Warum ein Orchester fürs Spielen spart

Zwei große Konzerte gibt das Sächsische Sinfonieorchester pro Jahr in der Stadthalle. Um an diesem Ort auf- treten zu können, muss es sich allerdings einiges einfallen lassen.

Noch konnten Liebhaber von Konzerten mit Musik von Komponisten, wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Frederic Chopin und Ludwig van Beethoven, beim Auftritt des Sächsischen Sinfonieorchesters für maximal 13,20 Euro dabei sein. Ob es so bleiben kann, wird seitens des als gemeinnütziger Verein organisierten Klangkörpers derzeit allerdings bezweifelt.

Wie Vorstands- und Ensemblemitglied Daisy Nestler erklärt, werde es wohl nicht ohne eine Preiserhöhung für die nächsten Konzerte in der Stadthalle gehen. Grund dafür sei nicht zuletzt auch, dass die Mieten und Fixkosten für den Auftritt in der Stadthalle über die Jahre hinweg immer wieder gestiegen sind. Das müsse, so Nestler, irgendwann seitens der Eintrittspreise für die Konzerte kompensiert werden. Allerdings, so verspricht die Vorstandschefin des Vereins, dessen Geschichte mindestens bis in die späten 1940er-Jahre zurückreicht, soll es eine moderate Steigerung sein. Wie hoch genau sie ausfallen wird, ist laut Nestler noch nicht geklärt. Allerdings wolle der Verein es beibehalten, bestimmte Reihen für sozial Benachteiligte zu Sonderpreisen anzubieten, die derzeit bei 3 Euro pro Karte liegen.

Bislang erhält der Verein zwar eine Förderung von der Stadt. Doch die sei, wie die Vereinsvorstands-Chefin sagt, nicht ausreichend, um die Stadthalle für die beiden Konzerte, die das Ensemble jeweils jährlich im Frühjahr und Herbst dort gibt, zu mieten. "Hier müssen wir schon eigene Mittel beisteuern", so Nestler. Deshalb sei es allen gegenwärtig 72 Ensemblemitgliedern wichtig, dass zu den Auftritten auch genügend Publikum kommt. Und das geschehe nur, wenn das Orchester eine entsprechend hohe musikalische Qualität bietet.

Dass der Klangkörper bisher in seiner musikalischen Entwicklung offenbar richtig liegt, zeigt laut Nestler auch die Anzahl der Besucher zum Frühjahrskonzert. Mehr als 1100 Gäste wollten den Auftritt des Ensembles vergangenes Wochenende sehen und spendeten minutenlang Beifall. Als die Konzerte einst in der Stadthalle ihre Premiere hatten, kamen laut Nestler etwa 400 Gäste. Und so können die eingespielten Einnahmen nicht nur in das anstehende Konzert im Herbst, sondern auch in die Entwicklung des Orchesters und die Nutzung des Probenraums in der Stadthalle reinvestiert werden, der, wie Nestler sagt, einst extra auch für Ensembles, wie das Sinfonieorchester, dass sich aus sogenannten Laienmusikern zusammensetzt, gebaut wurde. Damit das Orchester auch weiterhin auf dem erreichten Niveau Konzerte geben kann, will es sich auch in nächster Zeit der musikalischen Führung durch Andreas Grohmann bedienen, der für die künstlerische Leitung zuständig ist. Aber nicht nur das. Denn wie Daisy Nestler sagt, habe er dem Orchester auch einen ganz eigenen und unverwechselbaren Klang gegeben.

Das Ensemble, das jeweils Mittwochabend, von 19 bis 22 Uhr, in der Stadthalle probt und sich aus, wie Nestler erklärt, engagierten Hobby-Musikern im Alter zwischen 18 und 80 Jahren aus Chemnitz sowie Städten, wie Dresden und Gemeinden im Erzgebirge, zusammensetzt, sucht stets auch neue Mitglieder. Für Interessenten sei der Einstieg über sogenannte Schnupper-Proben zu jeder Probe möglich. Auch die Tradition der internationalen Konzertreisen, die allerdings von den Vereinsmitgliedern mitfinanziert und für die im Verein auch Gelder angespart werden, soll beibehalten werden. Derzeit wird über Ziele in Tirol und in Kroatien diskutiert. Auch ein Wandertag, eine Weihnachtsfeier und ein Grillfest gehören zum Vereinsleben. Am 29. Oktober initiiert das Ensemble gemeinsam mit dem Seniorenkolleg der TU Chemnitz eine Veranstaltung unter dem Motto "Musikalische Begegnungen", ein Tag zum Einblick in Orchester- und Musikwelt für alle Generationen in der Stadthalle.

Die beruflich als Wissenschaftlerin mit Stiftungsprofessur tätige Vereins-Chefin ist zurzeit auch auf der Suche nach einem Nachfolger. Denn ihre Vorstandsarbeit hat sie seit der Gründung als Vereins 1991 inne und würde nun gern einem Generationswechsel entgegen sehen.

Das Herbstkonzert mit Carry Sass findet am 25. November um 17 Uhr, in der Stadthalle Chemnitz, Theaterstraße 3, statt. Der Vorverkauf der Karten dazu läuft bereits auch über den Verein.

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