Warum es in Burgstädt mehr junge Kriminelle als im Kreis gibt

Während die Anzahl der Straftaten in Mittelsachsen steigt, ist in der Kleinstadt das Gegenteil der Fall. Jedoch ist ein Drittel der Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre alt.

Die Lage: Polizeirevierleiter Jens Rödel schätzt ein, dass Burgstädt eine der sichersten Städte in Sachsen ist. Das drücke sich auch in der Polizeistatistik 2018 aus. Die Anzahl der Straftaten ging im Vergleich zum Vorjahr von 536 auf 501 zurück. Das liege auch an der sehr guten präventiven Arbeit durch drei Bürgerpolizisten, die für Burgstädt, Taura, Mühlau und Hartmannsdorf zuständig sind. Regelmäßig finden in den Orten Sprechstunden statt. "Allen Skeptikern zum Trotz war die Polizeireform für Burgstädt eine gute Entscheidung", sagte Rödel bei der Vorstellung der Polizeistatistik. Mit der Polizeireform war das Polizeirevier Burgstädt aufgelöst worden. Eine Anlaufstelle verblieb im Gebäude am Brühl, wo später die Berufsschule des Don-Bosco-Jugendwerkes einzog. Kritiker hatten in den Anfangsjahren mehr Polizeipräsenz gefordert, auch weil Beamte erst aus Rochlitz kommen müssen, wenn sie in Burgstädt angefordert werden.

Deutliche Rückgänge verzeichnet die Polizei bei Vermögens- und Fälschungsdelikten, wozu vor allem Betrügereien aller Art zählen. Wurden 2017 insgesamt 80 solcher Delikte gezählt, so waren es ein Jahr später nur noch 71. Die Aufklärung lag bei 91,5 Prozent. Aber auch die Wirtschaftskriminalität ist rückläufig. Elf Fälle wurden 2017 angezeigt, 2018 waren es drei. Rückläufig sind auch die Fälle von Sachbeschädigungen von 187 auf 174. Allerdings verdoppelten sich dabei die Graffiti-Schmierereien von 7 auf 14.

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Leichte Zuwächse sind bei Diebstählen festzustellen. Wurden 2017 insgesamt 143 registriert, so waren es ein Jahr später fünf mehr. Burgstädts Bürgermeister Lars Naumann nennt als mögliche Gründe die vielen Einkaufsmöglichkeiten. Beim Diebstahl ohne erschwerende Umstände ist ein Anstieg von 84 auf 94 zu verzeichnen. Dazu gehört auch der Ladendiebstahl. Die Anzahl der Delikte erhöhte sich von 25 auf 42. Auch viele Bewohner aus den Dörfern kaufen in Burgstädt ein, so Polizeirevierleiter Rödel. Zudem sei Burgstädt mit der Anbindung an Bus und Bahn sowie die A 72 und B 95 sehr zentral gelegen. Die Aufklärungsquote bei Diebstahl liegt bei etwa 45 Prozent. Wurden 2017 drei Diebstähle aus Autos registriert, so waren es im darauffolgenden Jahr nur noch zwei.

Die Anzahl der Wohnungseinbrüche ist in Burgstädt rückläufig, sagt Revierleiter Rödel. 15 Anzeigen wurden 2017 aufgenommen, zwölf waren es im darauffolgenden Jahr. Er appelliert an die Einwohner, bei Beobachtungen in der Nachbarschaft rechtzeitig die Polizei zu informieren. Da sei auch Zivilcourage gefragt, so bei Einbrüchen in Gartenlauben und Eigenheimsiedlungen. Im Landkreis Mittelsachsen sind im Vergleich zum Vorjahr die Fallzahlen um neun auf nun 141 leicht gestiegen. Bei 59 Fällen davon handelt es sich um Tageswohneinbrüche. Die Aufklärungsquote liegt in Mittelsachsen bei 31,2 Prozent.

Die Jugendkriminalität ist im Vergleich zu anderen Orten in der Region hoch. Das spiegelt sich an der Zusammensetzung der Tatverdächtigen wider. Von den 272 Tatverdächtigen sind 33,1 Prozent Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. 2017 waren es noch 31,8 Prozent. Vor allem die Anzahl der Jugendlichen, also die straffälligen 14- bis unter 18-Jährigen, steigt von 43 auf 56. Das ist Anteil an den Gesamt-Tatverdächtigen von 20,6 Prozent. "Das liegt an der hohen Konzentration von Jugendlichen in der Stadt", sagt Rödel. Denn es gebe viele überregionale Bildungseinrichtungen wie Don-Bosco-Berufsschule, Oberschule, Gymnasium, Berufsschulzentrum und andere Einrichtungen. Im Vergleich: In Mittelsachsen liegt der Anteil der jugendlichen Straftäter bei 9,2 Prozent und in Sachsen bei 8,1 Prozent, erläutert Polizeisprecher Andrzej Rydzik.

Personen ohne deutschen Pass machten 2018 in Burgstädt 16,5 Prozent aller Tatverdächtigen aus. 2017 betrug der Anteil noch 12,1 Prozent. Dabei handle es sich um Asylbewerber, aber auch Bürger aus osteuropäischen Ländern beispielsweise.

Die Rauschgiftkriminalität ist leicht steigend, von 24 auf 29 Delikte. "Das liegt auch an den stärkeren Kontrollen", sagt Rödel. Nachdem der Bahnhof, der Parkplatz vor dem Kaufland an der Mittweidaer Straße und der Wettinhain als sogenannte gefährliche Orte eingestuft wurden, finden dort auch ohne Anlass Polizeikontrollen statt. Der überwiegende Teil der Taten entfällt auf allgemeine Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Im Landkreis gingen die Verstöße mittels Crystal zurück, die mittels Cannabis und dessen Zubereitungen nahmen indes zu. Es gab allerdings einen Drogentoten. "Die Rauschgiftkriminalität bewegt sich im Landkreis auf dem Niveau des Vorjahres", schätzt Polizeipräsidentin Sonja Penzel ein. Polizei und gesellschaftliche Kräfte seien gefordert. Denn Rauschgiftkriminalität wirke sich auf andere Bereiche aus. Beschaffungskriminalität sei oftmals auch Diebstahlskriminalität. 2018 wurden in Mittelsachsen 186 Diebstähle und zehn Raubhandlungen durch Konsumenten harter Drogen begangen.

Bei der Gewaltkriminalität sind leichte Zuwächse in Burgstädt zu verzeichnen: von 11 auf 18 Delikte. Die Aufklärung liegt bei 90 Prozent. Die statistische Auswertung ist ähnlich der des Landkreises: Bei der Gewaltkriminalität wurden im vergangenen Jahr in Mittelsachsen 335 Taten und somit zehn mehr als im Vorjahr registriert.

Bei Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Selbstbestimmung ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. 85 waren es 2018 und im Jahr davor 88. Hingegen hat sich die Anzahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von sechs auf zehn erhöht. Die Anzahl der Körperverletzungen lag in beiden Jahren bei 60. Damit schneidet Burgstädt besser als der Landkreis ab. In Mittelsachsen ist ein Anstieg der Straftaten zu verzeichnen. Das resultiert aus einem Anstieg der Fälle von Pornografie-Verbreitung und sexuellem Missbrauch von Kindern.

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