Warum nur ein Teil des alten Kugelbrunnens zurückkehrt

Nicht nur für die Restaurierung des Kunstwerkes gibt es Fördermittel. Auch ein junges Musikfestival erhält Geld.

Helbersdorf/Kaßberg.

Zugegeben, es braucht ein wenig Vorstellungskraft, sich auf einer weiß eingefassten, quadratischen Rasenfläche ein Kunstwerk vorzustellen, das von Lampen angestrahlt wird. Doch derzeit ist auf dem Stück Wiese am Wenzel-Verner-Platz in Helbersdorf nicht mehr zu sehen. Im Herbst soll es laut Ferenc Csák, Leiter des Kulturbetriebes der Stadt, soweit sein und auf dem Stück Grün ein Teil des Kugelbrunnens von Clauss Dietel und Reinhard Grütz zum ersten Mal nach rund zwei Jahrzehnten wieder öffentlich aufgestellt werden.

Ältere Chemnitzer werden sich vielleicht an den Kugelbrunnen erinnern, der 1974 im Yorckgebiet in Betrieb genommen wurde. Rund 30Kugeln aus Kupfer standen auf Edelstahlsäulen in einem Brunnen. "1971 erhielten wir den Auftrag dafür", erinnerte sich Clauss Dietel am Dienstag. Um die Jahrtausendwende wurde das Ensemble abgerissen. "Es war einem Investor im Weg", so der Formgestalter. Er habe sich "verzweifelt" bemüht, das Kunstwerk zu erhalten - es gelang nicht. Die Kugeln wurden von der Stadtverwaltung eingelagert. Doch ein Großteil ging verloren. "Von den 30 Stück tauchten nur sechs wieder auf", so Dietel. "Wie sie verschwunden sind, weiß man nicht." Er geht davon aus, das sie Dieben zum Opfer fielen. "Kupfer ist was wert und ein beliebtes Metall", sagt der Formgeber.


Die verbliebenen Kugeln werden nun auf Betreiben des Bürgervereins Chemnitz-Helbersdorf wieder aufgestellt. Zuvor werden sie restauriert und außerdem drei neue Kugeln geschaffen, berichtet der Künstler. 24.000 Euro wird das Vorhaben kosten. 10.000 Euro fließen durch Fördermittel für Kleinprojekte von sächsischem Kunstministerium und der Kulturstiftung des Freistaates. Das Geld übergab Kunststaatssekretär Uwe Gaul am Dienstag Ferenc Csák, Chef des städtischen Kulturbetriebs. Dieser hofft, dass durch das Kunstwerk aus dem Wenzel-Verner-Platz ein Ort für die Anwohner werde. "Gleichzeitig huldigen wir damit dem Formgeber der Stadt."

Mit dem von Dietel geschaffenen, beleuchteten und begehbaren Kugelensemble will der Bürgerverein "eine grüne Oase schaffen", so Vorsitzender Jörg Vieweg. Er erinnerte, dass früher mehr Kunst im öffentlichen Raum zu sehen war. Das wünsche er sich zurück. Voraussichtlich im November soll das neue, alte Ensemble fertig sein, sagt Clauss Dietel. Er freue sich über "den interessanten, kleinen Auftrag".

Über Geld aus dem Fördertopf von Kunstministerium und Kulturstiftung freute sich am Dienstag auch der Verein Kukaye Moto Culture Center, der Ende August zum Musikfestival der Liebe Karl-Mixer-Mob einlädt. Mit dem Namen wollte man einen Dreiklang wie Karl-Marx-Stadt schaffen, erklärten Arba Manillah und Antje Kreller vom Vorstand. Das Wort Mixer stehe für den Musikmix des Festivals, das Wort Mob für die Subkultur, die der Verein biete: "Also für Mob", so Kreller. Beide nahmen den Bescheid über 1339 Euro entgegen. Mit dem Geld werde die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben gedeckt, so Kreller. "Das ist sehr hilfreich für uns." Der 2016 gegründete Verein zur Förderung von Kunst und Kultur zählt 13 Mitglieder. In seinem Namen stecken das afrikanische Kihehe-Wort "Kukaye" (Gemeinschaft, Einheit) und das Suaheli-Wort "Moto" (Feuer, Leidenschaft).

Die erste Auflage des Festivals unter dem Motto "Live und mit Seele für Chemnitz" fand 2018 auf dem Lessingplatz auf dem Sonnenberg statt. "Wir sind sehr traurig, dass wir den Sonnenberg verlassen", sagt Arba Manillah. Doch das Gelände des Hauses Arthur auf dem Kaßberg bietet nicht nur die bessere Infrastruktur wie Toiletten und Strom. Auch das Areal ist kleiner als der Lessingplatz. Das sei wichtig für die Rechnung der Gema, der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Nachdem die Rechnung 2018 aufgrund der Größe des Veranstaltungsortes hoch ausgefallen war, habe man sich eine kleinere Fläche gesucht, erklärte Antje Kreller.


Konzert mit elf Bands und DJ

Zum Musikfestival Karl-Mixer-Mob am 31. August auf dem Areal des Kulturhauses Arthur, Hohe Straße 33, werden elf Bands erwartet, die auf zwei Bühnen spielen. Hinzu kommt eine Bühne mit einem DJ. Einlass ist ab 12 Uhr, Beginn 13 Uhr. Bis 18 Uhr wird um den Eintritt gewürfelt, der zwischen 3 und 8 Euro liegen kann. Ab 18 Uhr sind generell 8 Euro zu zahlen. Besucher erwarten Klassik- und Hip-Hop-Töne, Reggae-, Ska- und Heavy-Metal-Musik, Rock, Funk und afrikanische Rhythmen. Mehr Informationen unter www.kukayemoto.de.

Formgestalter Karl Clauss Dietel wurde im Oktober 1934 in Reinholdshain bei Glauchau geboren. Er wurde Maschinenschlosser, studierte an der Ingenieurschule für Kraftfahrzeugbau Zwickau und an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Dietel hat Autos, Radios und Maschinen eine Form gegeben. 2014 erhielt er den Staatspreis für Design. Der 84-Jährige lebt in Chemnitz. (hfn)

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