Warum ein Gartenverein bei der Museumsnacht mitmacht

Die Anzahl der Kleingärtner geht zurück. Diese Erkenntnis hat einen Burgstädter auf die Idee gebracht, auf ungewöhnliche Weise für eine Parzelle zu werben.

Burgstädt.

René Irmscher liebt seinen Kleingarten, den er vor 16 Jahren von Verwandten in der Anlage beidseitig des Viaduktes in Burgstädt übernommen hatte. "Ich bin Single, habe also genügend Zeit für dieses Hobby", sagt der 42-Jährige. Er arbeitet als selbstständiger Veranstaltungstechniker und könne sich deshalb die Zeit gut einteilen. Deshalb übernahm er vor sieben Jahren auch den Chefposten des Kleingartenvereins Mitte mit jetzt 150 Gärten.

Die Anzahl der Kleingärtner ist rückläufig. Die Anlage war 1921 mit 170 Parzellen gegründet worden. Jetzt sind davon 20 Gärten ohne Pächter. "Vor allem junge Familien fehlen uns", sagt der Vereins-Chef. Um diese anzulocken und neugierig zu machen, hat Irmscher angefangen, regelmäßig zu Veranstaltungen einzuladen. "Das ist mein Metier, da kenne ich mich aus", fügt er hinzu. Dabei knüpfe er an die Gartenfeste zu DDR-Zeiten an, die gut besucht waren. Der letzte Pächter des Gartenheimes hatte vor fünf Jahren aufgegeben. Seitdem bewirtschaftet der Verein selbst die beiden Häuser.


René Irmscher hat viele Ideen. So finden im Frühjahr und Herbst sogenannte Brauchtumsfeuer statt. Bei Musik und Unterhaltung wurde kürzlich ein Fest zum Osterfeuer gefeiert. "Das hat auch eine praktische Seite", sagt er. Denn erfahrungsgemäß falle in einem Kleingarten viel Holz an, das dann verbrannt werden kann. Zudem vermietet der Verein das Gartenheim für Familienfeiern. Insgesamt 14.000 freiwillige Stunden haben die Gartenfreunde geleistet, um die beiden Gartenheime auf Vordermann zu bringen. Dann wurde die Idee geboren, ein altes Holzhaus, das zu einem leerstehenden Garten gehörte, als Gartenmuseum umzubauen. Dort wird ein Einblick in die 95-jährige Vereinsgeschichte gegeben. In mehreren Ordnern befinden sich Dokumente der Vereinsgeschichte, darunter das Gründungs-Protokoll aus dem Jahr 1921. Auf einem Lageplan ist eingezeichnet, wie zu Beginn 198 Gärten entstehen sollten und wie sich Flächen änderten. Zu sehen sind Gartenliegen und -stühle aus den 1950er-Jahren. Anfang der 1990er-Jahre musste die Kegelbahn abgerissen werden, weil sie marode war, sagt Irmscher. Aber Kegel und Kugeln erinnern an die Zeit, als manche Vereinsmeisterschaft stattfand.

Zur dritten Museumsnacht in Burgstädt, die am 13. Mai von 16 bis 23 Uhr an 16 Stationen stattfindet, beteiligt sich der Gartenverein zum dritten Mal. "Wahrscheinlich sind wir das kleinste Museum", sagt Irmscher. Aber der 42-Jährige hatte dafür noch eine Idee. Vor drei Jahren war er Mitglied einer Facebook-Gruppe geworden, die historische Ansichten von Burgstädt sammelt und sich darüber austauscht.

Irmscher hat selbst 360 historische Ansichtskarten, Prospekte, Rechnungen und Biergläser mit Burgstädter Motiven. In der Gruppe mit 1300 Mitgliedern wird über historische Bauten gerätselt. Eine Auswahl der Postkarten zeigt die Gruppe zur Museumsnacht. Das Besondere: Die historischen Ansichten werden neben die heutigen Fotos gestellt. "Mehr will ich noch nicht verraten", sagt Irmscher.

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