Warum in Harthau ein neuer Spielplatz-Standort gesucht wird

Erst vor wenigen Tagen hat der Stadtrat die neue Chemnitzer Spielplatz-Konzeption beschlossen. Doch in einem Stadtteil gibt es schon wieder Änderungswünsche.

Harthau.

Die zeitliche Koordinierung, neudeutsch das Timing, könnte besser sein. Erst Ende September hat der Stadtrat die aktualisierte Chemnitzer Spielplatz-Konzeption beschlossen, die bis zum Jahr 2025 umgesetzt werden soll. Für Harthau ist darin vorgesehen, den Erhalt des vorhandenen Spielplatzes am ehemaligen Johanneum am sogenannten Stifterwald zu prüfen. In der vorangegangenen, 2014 beschlossenen Konzeption war noch vorgesehen, auf diesem Spielplatz keine beschädigten Geräte mehr zu ersetzen und ihn auslaufen zu lassen.

Doch auch in Harthau hat die Anzahl der Kinder und Jugendlichen wider Erwarten zuletzt wieder zugenommen. Genau 289 bis zu Zwölfjährige und 76 13- bis 15-Jährige waren dort laut Stadtverwaltung Ende vergangenen Jahres gemeldet- daswaren 34 Kinder und 14Teenager mehr als fünf Jahre zuvor. Der Spielplatz am Stifterwald ist laut dem dafür zuständigen Grünflächenamt aber vorrangig auf 12- bis 16-jährige Nutzer ausgerichtet, für Jüngere fehle derzeit ein öffentliches Angebot im Stadtteil. Deshalb hatte das Amt vorgeschlagen, den Standort und die Ausrichtung des Spielplatzes zu prüfen. Potenzial für neue Anlagen, wie beispielsweise einen Waldspielplatz oder einen Naturlehrpfad, sieht es aber ebenfalls im Stifterwald. Der Stadtrat stimmte dem zu.

Doch Andreas Grundig, Diakon und Leiter des von der Lutherkirchgemeinde Harthau getragenen Kinder- und Jugendtreffs "Zur alten Wanne", ist anderer Meinung. "Für die jüngeren Kinder wäre ein zentral im Ort gelegener Spielplatz besser", sagt er. Denn der Stifterwald sei vom Ort relativ abgelegen. Um dort hinzukommen, müssten die Kinder nicht nur einen längeren Fußmarsch auf sich nehmen, sondern auch die viel befahrene Bundesstraße 95 überqueren. "Für Größere ab 13 Jahre ist der abgelegene Bolzplatz mit der Tischtennisplatte okay, für Jüngere ist er nicht so günstig", sagt Grundig. Seine Idee war es deshalb, im Zuge der derzeit in Harthau laufenden Bauarbeiten für besseren Hochwasserschutz an der Würschnitz gleich noch den Platz vor dem Kinder- und Jugendtreff an der Stöcklstraße als Treffpunkt der Generationen neu zu gestalten: mit Bänken für Großeltern und Spielgeräten für die Enkel.

Das hätte aus seiner Sicht mehrere Vorteile gehabt: Im Kinder- und Jugendtreff in der früheren Mittelschule gibt es Toiletten und ein Imbissangebot. Während der Öffnungszeiten hätten die Kinder Ansprechpersonen vor Ort, und außerdem könnte der Treff eine Patenschaft über den Spielplatz übernehmen, wie das vom Grünflächenamt derzeit für möglichst viele Spielplätze in Chemnitz angestrebt wird. Da die City-Bahn und der Bus in der Nähe halten, wäre der Spielplatz auch für Kinder und Eltern, die weiter entfernt wohnen, gut zu erreichen.

Um auch die Stadtverwaltung für seine Idee zu gewinnen, suchte sich der Diakon zunächst Verbündete. Er bat Stadträte um Unterstützung und lud seit dem Sommer zu mehreren Bürgergesprächen ein. Daran teilgenommen hätten unter anderen etwa zehn Eltern sowie die Leiterin der Grundschule Harthau, Ursula Richter, berichtet Andreas Grundig. Geendet hätten die Gespräche allerdings zuletzt mit einer Enttäuschung. Denn es habe sich herausgestellt, dass die Grundschule bereits eigene Pläne für die städtische Fläche vor dem Kinder- und Jugendtreff hat, so der Leiter des Treffs. Deswegen wollen die Beteiligten jetzt eine Umfrage im Stadtteil starten, um einen anderen Standort zu finden, der sich für einen öffentlichen Kinderspielplatz eignet.

Die Linken im Stadtrat haben den Harthauern Unterstützung zugesagt. Denn deren Wunsch entspreche genau einem vom Stadtrat bestätigten Änderungsantrag der Linken zur Spielplatz-Konzeption, laut dem in jedem Stadtteil mindestens ein öffentlicher Spielplatz vorhanden sein soll. Die Linken erwarten, dass das Grünflächenamt schnellstmöglich einen Beteiligungstermin mit Kindern, Eltern und Mitarbeitern des Kinder- und Jugendtreffs zu dem Thema in Harthau veranstaltet.

Auch Andreas Wolf-Kather, Stadtrat der Volkssolidarität, will sich für das Anliegen der Harthauer einsetzen. "In Harthau fehlt nicht nur ein ordentlicher Spielplatz, sondern überhaupt ein Treffpunkt für die Einwohner", sagt er. Wegen schlechter Nahverkehrsanbindung kämen die Harthauer auch nicht schnell in Nachbarstadtteile. Laut Verwaltung gibt es in Harthau keine geeignete Fläche in städtischem Eigentum. Deshalb warte das Grünflächenamt auf die Standortvorschläge der Einwohner, erklärte die Pressestelle am Freitag.

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