Warum in Burgstädt weniger Raser ertappt werden

Knapp 8000 Euro hat das Ordnungsamt 2018 wegen Tempoverstößen eingenommen. Das ist weniger als die Hälfte des Vorjahres. Trotzdem hält die Stadt an den Standorten fest.

Burgstädt.

Wer nach Burgstädt von der Autobahn kommt, muss seit Ende 2017 Umwege fahren. Denn der Freistaat lässt für rund eine Million Euro die Brücke über den Brauselochbach an der Chemnitzer Straße erneuern. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr gibt den Termin der Fertigstellung mit Juli 2019 an - etwa ein Dreivierteljahr später als geplant, weil es Bauprobleme gab, heißt es. Autofahrer haben sich auf Umleitungen eingerichtet. Doch die Straßensperrung hat auch Auswirkungen auf den Geldbeutel der Autofahrer und Stadtkasse.

Denn die städtischen Blitzanlagen haben im vergangenen Jahr weniger ausgelöst als in den Vorjahren. "Vor allem der Durchgangsverkehr auf der Göppersdorfer Straße ist zurückgegangen", sagt Ordnungsamtschefin Cornelia Müller. Im Jahr 2017 wurden an der dortigen Schwenkmessanlage vor der Goetheschule 385 Tempoverstöße gemessen, im vorigen Jahr waren es 84 Verstöße. Dies habe dann unmittelbar auch Auswirkungen auf die Höhe der Einnahmen. Insgesamt nahm die Stadt 2018 knapp 8000 Euro aus Verwarn- und Bußgeldern (406 Verstöße) ein. Im Vorjahr waren es noch 17.000 Euro aus 858 Verstößen.

Nicht nur auf der Göppersdorfer Straße werden weniger Raser ertappt. Insgesamt betreibt die Stadt seit November 2013 drei stationäre Blitzer. Seit Messbeginn nahm die Stadt reichlich 131.000 Euro aus Buß- und Verwarngeldern ein. Die Anzahl der Tempoverstöße sei rückläufig, fügt Müller hinzu. Sie führt den Rückgang auch auf das Fahrverhalten zurück. Die meisten würden ihr Tempo drosseln und die zulässige Höchstgeschwindigkeit einhalten. So sei die Anzahl der Verstöße auf der Goethestraße stadtauswärts im Vergleich zum Vorjahr von 420 auf 270 zurückgegangen. Die Anzahl der Überschreitungen stadteinwärts sei nahezu gleichbleibend.

In der Statistik ist nachzulesen, dass es aber jedes Jahr Raser gibt. Spitzenreiter ist ein Autofahrer, der nachts im August 2015 mit Tempo 103 auf der Goethestraße stadtauswärts geblitzt wurde. Erlaubt sind dort 50 Kilometer pro Stunde. In der jüngsten Statistik gibt es solche großen Überschreitungen nicht mehr. Am 21. Mai 2018 fuhr dort ein Autofahrer mit Tempo 86 vorbei. Am 16. Februar 2018 befuhr ein Autofahrer die Göppersdorfer Straße stadtauswärts mit Tempo 56. Erlaubt sind dort 30 Kilometer pro Stunde.

Die Ordnungsamtsleiterin erklärt: "Die Anlagen stellen aber primär keine Einnahmequelle dar, sondern sie dienen präventiv der Verkehrserziehung." Deshalb plant die Stadt auch keinen Rückbau oder eine Veränderung der Standorte der Blitzer. Sie ist sogar noch einen Schritt weitergegangen. Als im November 2018 ein Fünfjahresvertrag mit der Firma Jenoptik Robot aus Nordrhein-Westfalen endete, beschloss der Stadtrat, die Technik abzukaufen. Die Firma war aus wirtschaftlichen Gründen nicht bereit gewesen, den Vertrag zu verlängern oder die Blitzer auf Mietbasis weiterzubetreiben, sagt Müller. Die erzieherische, verkehrsregulierende Wirkung für Autofahrer soll weiterhin bestehen bleiben, hieß es im Stadtrat. Für 30.000 Euro wurden die stationären Anlagen gekauft. Die gebrauchten Anlagen sollen neu zwischen 60.000 und 70.000 Euro gekostet haben. Aufgrund des Rückgangs der Einnahmen werde man die Blitzer nicht abbauen, so Müller.

Doch in Burgstädt wird noch an anderen Stellen geblitzt. Der Landkreis betreibt seit 2017 zwei stationäre Messanlagen an der Mittweidaer und Chemnitzer Straße. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 11.608 Tempoverstöße registriert, sagt ein Sprecher des Landratsamtes. Eine Vergleichszahl zu 2017 gibt es nicht, weil die Anlagen zu unterschiedlichen Zeiten in Betrieb gingen, heißt es aus der Behörde. Doch der Landkreissprecher bestätigt, dass auf beiden Straßen die Verstöße rückläufig sind.

Im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres 2018 ist ein Rückgang in den übrigen Monaten um etwa 40 bis 50 Prozent zu verzeichnen. Gründe hierfür gibt er nicht an. Aber Experten sehen einen ähnlichen Effekt wie auf der Göppersdorfer und Goethestraße: Mit Bekanntheitsgrad der Standorte stellten sich die Autofahrer auf die Blitzerfallen ein. Zudem sei der Autoverkehr auf der Chemnitzer Straße durch den Brückenbau drastisch zurückgegangen.

Bewertung des Artikels: Ø 1 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...