Warum in der Stadtkirche ein neuer Anstrich nötig ist

Damit das Gotteshaus wieder vorzeigbar ist, arbeiteten Gemeinde- mitglieder und Maler zusammen. Dass die Farbe zuvor blätterte, hat mit der Heizung zu tun.

Limbach-Oberfrohna.

Als 2016 der Tag der Sachsen in Limbach-Oberfrohna stattfand, hatte auch die Kirchgemeinde Limbach-Kändler ein Programm erarbeitet. Unter dem Motto "Ich flieg auf Kirche", das an das 2009 im Kirchendach gelandete Auto angelehnt war, gab es viel Musik und Informationen zu geistlichen Themen. Damals waren großflächige Plakate im Kirchenschiff aufgehängt worden. Heute räumt Pfarrer Andreas Vögler ein, dass die Plakate auch noch einen anderen Zweck hatten: Sie sollten verdecken, dass in vielen Bereichen des Innenraums die Farbe abblätterte.

Betroffen waren die Emporen. Genau wie die Pfeiler, die diese tragen, bestehen sie aus Holz und prägen maßgeblich das klassizistische Erscheinungsbild der Kirche. Umso ärgerlicher war es für die Gemeinde, dass die pastellweiße Farbe Schäden aufwies. "Wie ein Experte feststellte, hatte sich der Grundanstrich nicht richtig mit dem Holz verbunden", erklärt Vögler. Doch warum trat der Mangel erst Jahrzehnte nach der bisher letzten Renovierung in den 1970er-Jahren auf, als auch der Anstrich erneuert worden war? "Wegen der Fußbodenheizung", sagt der Pfarrer und deutet auf den Boden. Diese wurde Mitte der 2000er-Jahre eingebaut, weil zuvor in der Kirche ein feuchtes Klima herrschte. Dieses Problem wurde durch die Heizung behoben, doch die Farbe vertrug die nun deutlich trockenere Luft offensichtlich nicht.

Ursprünglich war es das Ziel der Kirchgemeinde, die Schäden schon vor dem Tag der Sachsen zu beheben. Doch laut Vögler mussten zunächst Absprachen mit dem Denkmalschutz getroffen werden, auch die Finanzierung erwies sich als Herausforderung. Schließlich war klar: An den Pfeilern und der ersten Empore müssen jeweils alle drei Farbschichten runter. Anfang dieses Jahres begannen die Arbeiten. Obwohl anstrengende Tätigkeiten gefragt waren, halfen viele der knapp 2500Gemeindemitglieder mit. Sie erwärmten die Farbe mit Heißluftpistolen, um sie anschließend mit einem Spachtel zu entfernen. "Das war eine Hitze und ein Gestank", erinnert sich Vögler. Die Gläubigen brachten sich nicht nur handwerklich ein, sondern spendeten auch insgesamt 40.000 Euro. Damit konnte ein Großteil der Kosten in Höhe von 70.000 Euro gedeckt werden. 10.000Euro steuert laut einem Ratsbeschluss die Stadtverwaltung bei. Vögler hofft, den Rest der Kosten aus Denkmalschutz-Fördertöpfen decken zu können.

Das Aufbringen der neuen Farbe übernahm dann eine Malerfirma - nach Absprachen mit einem Restaurator und den Denkmalschutzbehörden, damit der Charakter der Kirche erhalten bleibt. Zugleich wurden Risse im Holz gekittet. Nachdem die Gottesdienste vorübergehend in das benachbarte Gemeindezentrum verlegt werden mussten, ist die Kirche inzwischen wieder nutzbar. Nur an der zweiten Empore und an der Kanzel über dem Altar wurde der Anstrich bislang nicht erneuert. Man muss aber genau hinsehen, um den Unterschied zu erkennen, da die Farbe an jenen Stellen kaum abblättert. "Warum das so ist, weiß man nicht genau", sagt Vögler. Aus seiner Sicht ist der Handlungsbedarf nicht so groß, dass die Kirchgemeinde sofort die Restaurierung fortsetzen müsste.

Ein anderes Projekt hat für die Kirchgemeinde Priorität: Die evangelische Kita an der Lutherstraße soll einen Anbau erhalten. Die Planung befindet sich noch ganz am Anfang. Hier seien die Möglichkeiten der Gemeindemitglieder trotz ihres großen Engagements begrenzt, sagt Vögler und lacht. "Allein einen Kindergarten bauen können selbst wir nicht."


Denkmalgeschützter Bau

Die Stadtkirche ist das älteste Gotteshaus in Limbach-Oberfrohna. Die Existenz einer Kapelle ist erstmals im Jahr 1346 nachweisbar. 1511, kurz vor der Reformation, wurde mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen. Die heute vergleichsweise schlichte Saalkirche änderte im Laufe der Jahrhunderte mehrmals ihr Aussehen. So wurde sie 1811 nicht nur erweitert; nachdem sie zuvor durch eine barocke Ausstattung geprägt war, erhielt sie damals das klassizistische Aussehen. Seit 1939 steht die Stadtkirche unter Denkmalschutz.

Die nächste Gelegenheit, die dank der Emporen knapp 400 Personen fassende Kirche zu besichtigen, besteht am Sonntag ab 9.30 Uhr. Dann findet unter dem Motto "Neu leben" ein moderner Gottesdienst statt. (jop)

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