produziert wird. Einer davon ist das heutige VW-Motorenwerk an der Kauffahrtei. Auf demselben Gelände waren schon Motoren für Auto-Union-Modelle und für den Trabant gefertigt worden. Gleich nebenan befand sich ab 1932 die Zentrale Versuchsabteilung der Auto Union. Daraus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das Entwicklungswerk der Sowjetisch-Deutschen Gesellschaft Awtowelo und später das Forschungs- und Entwicklungswerk des Ifa-Kombinates. Heute forscht und entwickelt dort die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) für namhafte Hersteller.

Um die automobile Zukunft geht es auch dem Verein Fortis Saxonia, dem Studenten und junge Absolventen der Technischen Universität Chemnitz angehören. Sie sind in der Sonderausstellung mit ihrem 2014 entwickelten brennstoffzellengespeisten Elektromobil EcoBee (Ökobiene) vertreten.

Sonderausstellung "Fahrzeugspuren in Chemnitz" bis 25. November im Museum für sächsische Fahrzeuge, Zwickauer Straße 77.

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