Warum junge Leute in einem 300-Seelen-Dorf leben wollen

Eine Initiative organisiert in Krumbach Lauftreffs und verschiedene Feste. Die Mitstreiter haben spannende Biografien.

Krumbach.

Tina Mulholland ist im Lichtenauer Ortsteil Krumbach aufgewachsen. Doch eigentlich war die 37-Jährige selten daheim. "Ich war 13 Jahre lang auf der Langstrecke von Air Berlin Stewardess ", sagt die Krumbacherin. Da sei sie immer unterwegs gewesen, selten zu Hause. Als die Fluggesellschaft pleiteging, wechselte sie zu Germania. Als auch diese Insolvenz anmeldete, wurde die Flugbegleiterin arbeitslos und hatte mehr Zeit für sich und die Familie mit der jetzt achtjährigen Tochter. "Der Reiseberuf kommt für mich nicht mehr infrage, ich mache zurzeit eine Weiterbildung als Online-Marketing-Manager", sagt Mulholland.

Als sie den Stewardess-Beruf an den Nagel gehangen hatte, fanden sie und ihre Familie auch wieder mehr Zeit fürs Dorfleben. Im Frühjahr 2019 lernte sie zum Krumbacher Vereinsfest Sandra Schlenkrich kennen. Die 44-Jährige war mit ihrer Familie 2006 von Chemnitz nach Krumbach gezogen. "Uns gefällt das Landleben, besonders für unsere drei Kinder ist es wunderbar", sagt sie. Schlenkrich arbeitet im Unternehmen ihres Mannes mit, einer Wärmepumpen- und Solarfirma.

Krumbach hat etwa 90 Familien mit 270 Einwohnern in 70 Wohngebäuden - so die jüngste Einwohnerzählung. "Das Dorf ist zwar sehr klein, aber man kennt trotzdem nicht alle", sagt Mulholland. Doch mit Sandra freundete sie sich sofort an, auch wegen der Kinder, die sich bald näher kennenlernten. Die dreiköpfige Familie Mulholland wohnt auf einem Bauernhof. Dort wurde die Idee geboren, erstmals 2019 einen Weihnachtsmarkt zu veranstalten. "Es ist doch super, wenn sich Leute im Ort zusammenfinden", sagt Schlenkrich. Schnell hätten sie Mitstreiter gefunden - auch über das soziale Netzwerk. Bei Facebook wurde die Gruppe "Ein Herz für Krumbach" gegründet. Mehr als 300 Personen gefällt die Seite bzw. wurden Abonnenten der Neuigkeiten.

Dort erfuhren die Krumbacher, das sich Ivonne Sarfert von der gleichnamigen Pferderanch am Spektakel mit Ponyreiten beteiligt. Auch Julien Levrel, der in einem Start-up-Unternehmen in Chemnitz arbeitet und Hobbykoch ist, war mit einem Crêpe-Stand dabei. Er wurde in Frankreich geboren, ist in Afrika aufgewachsen und lebte später mit seiner Familie in Kanada. Karl aus Schweden war der Brotbäcker, James, Craig und Larissa - alle kommen aus London - haben gemeinsam mit Martin aus Lichtenau an einem Stand Flammlachs und Fischsuppe live über offenem Feuer gekocht. "Das ist schon irre, was wir für ein buntes Völkchen sind", sagt Tina Mulholland. Unterstützung bekamen sie auch vom Heimatverein und den Motorradfreunden Krumbach.

Und die nächste Idee im 300-Seelen-Dorf wurde geboren. Im neuen Jahr traf sich eine Gruppe um Tina Mulholland und Sandra Schlenkrich zum ersten Sonntagslauf. Unter dem Motto "Gemeinsam statt einsam" findet seitdem sonntags von 9 bis 10 Uhr der Lauf statt. Gestartet wird an der Wendeschleife. "Wir wollen gemeinsam was für unser Dorf auf die Beine stellen", ergänzt Sandra Schlenkrich. Mitmachen könne jeder, egal wie alt oder fit jemand sei, so Mulholland.

Und gibt es schon weitere Ideen? "Uns liegt der Natur- und Umweltschutz am Herzen", sagt Mulholland. Da suche sie noch Ideen für Krumbach. Sicher sei aber bereits, dass die Mittsommernacht gefeiert wird - das ist die Sommersonnenwende am 24. Juni. Details stehen noch nicht fest.

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