Warum ein Abiturient vor dem Unterricht im Wald Vögel zählt

Mit Extra-Arbeiten können Schüler ihre Abiturnote aufbessern. Die Themen reichen vom Afghanistan- Krieg bis hin zu Brutvögeln und ihre Rastplätze.

Borna-Heinersdorf.

Seit er denken kann, interessiert sich Henri Leschzinski für Vogelkunde. Kein Zufall also, dass das Thema auch in seinem Projekt eine Rolle spielt. Er besucht das Johannes-Kepler-Gymnasium und muss wie alle Schüler, die einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt im Unterricht haben, eine besondere Lernleistung abliefern. Ihre Arbeiten haben die Abiturienten jetzt öffentlich präsentiert. Leschzinski verglich den Brutvogelbestand auf einer naturbelassenen Fläche im Crimmitschauer Wald mit dem auf einer bewirtschafteten Fläche. Insgesamt verbrachte er 40 Stunden im Wald und zählte mitunter schon vor Schulbeginn Vögel. Der 17-Jährige stellte fest, dass auf der unbewirtschafteten Fläche auf zehn Hektar 172 Brutvögel und damit 58 mehr als auf der Vergleichsfläche leben. Mit seiner Arbeit wurde er Regionalsieger des Wettbewerbs "Jugend forscht" in der Kategorie Biologie.

Hilfe bei ihren Arbeiten bekamen die Schüler von ihren Lehrern und externen Betreuern, wie beispielsweise Mitarbeitern der Technischen Universität Chemnitz. Die besonderen Lernleistungen können eine mündliche Abiturprüfung ersetzen, wenn die Schüler stattdessen ihr Projekt noch einmal in einem Kolloquium präsentieren.


Krankheit und Heilung

Fieber, Hautausschlag am Rücken und geschwollene Lymphknoten sind Anzeichen für eine frische Infektion mit dem HI-Virus, der zu Aids führen kann. Bei der Krankheit baut der Virus sein Erbgut in das des Menschen ein und verändert somit die DNA. Abiturient Rouven Raths beschäftigte sich in seiner Arbeit mit der sogenannten Crispr-Cas9-Methode und wie man sie Schülern am besten vermitteln kann. Bei der Methode entsteht ein Enzym, das die krankmachenden Viren erkennt und deren Erbgut zerschneidet. So könnten Menschen, die an Aids erkrankt sind, geheilt werden. Im Praxisteil seiner Arbeit vermittelte der Abiturient 21 Schülern der 9. bis 12.Klasse die Methode in einer 90-minütigen Unterrichtseinheit. Dem 18-Jährigen sei es wichtig gewesen, den Stoff mit Tabellen und Bildern zu erklären. Mit seinem Projekt wollte Raths auf die neue Methode aufmerksam machen. "Biologie ist sehr abwechslungsreich, und es gibt immer neue Erkenntnisse, die auch in den Lehrplan aufgenommen werden sollten", sagt er.


Eine App und der Stundenplan

Vertretungsplan, Hausaufgaben und Stundenplan dank Handy immer dabei haben - das macht die Android-App von Conrad Schmidt möglich. Als sich seine Schule dafür entschieden hatte, den Vertretungsplan nicht mehr als Zettel am Sekretariat auszuhängen, sondern online zu stellen, hat sich der Abiturient gefreut. "Doch das war mir noch nicht genug", sagt er. Deshalb entwickelte der 18-Jährige im Rahmen seiner besonderen Lernleistung eine App. Zwei Jahre hat die Entwicklung gedauert, jetzt haben ungefähr zwei Drittel der etwa 600Schüler die Funktion auf ihrem Android-Gerät installiert. Mit seiner Arbeit schaffte es der Schüler zum Regionalsieg im Wettbewerb "Jugend forscht" in der Kategorie Mathematik/Informatik. Während des Finales habe ihn ein Mitarbeiter der Bildungsagentur gefragt, ob er die App auf alle Schulen in Sachsen erweitern könne. Das sei gut vorstellbar, so Schmidt. Mitte April wird er die Region beim Landeswettbewerb in Chemnitz vertreten. Nach seinem Abitur möchte er Informatik studieren. (lio)


Stress und Kopfschmerzen

Leistungsdruck, Lärm und Auseinandersetzungen mit Lehrern gehören zu den Faktoren, die bei Schülern Stress auslösen können. Der kann wiederum zu Kopfschmerzen führen. Schülerin Katharina Klose leidet selbst öfter an Kopfschmerzen und ging deshalb in ihrer besonderen Lernleistung der Frage nach, ob Gymnasiasten häufiger Kopfschmerzen wegen Schulstress haben als andere Schüler. Sie befragte dazu insgesamt 63 Schüler der neunten und zehnten Klassen ihrer Schule und der evangelischen Oberschule in Burkhardtsdorf. Dabei gaben fast 95 Prozent der Gymnasiasten und etwa 88 Prozent der Oberschüler Schulstress als einen Grund für ihre Schmerzen an. Während der Schulzeit würden die Jugendlichen häufiger über Kopfschmerzen klagen als während der Ferien. So kam die 18-Jährige zu dem Ergebnis, dass mehr Gymnasiasten unter stressbedingten Kopfschmerzen leiden als Oberschüler. Das liege unter anderem am zunehmenden Leistungsdruck. Nach ihrem Abitur möchte die Schülerin klinische Psychologie studieren.

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