Warum eine Stromtrasse umstritten ist

Gemeinderäte von Hartmannsdorf und Mühlau fordern Erdverkabelung statt Freileitung - 110-Kilovolt-Leitung soll entlang Autobahn führen

Mühlau/Hartmannsdorf.

Ein Netzbetreiber will eine neue Starkstromleitung bauen. Bei einem Planverfahren konnten Anwohner und Kommunen ihre Meinung äußern. "Freie Presse" fasst wichtige Antworten zusammen.

Seit sieben Jahren plant Mitnetz eine neue Stromtrasse. Warum wird noch nicht gebaut?

Bereits bei der Planung zur Raumordnung hat es eine Korrektur gegeben. 2014 hatten Anwohner des Burgstädter Ortsteils Göppersdorf protestiert, weil die Leitung Wohnhäuser, eine Kita und geschützte Landschaftsgebiete streift. Deshalb wurde der Korridor, in dem die Leitung errichtet wird, verändert, sagt Mitnetz-Projektleiter Andreas Franke. Netzbetreiber Mitnetz plant die Trasse im Auftrag von Versorger Envia-M.

Wie weit sind die Planungen?

Die Landesdirektion Sachsen hat ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren gestartet. Für vier Wochen lagen die Unterlagen in den betroffenen Kommunen wie Mühlau, Hartmannsdorf und Limbach-Oberfrohna aus. Einwände und Stellungnahmen wurden in den örtlichen Gremien behandelt.

Welche Einwände gibt es in Mühlau?

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Mittwoch folgende Punkte erörtert: Statt einer Freileitung zwischen den Masten 12 und 19 sollte eine Erdverkabelung stattfinden. Außerdem sollte bei nötigen Baumfällungen die Baumschutzsatzung beachtet werden. Nötige Abstände der Masten zum Mühlau-Bach sollen berücksichtigt werden.

Welche Bedenken hat der Gemeinderat Hartmannsdorf?

Die Gemeinde Hartmannsdorf billigt das Vorhaben nur, wenn die Stromleitung auf dem Territorium komplett unterirdisch verlegt wird. So hatte Gemeinderat Andreas Wünsch vor allem Erdkabel für die Goethe-Siedlung gefordert. Bürgermeister Uwe Weinert sagte, dass bei den Planungen die Mindestabstände zur Wohnbebauung eingehalten würden.

Was sagt Limbach-Oberfrohna zu den Planungen?

Limbach-Oberfrohna wird kaum von der Stromtrasse berührt. Der Stadtrat nannte als Vorteile der neuen Planungen, dass keine Wohnbauflächen der Stadt berührt, keine überregional bedeutsamen Vogelrastgebiete gequert und vorbelastete Räume genutzt werden. Positiv sei auch, dass eine Trassenbündelung mit der Autobahn erfolge. Lediglich an einem Mast in Kändler müssten neue Vogelschutzarmaturen angebracht werden.

Welche Bedenken werden noch überall angesprochen?

Es sollen Nachweise erbracht werden, dass durch die Starkstromleitung keine negativen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur zu erwarten sind. Das Landschaftsbild soll nicht beeinträchtigt werden. Außerdem werden Havarien durch Stürme befürchtet. Für nötige Ausgleichsflächen für die Trasse soll kein Bauland verwendet werden.

Welche Forderungen hat eine Bürgerinitiative in Tauscha?

Seit zwei Jahren setzt sich eine Bürgerinitiative mit Sprecher Helmar Biering für eine generelle Erdverkabelung ein. Zur Sitzung in Mühlau sagte Biering, dass eine Erdverkabelung nicht generell teurer als eine Freileitung sei. Er übergab eine Kostenrechnung der Gemeinde. Nach seiner Meinung wird mit der Planung gegen mehrere Gesetze verstoßen, so gegen das Grundgesetz.

Ist es realistisch, dass eine Erdverkabelung kommt?

"Wir haben in das Verfahren eine Freileitungs- und eine Erdkabelvariante für den gesamten Verlauf eingebracht", sagt Mitnetz-Sprecher Stefan Buscher. Außerdem habe sich sein Unternehmen auf eine mögliche Teilerdverkabelung vorbereitet. Nun sei es Sache der Landesdirektion, über die technische Ausführung und den endgültigen Trassenverlauf zu entscheiden. Die Landesbehörde prüft die Einwände. Sind sie berechtigt, muss Mitnetz die Pläne nachbessern.

Wann wird mit einem Baurecht gerechnet?

Etwa ein Jahr dauert es, bis ein Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist. Erst dann besteht Baurecht. Länger könnte es dauern, wenn gegen die Pläne geklagt wird. Deshalb hält sich die Landesbehörde bedeckt, was Zeitabläufe betrifft.

Landeigentümer müssen Flächen abgeben. Werden die Besitzer entschädigt?

Eine Mühlauerin hatte sich beklagt, dass etwa die Hälfte ihres Grundstücks durch Strommasten verschandelt werde. Bisher habe sie kein Angebot für eine Entschädigung erhalten. Mitnetz bestätigt, dass es Entschädigungen gibt. Die Verhandlungen sollen ab Baurecht geführt werden, heißt es. (tür/bj)

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