Warum der Brunnen nicht mehr sprudelt

Seit mehr als 25 Jahren gehört das Wasserspiel zum Rathaus in Taura. Jetzt wird überlegt, es abzureißen. Das stößt auf Kritik.

Taura.

Dieter Rantzsch vom Tauraer Heimatverein kann sich noch genau erinnern, als im Oktober 1992 der Springbrunnen vor dem Rathaus in Taura das erste Mal sprudelte. "Wir waren froh, dass es einen neuen Dorfmittelpunkt gibt", sagt der Vereinschef. Es habe früher mal einen Springbrunnen auf dem Marktplatz gegeben. Doch der sei irgendwann marode gewesen und abgeschaltet worden. Deshalb kam die Idee, mit dem Rathaus-Umbau einen Springbrunnen zu installieren. Seitdem habe er sich großer Beliebtheit bei Einwohnern und Besuchern erfreut.

Doch jetzt steht das Wasserspiel anscheinend zur Disposition. Bürgermeister Robert Haslinger (CDU) hatte in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Diskussion dazu eröffnet. Hintergrund: Im kommenden Jahr könnte der Brunnen entfernt werden, weil öfters die Pumpe kaputt sei, die Kosten dafür stiegen. Auch gebe es Vandalismusschäden und verstopfe Laub den Abfluss. Als Alternative sei das Anlegen eines Blumenbeetes vorgeschlagen worden. "Wir haben das Thema unverbindlich angesprochen", erläutert Haslinger auf Nachfrage. Details über damalige Baukosten und Hintergründe könne er nicht nennen, aufgrund der anstehenden Winterperiode - dann wird der Brunnen abgeschaltet - und aufgrund vordringlicherer Themen, so Haslinger. Im Gremium hat die Diskussion begonnen. "Ich habe den Eindruck, dass die Mehrheit nicht begeistert ist, wenn der Brunnen wegkommt", sagt Horst Knorr von der Wählervereinigung Freiwillige Feuerwehr Köthensdorf (WFFK). Jetzt müsse geprüft werden, was die Reparatur koste. "Das kann doch nicht so viel sein", so der 68-Jährige. Während der Winterzeit, wenn der Brunnen abgeschaltet ist, sei genügend Zeit, um sich eine Meinung zu bilden, was aus dem Bauwerk werden soll. Das findet auch Marcel Kroll, Feuerwehrchef und Gemeinderat der Wählervereinigung Kleingärtner (WVK): "Für mich gehört er einfach zum Ortsbild." Leider sei er oft verdreckt, beim Vorbeilaufen würden Unbekannte Steine und Unrat hineinwerfen. "Aber funktionieren muss er", sagt er. Dieser Meinung ist auch der Köthensdorfer Ortsvorsteher Ronny Falkner, der für die WFFK im Rat sitzt: "Ich bin prinzipiell für den Erhalt." Aber er wisse auch, dass mancher Einwohner den Brunnen kaum zur Kenntnis nehme.

"Freie Presse" hat sich in Taura umgehört. Die meisten befragten Einwohner wissen noch nicht, dass die Gemeindeverwaltung überlegt, den Brunnen abzubauen. Einige junge Leute, die gerade die Herbstferien genießen, schauen sich ungläubig an: "Springbrunnen? Ist mir noch gar nicht aufgefallen", sagt ein Köthensdorfer. "Der Brunnen sieht immer ungepflegt aus, kein schöner Anblick", so ein Rentner. Eine Verkäuferin der Fleischerei Jehmlich sagt: "Von unserem Schaufenster aus ist es immer ein schöner Anblick gewesen." Aber er müsse mehr gepflegt werden, fügt sie hinzu. Das bestätigt eine Kundin. Auch Friseurmeisterin Susan Stern weiß, dass die Instandhaltung des Brunnens die Gemeinde viel Geld koste. "Steine werden reingeworfen, Reparaturen fallen häufig an", sagt sie. Sie verstehe es, wenn der Brunnen stillgelegt werde. "Klar wäre es schön, wenn er wieder sprudeln würde", ergänzt sie. Aber dafür fehle wahrscheinlich das Geld in der Gemeindekasse. Auch in der jüngsten Sitzung des Heimatvereins stand das Thema zur Diskussion. "Es darf nicht sein, dass der Springbrunnen entfernt wird", sagt Chef Dieter Rantzsch. Er sei eine Anlaufstelle und Kinder planschten im Sommer dort, erläutert er.

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