Warum ein Kleid aus Glas nur für einen Tag gezeigt wird

Eine gelernte Herrenmaßschneiderin präsentiert Modegrafiken, Zeichnungen und Aquarelle im Landgericht. Wie kommt die Justiz zur Mode?

Kaßberg.

Ein Brief vom Gericht löst häufig gemischte Gefühle aus. Bei Christine Werzner war das auch so, als ihr im Oktober vergangenen Jahres ein Schreiben des Chemnitzer Landgerichtes ins Haus flatterte. Sein Inhalt war für die Erzgebirgerin allerdings erfreulich: Matthias Ries-Wolff, Richter am Landgericht, schlug der Modedesignerin vor, im Rahmen des Projektes "Kunst und Justiz" eine Ausstellung mit ihren Arbeiten zu gestalten.

Das Projekt war 1992 vom sächsischen Justizministerium ins Leben gerufen worden, auch um die rund 100 Gerichtsbauten in Sachsen für Besucher interessant zu machen. "Ich befasse mich seit 20 Jahren mit Ausstellungen in unserem Haus, in dem jährlich mindestens eine, maximal drei solcher Präsentationen stattfinden. Gezeigt wird überwiegend bildende Kunst, unter anderem Grafiken und Aquarelle, aber auch Seidenmalerei, Quilts, Comics, Klöppelarbeiten und Fotos waren schon zu sehen", sagt Matthias Ries-Wolff. Von Christine Werzners Mode habe er über Mund-zu-Mund-Propaganda erfahren.

Sie nahm die Anfrage gern auf. Ab Dienstag sind rund 40 ausgewählte Modegrafiken, Zeichnungen und Aquarelle aus ihrem Fundus im Landgericht zu sehen. "Es sind Entwürfe der vergangenen drei Jahrzehnte, aus denen Kleider entstanden, die bei internationalen Modemessen gezeigt und später produziert wurden", so Werzner. Einige der Kleidungsstücke zeigt die gelernte Herrenmaßschneiderin und diplomierte Modedesignerin ausschließlich zur Ausstellungseröffnung. Für Aufsehen dürfte dabei ein Kleid aus Glas sorgen, das zwar bereits 2015 entstanden ist, seither aber nur einige wenige Male gezeigt wurde. Bei einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenen Wettbewerb ging es darum, Mode aus innovativen Werkstoffen, die sonst in der Automobilindustrie verwendet werden, zu kreieren, so Werzner. Sie liebt es zu experimentieren, auszuprobieren und nach Außergewöhnlichem zu suchen. "Bei dem Wettbewerb konnte ich meiner Kreativität freien Lauf lassen", erinnert sie sich. Nach Versuchen mit anderen zur Verfügung gestellten Werkstoffen fiel ihre Wahl auf das anspruchsvoll zu handhabende Glas.

Das Kleid samt Hut aus glänzender Glasfaser in Kombination mit dem durchscheinenden Stoff Organza sei fast wie eine weiblich geformte Skulptur, so die Designerin. Tragbar sei es jedoch nur sehr eingeschränkt, so Christine Werzner. Es wäre zu schwer. Für die Verarbeitung des sonst als Wärme- und Dämmmaterial eingesetzten Werkstoffs griff sie nach einigen Fehlversuchen auf einen selbst hergestellten Klebstoff zurück. Für das gläserne Kleid erhielt sie einen Ersten Preis, der Christine Werzner sehr stolz macht, denn es gab rund 300 Bewerbungen aus der ganzen Welt. Warum das Glaskleid und weitere Stücke nur am Eröffnungstag zu sehen sind? Sie würden ungeschützt ausgestellt werden. Jeder könnte sie anfassen. Dafür seien die Stücke zu kostbar, so Werzner.

Mode und Justiz, das stellt für Matthias Ries-Wolff keinen Widerspruch dar. "Schließlich lebt niemand wie Robinson, sodass auch im Landgericht jeder bekleidet herumläuft. Mode ist also auch hier ein alltägliches Thema", so der Jurist. Relativ sicher ist, dass die Arbeiten von Christine Werzner von einem breiten Publikum gesehen werden, denn Besucher werden quasi von Amts wegen vorgeladen.

Die Ausstellung "Modegrafiken aus drei Jahrzehnten" wird am Dienstag, 13.30 Uhr, in der ehemaligen Cafeteria im Landgericht, Hohe Straße 19/23, eröffnet. Bis 2. März ist sie Montag bis Donnerstag, 8.30 Uhr bis 15.15 Uhr; Freitag, 8.30 Uhr bis 13 Uhr, zu sehen.

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