Warum in Mittelsachsen Sirenen ohne Not erklingen

Was vor drei Jahren Premiere hatte, wurde jetzt erneut ausgeführt: der Probealarm. Doch diesmal war nicht nur der Ton ungewöhnlich. Es gab auch etwas Neues.

Burgstädt.

Als am Samstag um 11 Uhr die Sirene ertönte, haben einige Anwohner von Burgstädt ängstlich in den Himmel geschaut: "Brennt es schon wieder im Gewerbegebiet Mühlau?", war eine bange Frage. Einige fragten auch über Facebook an: Was ist hier los? Doch viele konnten sich beruhigt zurücklehnen. Es war Probealarm - im gesamten Landkreis Mittelsachsen. Immer am ersten Samstag im Mai kommen alle Sirenen des Landkreises auf den Prüfstand. Erstmals löste die neue Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) in Chemnitz den Probealarm aus. Damit wurden die Bürger für das Signal "Warnung der Bevölkerung" sensibilisiert. Dies besteht aus sechs Tönen von jeweils fünf Sekunden Dauer und fünf Sekunden Pause. Unterm Strich eine Minute Heulton.

Waren es zur Premiere 2016 noch 408 Sirenen in Mittelsachsen, ist deren Anzahl im Vorjahr laut Angaben des Landratsamtes auf 415 gestiegen. Betreiber der "Heulbojen" sind die lokalen Brandschutzbehörden. Laut sächsischem Gesetz über den Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz sind diese für Betrieb, Wartung und Sicherstellung der Alarmierung der öffentlichen Feuerwehren zuständig.


Seit Inbetriebnahme des neuen Alarmierungsnetzes im Jahr 2016 löst ein Funksignal per digitalem Steuerempfänger die Sirenen aus. Davor wurde auch noch per analoger Funktechnik ausgelöst, weshalb von "analogen Sirenen" die Rede war. Die Leitstelle alarmiert bei Notwendigkeit und nach Vorgabe der Brandschutzbehörden. Ob der Test überall reibungslos über die Bühne ging, steht erst im Laufe der Woche fest. Die Sirenen senden kein Signal zurück nach Chemnitz. "Wir erwarten Mitte/Ende Mai eine Rückmeldung aus den Kommunen", sagt ein Pressesprecher des Landratsamtes.

Eine Umfrage in der Burgstädter Region ergab: Überall ertönte der Probealarm. "Es hat bei uns alles tadellos funktioniert", sagte Jörg Voigt, Mühlauer Chef der Feuerwehr, die beim Brand im Gewerbegebiet im Dauereinsatz war. "Es ist ja über den Alarm genug informiert worden", fügt Burgstädts Wehrleiter Lars Döring hinzu. Selbst in Taura und Köthensdorf hat es geklappt, bestätigt Gemeindewehrleiter Marcel Kroll. "Beim ersten Versuch gab es flächendeckend Pannen", so Kroll. Bei Einführung des Signals vor drei Jahren hatte es in vielen Orten nicht geklappt, bestätigt der Kreissprecher. "Die Probleme lagen damals in den Leitstellen in Grimma und Freiberg", ergänzt er. Die Alarmadressen seien zwar korrekt versorgt worden, jedoch seien die falschen sogenannten Subcodes ausgelöst worden. Das habe dazu geführt, dass die Sirenen nicht auslösten, fügt er hinzu. Die Fehler seien mit Hilfe von Fachfirmen abgestellt worden.

Sirenen werden in Deutschland für die Alarmierung der Feuerwehren und zur Warnung der Bevölkerung eingesetzt, heißt es. Es sei Sache der Brandschutzbehörden, die Anzahl der Sirenen gegebenenfalls aufzustocken. Ob Mittelsachsen mit den Alarmhelfern über- oder unterversorgt ist,dazu äußerte sich der Landkreis nicht. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr werden heute digital per Funkmeldeempfänger und zusätzlich per Telefon alarmiert.

Soll auf einem Haus oder Grundstück eine Sirene errichtet werden, müssen deren Besitzer damit leben. Laut dem Brandschutzgesetz besteht im Freistaat eine Duldungspflicht zur Anbringung von Feuermelde- und Alarmeinrichtungen. "Es wird aber empfohlen, nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen", so der Kreis-Sprecher.

Sollte der eingetretene Schaden, über den die Bevölkerung per Sirene informiert wird, mit einem Stromausfall einhergehen, funktionieren nur noch die per Notstrom versorgten Melder. Wie viele der 415 mittelsächsischen Sirenen derart ausgestattet sind, darüber fehlt dem Landratsamt der Überblick, da die Brandschutzbehörden zuständig sind. Die örtlichen Angaben müssten für die Übersicht erfasst werden.

Die "Warnung der Bevölkerung" ist nicht das einzige Signal, welches Sirenen senden. Auch vor Feuer wird damit gewarnt, mit jeweils drei Tönen von je zwölf Sekunden Dauer mit zwölf Sekunden Pause. Zudem geht in der Region mittwochs ab 15 Uhr eine Signalprobe über die Bühne. Sie besteht aus einem zwölf Sekunden langen Ton.

Kommt es tatsächlich zu einem Ernstfall und das Signal "Warnung der Bevölkerung" ertönt, dann sollten Bürger ihr Radio einschalten und auf Durchsagen achten, heißt es. Beim Probealarm am Samstag wurde darauf verzichtet. (mit dahl)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    Nixnuzz
    07.05.2019

    Schön das wir mal drüber geredet haben - aber wer kennt noch die Signale und ihre Bedeutung? Nur noch Alt-Eingeweihte und die Feuerwehren? Wenn ich im Alarmfall erst googlen muss, um zu präzisieren was los ist, ist das was lang.. Die ich in NRW hatte, hab ich schon dort vor Jahren entsorgt als es hiess, man werde übers Radio dann informiert und die Anzahl der Sirenen aus dem Stadtbild verschwanden. Aber spätestens seit der Krim sieht das wohl anders aus..



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