Warum ein Radfahrer Laufschuhe braucht

Ein weltmeisterlicher Besuch, ein bierseliger Wettergott und einige gefährliche Petticoats.

Joachim Eilers und Stefan Bötticher, Weltmeister im Bahnradfahren, traten am Samstag in der "Spoorthschau" auf. Wieso das so komisch geschrieben wird? Weil es sich um eine Veranstaltung des Chemnitzer Unternehmens für Leistungsdiagnostik "Spoorth" handelt. Im Backsteinbau an der Kappler Drehe geben sich regelmäßig die erfolgreichen Athleten der Stadt die Klinke in die Hand - mal die Basketballer von den Niners, mal die Kicker vom Chemnitzer Fußballclub. Sie lassen von den Experten zuverlässige Bewegungsanalysen erstellen. Zum Tag der offenen Tür am Wochenende statteten nun die Bahnradsportler ihren Besuch ab. Während Joachim "Joe" Eilers ein wenig über Rio und das olympische Dorf plauderte, hatte Stefan Bötticher die beiden Medientechnik-Studenten Paul Knapp und Cornelius Otto sowie seinen sporttherapeutischen Betreuer Steffen Öhmichen vom Olympiastützpunkt mitgebracht. Gemeinsam stellten sie das gerade abgedrehte Bahnrad-Video "Back on Track" der Studenten aus Mittweida vor. Eigentlich wollte sich Joachim Eilers noch Laufschuhe anpassen lassen. Nicht, um das Rad für eine Aschenbahnkarriere an den Nagel zu hängen. Vielmehr will er mit zusätzlichem Lauftraining seine Muckis stärken. "Das Aussuchen der perfekt auf ihn abgestimmten Schuhe machen wir einfach nächste Woche", sagte Spoorth-Sprecher Stefan Reisz gestern.

Danny Szillat (Foto), Betreiber des Bierspezialitäten-Handels "Hopfenspeicher", hat es im dritten Anlauf geschafft: Er brachte Petrus endlich in Bierlaune. Schon zweimal hatte er in diesem Sommer zum Chemnitzer Craftbeer-Festival gebeten. Jedes Mal, wenn er im Innenhof am Getreidemarkt seine mehr als 50 verschiedenen Biersorten aufgebaut hatte, machte ihm das Wetter mit Regen, Sturm und Affenkälte einen Strich durch die Rechnung. Diesmal wurden er und die Mitorganisatoren Kevin Morris vom "Theaterclub" und Daniel Bartzschke vom Spirituosen-Handel "Bliedung" für ihren innerstädtischen Belebungsversuch belohnt. Mehr als 150 Fans außergewöhnlicher Biere saßen nachmittags bei Sonnenschein und abends bei lauem Lüftchen im Garten des Hopfenspeichers. Mit Einbruch der Chemnitzer Nachtruhe - psssst ab 22 Uhr! - zogen viele seiner Gäste in Szillats Rockladen "FlowPo" um.

André Bernert, Inhaber des Chemnitzer Friseurunternehmens Dietz Coiffeur, lüftete am Wochenende den Vorhang. Damit gab er den Blick auf eine der Styling-Lounges frei, die während der Modenächte in der Innenstadt am Freitag und Samstag regelrecht überrannt wurden. In der Galerie Roter Turm und auf dem Düsseldorfer Platz hatten Bernert und andere Chemnitzer Friseurbedarf- und Kosmetikunternehmer mobile Pflegestudios aufgebaut. Da würde geföhnt, gelockt, gecremt und gesprayt. "Kaum hatten die ersten Mutigen am Freitag in den Verwöhnsesseln Platz genommen, strömten immer mehr Neugierige herbei", freute sich Bernert. Ziemlich geschäftstüchtig hatte er seine Lieferanten zur Verlosung teurer Glätteisen, Bürsten und Pflegemittel überredet, die er per Losverfahren unter das Chemnitzer Publikum brachte. Glänzender Abschluss der diesjährigen Modenächte war eine Udo-Jürgens-Hommage des Chemnitzer Musikers Martin Schmitt. Veranstaltungsorganisator Sven Hertwig: "Die Stimmung war sehr bewegend. Als das Lied 'Griechischer Wein' angestimmt wurde, hätten wir Taschentücher verteilen sollen." Hertwig schätzt, dass die diesjährigen Modenächte ungefähr 80.000 Besucher hatten.

Andreas Gersdorf (Foto), Direktor des André-Gymnasiums, muss in den kommenden Wochen auf einige seiner Schüler verzichten. Denn die befinden sich auf dem Weg nach Indonesien. "Blau" machen sie natürlich nicht. Der Besuch erfolgt im Rahmen der Schulpartnerschaft zwischen dem Chemnitzer Gymnasium und der Yari-Schule in Padang. 21 Schüler aus den neunten und zehnten Klassen und zwei Lehrer verbringen bis Ende September das Leben in indonesischen Gastfamilien, gesprochen wird Englisch. Aufgenommen werden die Schüler wie Promis. Vom Bildungsminister, dem Gouverneur und den Oberbürgermeistern von Sumatra und Padang flatterten Einladungen rein. Geplant sind Ausflüge auf Tee- und Zuckerrohrplantagen, aber auch auf Mülldeponien, um über deren Folgen für Mensch und Umwelt zu diskutieren.

Christoph Dittrich (Foto), Generalintendant des Theaters, hätte sich am Samstag zerteilen können. Im Schauspielhaus war Auftaktparty zur neuen Saison, im Opernhaus zeitgleich Premiere der Tanzrevue "Lampenfieber". Dittrich stattete beiden Häusern einen Besuch ab, mischte sich abends unter die Gäste im Opernhaus. Im Publikum: der langjährige Universitätsrektor Klaus-Jürgen Matthes mit seiner Frau, die Kunstförderer Sonja und Jürgen Oehlschläger und Künstler Rolf Lieberknecht. In der Revue musste die Ballettkompanie an Tänze wie Charleston, Tango und Rock 'n' Roll ran - Stürze blieben zum Glück aus, obwohl die Ballerinas nicht nur einmal mit ihren Hacken im Petticoat hängenblieben.

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