Warum das Rathaus grüne Pfeile abbaut

Die Anzahl der Ampeln, an denen Autofahrer bei Rot rechts abbiegen dürfen, nimmt ab. Begründet wird das vor allem mit der Verkehrssicherheit.

Es passiert immer wieder: Obwohl die Ampel rot leuchtet, fährt der Vordermann an der Kreuzung plötzlich mit seinem Auto an, um rechts abzubiegen. Grund dafür könnte alte Gewohnheit an häufig befahrenen Strecken sein. Denn die Standorte grüner Pfeile, die oftmals noch aus DDR-Zeiten stammen, haben sich vielen Kraftfahrern über Jahrzehnte beinahe intuitiv eingeprägt. Doch ein Großteil dieser Zusatzzeichen ist in den vergangenen Jahren auch in Chemnitz abgebaut worden.

Laut einer 2018 veröffentlichten Studie des Vereins Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS) gab es in der Stadt im Jahr 2003 noch 213 Grünpfeile an damals insgesamt 190 ampelgeregelten Knotenpunkten. Bereits bis 2011 sei die Anzahl auf 116 Grünpfeile geschrumpft. Nach Recherchen des MDR-Fernsehmagazins "Umschau" ist in Chemnitz von 2003 bis Ende 2018 mehr als jeder dritte Grünpfeil demontiert worden. Damit befinde sich die Stadt in guter Gesellschaft mit Städten wie Magdeburg und Leipzig, wo die Anzahl grüner Pfeile ebenfalls um etwa ein Drittel gesunken sei. In Dresden seien dagegen nur 15 von einst 260 grünen Pfeilen entfernt worden.

Die Chemnitzer Stadtverwaltung erklärt auf Anfrage, sie könne die Angaben des MDR-Magazins nicht nachvollziehen. Bestätigt wird aber, dass allein seit 2010 35 Grünpfeilschilder demontiert und teilweise durch andere Maßnahmen zur Verkehrsregulierung ersetzt wurden. Begründet wird das durchweg mit dem Ziel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Die Stadtverwaltung nennt drei Hauptprobleme, die sie zum Abbau von Grünpfeilen veranlasst hätten: Das erste davon sei schlechte Sicht der Fahrer, die rechts abbiegen wollen, auf Fußgänger und Fahrzeuge in den gerade durch grünes Ampelsignal freigegebenen Richtungen. Aus diesem Grund seien beispielsweise die Grünpfeile an der Leipziger/Friedrich-Schöffel-Straße, Bernsdorfer/Pappelstraße und an der Zufahrt zur Neefestraße 127 bis 131 entfernt worden.

Zweites Hauptproblem sei eine Häufung von Unfällen, deren Zustandekommen durch Grünpfeile begünstigt worden sei. Das wurde laut Stadtverwaltung bei Untersuchungen festgestellt und habe unter anderen zum Abbau der Grünpfeile an der Bahnhofstraße/Brückenstraße, Brückenstraße/Mühlenstraße, Nordstraße/Müllerstraße, Hechlerstraße/Bergstraße und Hartmannstraße/Bergstraße geführt.

Als dritten Hauptgrund nennt die Stadtverwaltung zu enge Knotenpunkte, an denen es wegen der grünen Pfeile zu Konflikten zwischen Autos und Bussen auf neu eingerichteten Linien kommen könne. Deswegen sei zum Beispiel der Pfeil an der Augsburger/Bernsdorfer Straße entfallen.

Ein Teil der Grünpfeile sei zudem nach dem Umbau von Ampelanlagen nicht mehr zulässig gewesen, erklärt die Stadtverwaltung. Das sei beispielsweise der Fall, wenn gesonderte Ampeln für Linksabbieger installiert wurden, wie am Bernsbach- und Thomas-Mann-Platz, der Straße der Nationen/Georgstraße oder der Limbacher/Barbarossastraße. Um Radfahrer zu schützen, die vom Radweg rechts der Fahrbahn nach links über die Straße wechseln wollen, seien die Grünpfeile an der Zschopauer/Lutherstraße und der Hartmannstraße/Schloßstraße entfernt worden. Zudem seien an mehreren Knotenpunkten, so an der Hainstraße/Frankenberger/Dresdner Straße und Gustav-Freytag-/Annaberger Straße, die früheren Grünpfeilschilder durch Ampeln mit Extrasignal für Rechtsabbieger ersetzt worden. Von den derzeit insgesamt 240 Ampelanlagen in Chemnitz sind nach Rathaus-Schätzungen reichlich 50 mit solchen Rechtsabbieger-Signalen ausgestattet.

Nach Angaben der Stadtverwaltung hat der Abbau von Grünpfeilen zu keiner Erhöhung, sondern im Gegenteil zur Verringerung der Unfallzahlen an den jeweiligen Kreuzungen und Einmündungen geführt. Der Chemnitzer Polizei lägen keine Angaben zu negativen Folgen des Entfernens grüner Pfeile vor, hieß es von dort auf Anfrage.

Die Ansichten der Verkehrsteilnehmer zum Grünpfeil sind gegensätzlich: Fußgänger- und Radfahrerverbände fordern sein Verbot für Autofahrer, weil damit der Fuß- und Radverkehr gefährdet werde. Begrüßt wird dagegen ein kürzlich vom Bundesverkehrsministerium gestarteter Pilotversuch zu grünen Pfeilen für Radfahrer. Aus Sicht des Autofahrer-Clubs ADAC erhöhen die Pfeile den Durchlass von Knotenpunkten und dienen damit auch der Umwelt, weil sie Staus und Abgasbelastung reduzierten.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 5 Bewertungen
9Kommentare
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  • 2
    2
    sunhiller
    10.02.2019

    @Deluxe..Außerdem gilt Paragraph 1 der STVO grundsätzlich immer - egal was eine Ampel anzeigt und welche Schilder sort stehen. Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme...
    Alles richtig, was Sie sagen. Aber bitte nicht nur auf die bösen Autofahrer münzen.
    Meine Erfahrungen zeigen ein anderes Bild - rücksichtslose Fahrradfahrer (und da sind Stinkefinger und Fäusteschütteln noch das kleinste Problem) und Handyverliebte Fußgänger, die sich völlig selbstvergessen auf öffentlichen Straßen und Gehwegen bewegen. Also Paragraph 1 der STVO für ALLE !

  • 7
    4
    CPärchen
    07.02.2019

    Ich mag den Grünpfeil. Und das Argument doofer Fahrer lasse ich nicht gelten. Dann kontrolliert von mir aus mehr oder erhöht kurz die mediale Berichterstattung dazu, um Altes wieder ins Gedächtnis zu rufen. Auto fahren verlangt immer ein Mitdenken.

    Die Ampeln werden auch immer mehr und mehr... die Staus dadurch auch.

  • 19
    4
    Einspruch
    07.02.2019

    Den Fahrern soll das Denken ab erzogen werden,demnächst wird es wohl eine App zum abbiegen geben. Wenn ich mache so früh auf ihr Handy glotzend herumirren sehe, frage ich mich, ob die in naher Zukunft noch den Heimweg ohne Handy finden werden.

  • 18
    9
    RolfGlaenzel
    07.02.2019

    Das Problem sind wahrscheinlich die anderen Deutschen , wer mit Ampelmännchen nicht klarkommt hat auch am grünen Pfeil ein Defizit, die Verkehrsregeln sind eigentlich eindeutig , leider nehmen Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr immer mehr zu. Auch 130 km auf Autobahnen sind lange überfällig !

  • 15
    2
    cn3boj00
    07.02.2019

    Gerade an der Winklerstraße/Bergstraße ist das für mich nicht nachvollziehbar. Die Bergstraße ist so gering frequentiert, dass man auf der Winklerstraße nur sinnlos rumsteht. Und was ein Grünpfeil für Radfahrer bringen soll ist mir völlig schleierhaft. Wenn Grünpfeile für mehr Unfälle sorgen, dann will man Radfahrer wohl bewusst einem höheren Risiko aussetzen?

  • 37
    3
    Deluxe
    07.02.2019

    Mit der Verkehrsdichte hat das überhaupt nichts zu tun.
    Sondern damit, daß die Kraftfahrer immer weniger mitdenken und den grünen Pfeil für einen Freifahrtschein halten, der sie von ihrer Pflicht entbindet, mal die Augen aufzumachen. Außerdem gilt Paragraph 1 der STVO grundsätzlich immer - egal was eine Ampel anzeigt und welche Schilder sort stehen. Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme...

    Der grüne Pfeil auf einem Blechschild ist NICHT das selbe wie ein elektrisch leuchtender grüner Rechtsabbiegepfeil auf einer Richtungsampel! Und er ist auch NICHT das selbe wie der elektrisch leuchtende grüne Räumpfeil hinter der Kreuzung!

    Genau das ist aber heutzutage vielen Fahrzeugführern offenbar nicht mehr klar. Sie kennen die Unterschiede nicht und werfen alles in einen Topf. Daß es dann zu Unfällen kommt, ist logisch. Aber daran ist ganz sicher nicht das aus der DDR stammende Blechschild mit dem grünen Pfeil schuld.

    In den USA ist das Rechtsabbiegen bei roter Ampel grundsätzlich erlaubt. Sozusagen ein grüner Pfeil ohne Schild, weil diese Erlaubnis generell gilt.

    Und wie ist dort die Verkehrsdichte?
    Richtig - sehr viel höher als sie in der DDR jemals war und auch in vielen Fällen deutlich höher als hierzulande.
    Trotzdem funktioniert es.

    Also können die Probleme in Deutschland nicht am Verkehrsaufkommen liegen, sondern müssen auf das fehlerhafte Verhalten der KFZ-Piloten zurückzuführen sein.

  • 22
    4
    Meisterlein79
    07.02.2019

    Ok mal ganz doofer Kommentar dazu. Ist ja klar, weil alles was dich in Chemnitz rechtsabbiegen läßt, einen Shitstorm auslöst. :-D

  • 14
    4
    HHCL
    07.02.2019

    "Aus Sicht des Autofahrer-Clubs ADAC erhöhen die Pfeile den Durchlass von Knotenpunkten und dienen damit auch der Umwelt, weil sie Staus und Abgasbelastung reduzierten."

    Da wären vielleicht intelligente Ampelschaltungen sinnvoll. In Chemnitz ist das mit der grünen Welle ja eher schwierig. Beispielsweise muss man an der Kreuzung Bahnhofstraße/Zschopauer Straße meist sofort wieder anhalten, weil die beiden Ampeln im Abstand von ca. 50 Metern nicht aufeinander abgestimmt sind. Völlig sinnfrei erscheint mir auch die neue Ampel, die Busse regelmäßig bei der Einfahrt an die Zenti (aus der Bahnhofstraße) ausbremst. Wer braucht diese Ampel? War das ein Unfallschwerpunkt?

  • 2
    32
    HHCL
    07.02.2019

    Ehrlich gesagt, halte ich den Grünen Pfeil, der ja Bundesdeutsch Grünpfeil heißt, für ein Relikt, das nicht mehr gut funktioniert, da das Verkehrsaufkommen heutzutage ein deutlich anderes ist, als vor 30 Jahren in der DDR. Über kurz oder lang wird er daher wohl verschwinden.



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