Warum die Biotonnen müffeln

Essensreste zu entsorgen ist vor allem bei Hitze nicht jedermanns Lieblingsaufgabe. Doch ein extra Waschgang für die Behälter kostet.

Bei den derzeit hohen Temperaturen fällt der Gang zur Biotonne nicht leicht. Werner Klemm hält sich die Nase zu, wenn er die Tonne öffnet.

Von Sandra Häfner

Es ist jedes Jahr dasselbe, sagt Werner Klemm. Wenn es im Sommer heiß wird, beginnen die Biotonnen besonders streng zu riechen. "Das ist ein großes Problem", sagt der Markersdorfer. Er wohnt in einem Mehrfamilienhaus und entsorgt seinen Biomüll wie etwa Nahrungsreste in den Tonnen mit braunem Deckel. Diese Tonnen werden wöchentlich geleert, sagt Klemm. Doch damit sei das Problem nicht gelöst, sondern gehe erst richtig los.

Denn nach der Leerung der Tonnen durch den städtischen Abfallentsorger ASR bleibe auf dem Boden der Behältnisse eine besonders übel riechende, dunkle Flüssigkeit zurück. "Für mich ist das Jauche", sagt der Rentner. Er kann nicht verstehen, wie der Bodensatz in der Tonne kleben bleiben könne, wo diese doch beim Entleeren um 180 Grad gedreht wird. Damit es bei ihm am Haus nicht mehr so sehr müffelt, hat Werner Klemm einen Wunsch: "Die Biotonnen sollten im Sommer monatlich vor Ort desinfiziert oder gewaschen werden. Oder sie werden einmal pro Monat eingesammelt und an einem zentralen Platz gereinigt." Und das sollte möglichst ohne Zusatzkosten erfolgen. Als voriges Jahr viele Fliegenmaden die Biotonnen bevölkerten, seien die Behältnisse außer der Reihe desinfiziert worden. "Das war damals eine Invasion. Zu Tausenden kamen die Maden aus den Tonnen und verbreiteten sich", erinnert sich der 73-Jährige. Doch die zusätzliche Reinigung habe der Vermieter auf die zu zahlende Müllgebühr aufgeschlagen.

Grundsätzlich werde das Innere einer Biotonne einmal jährlich gereinigt, sagt Marcus Kropp, stellvertretender Betriebsleiter des ASR. Dazu komme vor Ort ein Fahrzeug zum Einsatz, das eine Kombination aus Entsorgungs-Lkw und Waschfahrzeug ist. Mit einem Sprühknopf, der wie ein Hochdruckreiniger funktioniert, wird die Tonne ausgespült. Der Waschvorgang sei in der Gebühr für die Entsorgung des Bioabfalls enthalten, so Kropp. Der ASR biete den Kunden aber auch den Austausch mit einer gereinigten Biotonne an - gegen eine Gebühr von 20,80 Euro; nicht kostenlos, wie von Werner Klemm gewünscht. "Eine zusätzliche kostenfreie Reinigung bzw. ein kostenfreier Austausch würden zu Lasten aller Gebührenzahler gehen und sind daher ausgeschlossen", stellt der stellvertretende Betriebsleiter klar.

Die Ursache für zurückbleibende Bodensätze und damit auch für den unangenehmen Geruch sind laut Kropp Kunststoff- und Stärkebeutel, mit denen die Bioabfälle in der Tonne entsorgt werden. Er hat auch einen Tipp, wie der Gestank verhindert werden kann: einfach die Biotonne mit Zeitungspapier auslegen.

Um das Müffeln der Tonnen künftig zu verhindern und den Befall mit Maden einzudämmen, hat der ASR im vergangenen Jahr in einigen Stadtgebieten Biotonnen mit einem speziellen Deckel getestet. Dieser ist mit einem Biofilter versehen, der verhindern soll, das Vergärungsgeruch austritt. Zudem wurden kleine Vorsortiergefäße verteilt, mit denen Bioabfälle sauber und getrennt vom Restmüll gesammelt werden können. Die Tests sind laut Marcus Kropp teilweise beendet oder werden in den nächsten Wochen abgeschlossen. Danach werde der Versuch ausgewertet. Mit Ergebnissen sei im Herbst zu rechnen.

4Kommentare
👍3👎0 HHCL 08.08.2018 @Hankman: Sie halten es also für sinnvoll, das in einer Hitze- und Dürreperiode Wasser für das Reinigen von Mülltonnen genutzt wird? Sie haben ja interessante Prioritäten. In Deutschland vertrocknen die Felder und Wiesen und Sie lassen die Mülltonnen ausspülen. Genau das meine ich mit Dekadenz.

Mir stellt sich auch die Frage, wie lange jeder Mieter diesem Geruch ausgesetzt ist. Bei normaler Benutzung weniger als eine halbe Minute täglich. Weil das pro Haus vielleicht einen stört, sollen dann alle höhere Nebenkosten bezahlen?
👍7👎1 Hinterfragt 07.08.2018 Wenn es den Herrn stört, dass die Tonne müffelt, warum ergreift er dann nicht die Initiative und reinigt diese einfach mal durch eine "Wasserspülung"?
In der Zeit in dieser er seine Nase darüber rünft, wäre das sicherlich erledigt und die Zeit scheint er ja zu haben.
Am einfachsten wäre es natürlich, wenn der Biomüll in entsprechenden Biomülltüten in die Tonne entsorgt würde, denn dann würden diese nicht dermaßen verunreinigt ...
👍0👎7 Hankman 06.08.2018 @HHCL: Wieso weltfremd? Wieso dekadent? Der Mann hat doch Recht. Der ASR kann sich doch in so einem Sommer nicht darauf zurückziehen, das sie das schon immer so gemacht haben. Einmal jährlich reinigen ist ohnehin schon wenig - und wenn es dann so eine lange Hitzeperiode gibt, müsste man halt mal flexibel reagieren. Solches Sommerwetter wird ja künftig eher zur Regel, wenn man den Klimaprognosen glauben darf. Eine monatliche Reinigung halte ich aber für sehr ambitioniert - in der kalten Jahreszeit ist das Problem nicht so akut.

Dem Beitrag entnehme ich aber auch, dass der ASR eine zusätzliche Reinigung gegen Entgelt anbietet. Der Vermieter könnte also in so einer Hitzephase wie jetzt einfach so eine zusätzliche Reinigung buchen - und die Kosten vielleicht mal aus dem eigenen Werbeetat begleichen, statt sie auf die Mieter umzulegen.
👍12👎2 HHCL 06.08.2018 Wieder einmal so ein weltfremder Träumer. Die Biotonne müffelt! Oh! Ich will das die Stadtreinigung das kostenlos abstellt! Mimimi! - Wie soll das denn gehen? Das Desinfektionsmittel kostet, das Personal, das desinfizieren soll, kostet. Die Tonnen regelmäßig auszutauschen und zu reinigen kostet auch.

Außerdem: Wie lange hält der Herr denn seinen Kopf über die Tonne. Haben wir keine anderen Probleme als diesen dekadenten Mist?
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