Warum das Ordnungsamt nach anderen Blitzer-Standorten sucht

Fest installierte Anlagen bringen immer weniger Bußgelder ein. Die Stadt will das ändern - und setzt auf Alternativen.

Pro Tag nimmt das städtische Ordnungsamt knapp 11.000Euro von Verkehrssündern ein, die entweder zu schnell in der Stadt unterwegs sind oder rote Ampeln nicht beachten. Im Laufe des vergangenen Jahres flossen auf diese Weise fast vier Millionen Euro in die Kasse des Rathauses - so viel wie seit 2015 nicht mehr. Alles in allem kamen im Stadtgebiet zuletzt im Durchschnitt täglich mehr als 400kostenpflichtige Verstöße zusammen - dokumentiert durch neun sogenannte Starenkästen, sechs Blitzer-Autos, Rotlichtüberwachungsanlagen an acht Ampelkreuzungen, einen Super-Blitzer (er dokumentiert sowohl Geschwindigkeits- als auch Rotlichtverstöße) sowie hin und wieder auch durch die Polizei.

Zu schnell: Der mit Abstand größte Teil der Bußgeldeinnahmen aus dem fließenden Verkehr resultiert aus Geschwindigkeitsverstößen. Sie machten im vergangenen Jahr mehr als 95Prozent aller Delikte aus und steuerten über 80Prozent der Buß- und Verwarngelder bei. Dabei erweisen sich vor allem mobile Kontrollen zunehmend als Einnahmequelle. Auf sie entfallen mittlerweile mehr als die Hälfte aller eingenommenen Beträge. Stationäre Blitzer hingegen verlieren an Bedeutung - ortskundige Autofahrer haben sich an die Standorte gewöhnt. Am häufigsten lösten zuletzt die Anlagen an der Leipziger Straße aus (im Schnitt 33Verstöße pro Tag), an der Annaberger Straße in Harthau (32) und an der Dresdner Straße (25). Schlusslicht ist der Blitzer an der Stollberger Straße (stadtwärts) mit durchschnittlich vier Verstößen täglich. Der schnellste erwischte Autofahrer war bei erlaubten 50 Kilometern pro Stunde mit Tempo 93 unterwegs.

Bei Rot: Ampel-Blitzer lösten im vergangenen Jahr so selten aus wie seit 2010 nicht mehr. Ein Grund: Bei mehr als jeder zweiten Anlage gab es monatelange Ausfallzeiten. Entweder, weil an der Kreuzung gebaut wurde (Wartburgstraße, Müllerstraße) oder weil die Auslöser an neue Vorschriften angepasst werden mussten (Reichsstraße, Clausstraße). Der Blitzer an der Annaberger Straße in Höhe der Auffahrt zum Südring - jahrelang einer der einträglichsten - ist seit September ganz außer Betrieb. Wegen des schlechten Zustandes des Straßenbelages habe die Anlage zuletzt nicht mehr geeicht werden können, erläutert ein Sprecher der Stadt. Nun soll die Straße dort erneuert werden.

Wenig zu befürchten haben Rotlicht-Sünder derzeit von der Polizei. Die Beamten brachten 2018 mit 260 so wenige Rotlichtverstöße zur Anzeige wie noch nie innerhalb der vergangenen fünf Jahre.

Superblitzer: Als einzige Anlage im Stadtgebiet dokumentiert sie sowohl Geschwindigkeits- als auch Rotlichtverstöße. Trotzdem bleibt der sogenannte Superblitzer an der Kreuzung Zwickauer/Barbarossa-/ Goethestraße seit Jahren hinter den Erwartungen des Ordnungsamtes zurück. Nur noch gut 127.000 Euro spülte er vergangenes Jahr in die Kassen der Stadt. Das ist etwa halb so viel wie im Jahr seiner Inbetriebnahme und deutlich weniger, als jene jährlich 220.000 Euro, die sich Bürgermeister Miko Runkel von der Anlage (Anschaffungskosten: rund 100.000 Euro) ursprünglich erhofft hatte.

Kosten: Ob mobil oder am Straßenrand fest installiert: Die Wartung der Anlagen hat die Stadt im vergangenen Jahr rund 38.000 Euro gekostet - etwa ein Prozent der Einnahmen. Hinzu kommen laufende Kosten für die Bearbeitung der Bescheide. Sie können laut Rathaus nicht exakt beziffert werden, weil die zuständigen Mitarbeiter sich auch um andere Ordnungswidrigkeiten kümmern.

Ausblick: Da die stationären Anlagen zunehmend weniger Geld einbringen, wird im Rathaus über die Versetzung von Blitzern an neue Standorte nachgedacht. Konkrete Pläne dazu gebe es aber noch nicht, heißt es. Ein heißer Kandidat für einen Umzug dürfte der Rotlichtblitzer an der Kreuzung Südring/ Adelsbergstraße sein. Er löste in den zurückliegenden drei Jahren jeweils weniger als einmal pro Woche aus, 2018 so selten wie noch nie - ganze 41 mal. Der Aufbau zusätzlicher Anlagen ist laut Stadt allerdings nicht geplant - weder zur Tempokontrolle noch an Ampeln. Der Einsatz der sechs Blitzerautos indes soll auf hohem Niveau fortgesetzt werden. Schwerpunkte bilden laut Ordnungsamt Tempo-30-Abschnitte vor Schulen sowie Umleitungsstrecken, an denen es immer wieder Beschwerden von Anwohnern gebe.

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10Kommentare
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  • 1
    0
    Steuerzahler
    09.01.2019

    Laut ständiger Beteuerung der Kommune wird dort geblitzt, wo es die Verkehrssicherheit erfordert. Das wäre auch vollkommen richtig so! Wer aber soll das noch glauben, wenn die neuen Blitzerstandorte mit der Maßgabe gesucht werden, dass möglichst viel Einnahmen generiert werden. Damit verliert die Verwaltung jede Akzeptanz! Die StVO ist dazu da, den Straßenverkehr zu regeln und die Bürger vor Gefahren zu schützen. Nicht um der Verwaltung Einnahmen zum beliebigen Verbrauch zu generieren. Deshalb: Blitzer dort wo eine Gefährdung vorliegt und so viele, wie an solchen Stellen nötig sind! Alles andere ist nur organisierte Abzocke.

  • 4
    0
    Pixelghost
    08.01.2019

    @Deluxe, der von Ihnen genannte Blitzer ist auch noch in einer anderen Situation gut beschreibbar:

    Benutzer der linken Fahrspur bremsen von ca. 80/90 runter auf 70, um nicht geblitzt zu werden. Dann geben sie Gas, um vor der Abfahrt zur Zschopauer Straße noch schnell von ganz links nach ganz rechts in die Abfahrt zu wechseln.

    Das kann man ja mal ne Weile mit 100 km/h austesten. Wer bleibt dabei auf der Strecke?

    Und auf der anderen Seite - an der Auffahrt aus Richtung Annaberger Straße Polizeirevier SüdWest - kann man das mit der 100 ja auch mal probieren, wenn jemand von ganz links die Rampe hochkommt und dann Richtung Kaufland auf eine der beiden linksabbiegenden Fahrspuren muss...
    Da kommen einige ja schon jetzt mit 80/90 die Südring runter.

    Es waren beide meine täglichen Wege zum Dienst.

  • 10
    0
    Deluxe
    08.01.2019

    Mein Lieblingsblitzer ist der auf dem Südring zwischen Bernsdorfer und Zschopauer Straße.
    Dort sind 70km/h erlaubt. Kurz vorm Blitzer bremsen viele Autofahrer bis auf unter 50km/h runter und verursachen den schönsten Stau bis hin zu Auffahrunfällen, wo beides überhaupt nicht sein müßte.

    Dieser Blitzer ist ein Paradebeispiel dafür, daß es nicht um Sicherheit, sondern nur ums Geld geht. Denn die Straße wäre (theoretisch) selbst bei 100km/h problemlos befahrbar.

    Leider begreifen die Leute (auffallend oft ältere Fahrer) nicht, daß es keine Bonuspunkte und keine Belobigungen für zu langsames Fahren gibt. Und daß man mit Tempo 70 auf dem Südring auch dann nicht geblitzt wird, wenn man ungebremst am Blitzer vorbeifährt.

  • 7
    1
    CPärchen
    08.01.2019

    Mich ärgert es sehr, wenn die innerliche Motivation für die Blitzer die Einnahmen sind, denn dann stelle ich sie nicht an Stellen auf, wo es den größtmöglichen Sicherheitsgewinn bringt (z.B. Altenheim).

    Und natürlich "erhoffte sich Ordnungsbürgermeister Runkel 220.000€". Wie kann man in seiner Position enttäuscht sein, wenn zu viele ordentlich fahren? Komplett falsche Einstellung. Der muss eindeutig weg!

  • 6
    3
    cn3boj00
    08.01.2019

    Zunächst sollen Blitzer die Leute ja zur Vernunft bringen, statt Geld einzuspielen. Stationäre Blitzer haben den Nachteil, irgendwann kennt sie fast jeder, dann wird gebremst, teilweise runter auf 35, und dann wieder Gas gegeben. Deshalb wäre ein Umsetzen alle 2 Jahre sinnvoll. Oder eben immer neue dazu, vielleicht könnte es ja auch billiger gehen als mit den Edelstahl-Protzgeräten. Erst wenn in jeder Straße ein Blitzer steht kommen die Leute ja zur Vernunft. Um das Sinnvolle mit dem Nützlichen zu verbinden sollten auch die Bußgelder verdoppelt werden, bei 15 Euro macht sich doch keiner ernsthaft mehr Gedanken.
    Der wohl beste Standort wäre auf der Leipziger Straße auf der Autobahnbrücke. Oder kennt jemand jemanden der dort 50 fährt?
    In Österreich z.B. ist das Netz an Blitzern deutlich dichter. Und es gibt die Abschnittsüberwachung auf den Autobahnen, sehr sinnvoll.

  • 12
    6
    Pedaleur
    08.01.2019

    Ich habe kein Problem damit, dass die Stadt auf diese Weise Geld einnimmt und es in die vielen kommunalen Aufgaben steckt. Zu schnell Fahren ist Vorsatz. Rot evtl. nicht immer, grob fahrlässig allemal. Was die Ahnung von Verstößen mit Raubrittertum zu tun hat, mag sich mir nicht erschließen. Vor Schulen und Kitas kann man ja extra noch blitzen ;)

  • 5
    2
    fnor
    08.01.2019

    Ich hätte da noch einen Vorschlag für einen Ampel-Blitzer: Die Linksabbiegespur von der Neefestraße stadteinwärts auf die Jaenickestraße. Da passen gefühlt immer noch 2,36 Fahrzeuge bei Rot drüber. Auch wenn man auf der Nebenstraße schon losfährt, kommt öfter noch einer um die Ecke geschossen. Angeblich gab es früher dort schon einen Rot-Blitzer. Vermutlich waren die Einnahmen zu gering und er wurde abgebaut. Kann man nur hoffen, dass dort, wo Blitzer wegen der wenigen Verstöße abgebaut werden, danach die Probleme nicht wieder zunehmen. Wäre es nicht toll, wenn das Ordnungsamt anders argumentiert: "Früher gab es viele Unfälle an der Stelle, jetzt nicht mehr. Selbst der Blitzer rentiert sich nicht mehr. Genau deswegen lassen wir ihn dort stehen, damit diese positive Wirkung anhält."

  • 13
    6
    Pixelghost
    08.01.2019

    Mit welche Recht wird zu schnell gefahren, egal wo?

  • 20
    5
    derBuerger
    08.01.2019

    Das ist jetzt wieder mal typischfür den Beamtensumpf in Chemnitz! Der Bürger wird nicht als König Kunde sondern nur als Melkvieh angesehen. Blitzer und Busgelder sollen als Mittel zur Verkehrssicherheit dienen und nur sekundär den "Raubrittern"!
    Bltzt mehr vor Schulen und Kitas, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen!

  • 27
    3
    524989
    08.01.2019

    Hört, hört! Das sind doch erfreuliche Nachrichten, dass die Blitzer die Wirkung zeigen, warum sie aufgestellt wurden: dass sich Autofahrer an die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten der STVO halten. Ich falle vom Glauben ab, wenn doch die Geldeinnahme im Mittelpunkt des städtischen Interesses stehen sollte!



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