Warum das Rathaus eine weitere Ampel an der Zenti ablehnt

Befürworter versprechen sich mehr Sicherheit an einem etwas abseits gelegenen Gleisübergang. Verkehrsexperten fürchten das glatte Gegenteil.

Braucht es an der Zentralhaltestelle zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für Fußgänger? Diese Frage sorgt einmal mehr für Diskussionen. Anlass ist ein neuerlicher Unfall mit einer Straßenbahn, bei dem kürzlich eine 89-jährige Fußgängerin an einem Gleisübergang erfasst und verletzt worden war.

Nicht wenige Nutzer von Bus und Bahn, die regelmäßig an der Zenti unterwegs sind, wundern sich, dass derartige Unfälle nicht häufiger passieren. Ob in der Hektik des Alltags oder abgelenkt durch Smartphone oder Kopfhörer - immer wieder kommt es zu heiklen Situationen, weil Fußgänger zu wenig auf das Geschehen ringsum achten oder bewusst ignorieren, was die Ampel zeigt. Oft ist es nur der Aufmerksamkeit der Fahrer von Bussen und Bahnen zu verdanken, dass es nicht zu noch mehr Unfällen kommt. Müssen sie abrupt auf die Bremse treten, kann es wiederum passieren, dass Passagiere in den Fahrzeugen stürzen und sich verletzen.

Im Fokus der Kritik stand zuletzt vor allem der etwas abseits gelegene Bahnsteig 10 an der Fußwegverbindung zwischen Moritzhof und der Passage Am Rathaus. Dort gibt es weder Unterstand noch Sitzgelegenheiten; der den Fahrgästen zur Verfügung stehende Platz ist äußerst beengt. Eigentlich dient die Anlage nur als Behelfsbahnsteig für besondere Verkehrslagen. Tatsächlich ist er seit Monaten fester Bestandteil des Nahverkehrsregimes. Denn die CVAG hat die Linien1 (von und nach Schönau) sowie 2 (von und nach Bernsdorf) an dieser Stelle miteinander verknüpft. Sie verzichtet auf die im Fahrplan eigentlich vorgesehene Umrundung des Stadtzentrums über Stefan-Heym-Platz und Brückenstraße und kommt dadurch in Zeiten des Fahrermangels mit weniger Personal aus.

In der vergangenen Woche hatte die Stadtratsfraktion der Linken darauf gedrungen, dass der Bahnsteig 10 möglichst bald wieder nur noch ausnahmsweise angesteuert wird. Doch die Chancen dafür stehen laut CVAG eher schlecht. Wegen des ab voraussichtlich Februar anstehenden Umbaus des Gleisdreiecks am Archäologiemuseum wird der Behelfsbahnsteig wohl noch bis mindestens 2021 in Betrieb sein. Vor diesem Hintergrund fordern die Linken die Stadtverwaltung auf, dort nun wenigstens eine provisorische Fußgängerampel zu installieren. Zuvor hatte bereits die CVAG für eine bessere Sicherung in dieser Form plädiert.

Völlig neu ist dieser Gedanke freilich nicht. Bereits im vergangenen Jahr sei er im Zuge des Umbaus der Zentralhaltestelle intensiv diskutiert worden, heißt es aus dem Technischen Rathaus. Das Problem: Würde der Gleisübergang am Bahnsteig10 in der geforderten Form mit einer Ampel gesichert, würde den Fußgängern dort viel Geduld abverlangt werden müssen. "In Abhängigkeit vom freizugebenden Straßenbahnverkehr wären nur Überquerungszeiten zwischen fünf und etwa 30 Sekunden möglich", verdeutlicht ein Mitarbeiter der Verkehrsbehörde. Dem gegenüber stünden Wartezeiten bei "Rot" von teilweise deutlich über einer Minute.

Der Grund: Wegen der Gleisgeometrie und vor allem wegen der Weichen können die Bahnen den Bereich nur mit geringen Geschwindigkeiten von zum Teil kaum mehr als 15 Kilometern pro Stunde befahren. Sie benötigen somit relativ viel Zeit, um die Kreuzung zu passieren. "Es wäre zu befürchten, dass derartig lange Wartezeiten von vielen Fußgängern nicht akzeptiert werden und bei ,Rot' gelaufen wird", heißt es. Genau dieses Verhalten aber habe an anderen Stellen der Zentralhaltestelle in den zurückliegenden Jahren zu schweren Unfällen geführt.

Bewertung des Artikels: Ø 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    4
    Pixelghost
    15.10.2019

    Genau so ist es. Was interessieren den Ampeln und deren Farbgebung.

    Spiegel der Gesellschaft.



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