Warum sagt sie nichts?

Barbara Ludwig schweigt, wenn von ihr eine Meinung erwartet wird. Dann wiederum äußert sie sich zu einem Fall, der nicht in ihrer Hoheit liegt. Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin rutscht von einer Kommunikationspanne in die nächste. Die Kritik daran, wie sie die Stadt in schwierigen Zeiten führt, wächst.

Chemnitz.

Barbara Ludwig lässt keine Zweifel: "Die Stadt sind alle, auch wenn die Oberbürgermeisterin an der Spitze steht und sich nicht wegducken kann." Das hat sie Anfang September 2018 in einem Interview gesagt, zwei Wochen nach den wohl schwärzesten Tagen in der jüngsten Chemnitzer Vergangenheit. Barbara Ludwig ist angespannt, angefasst - und dieses Interview im Herbst geprägt von vielen Pausen zwischen Fragen und Antworten.

Zu wichtig ist in jenen Tagen jedes Wort in einer Stadt und an eine Stadt, die unter Schock steht. Gelähmt von der Erfahrung, wie schnell der Mob das Bild einer Stadt nach außen dominieren kann. Ein Bild, auf dem Hooligans mit Hitlergruß in der ersten Reihe zu sehen sind, hinter denen sich Tausende versammelt haben.

Nach den tödlichen Messerstichen am Rande des Stadtfestes gegen den 35-jährigen Daniel H. waren noch am selben Abend 1000 Demonstranten durch Chemnitz gezogen, mobilisiert von rechten und gewaltbereiten Fußballfans.

Einen Tag später stehen 6000 Demonstranten, die sich der teils rechtsextremen Bewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben, 1500 Teilnehmern der Kundgebung des linksorientierten Vereins "Chemnitz nazifrei" gegenüber. Fast gleicht der Abend einer Machtprobe, wem die Stadt künftig gehören wird. Einige, nicht viele Kommunalpolitiker sind in beiden Reihen der Protestierenden auszumachen. Hätte an diesem Tag die Oberbürgermeisterin des zerrissenen Chemnitz auf die Straße gehört? Hätte sie versuchen müssen, mit ihren Bürgern zu reden? Barbara Ludwig sagt: Nein.

Zu angespannt sei die Situation gewesen, ein Gespräch in Ruhe wäre nicht zustande gekommen. Sie bleibt an dem Abend im Rathaus, um die nächste Ratssitzung vorzubereiten. Wie jeden Montag vor der Stadtratswoche. Doch, entgegnet Peter Patt, man muss zu den Leuten gehen, auch an solchen Tagen. Der CDU-Landtagsabgeordnete steht mittendrin, zwischen den Lagern. Die Polizei habe ihn gewarnt, es könne gefährlich werden. Er sei angepöbelt worden. Trotzdem sagt er: "Ich würde es immer wieder tun: mit den Leuten reden, bei den Leuten sein, nicht zögern." Es sei eine Frage der Haltung, so der Christdemokrat.

Zögerlich agiert die Oberbürgermeisterin auch in der Zeit danach. Sie spricht in die Mikrofone der versammelten Presse, aber sie wendet sich nicht direkt an die Chemnitzer. Sie trifft sie kaum direkt, kommt dafür in große Foren, flankiert von Ministerpräsident, Ministern, Amtsleitern. Sie wolle nicht polarisieren, erklärt Ludwig, die von den schwersten Tagen ihrer zwölfjährigen Amtszeit spricht. Wegducken nennen es ihre Kritiker.

Die OB sei die Erste, die Gesicht zeigen müsste, sagen sie. Manchmal kommt es auch auf Symbolik an. Die Leute wollen in diesen Zeiten Orientierung, vielleicht auch Beruhigung. "Wie in der Bankenkrise", vergleicht Peter Patt, "als jeder Angst um sein Erspartes hatte und der deutsche Finanzminister erklärte: Die Einlagen sind sicher."

Ludwigs Amtskollege im sachsen-anhaltischen Köthen wählt einen anderen Weg als sie. Auch dort kam es nach einem Tötungsdelikt zu rechten Demonstrationen. Einen Tag danach hat der Bürgermeister einen runden Tisch einberufen, um schnell mit seinen Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Diese Entschlossenheit hätte sich mancher von Ludwig gewünscht, dennoch bleibt selbst vom politischen Gegner bis dahin die Kritik an ihrer Amtsführung zunächst vergleichsweise leise. Keiner beneidet sie um die Aufgabe, eine Stadtgesellschaft, deren tiefe Spaltung von heute auf morgen offen zu Tage trat, wieder zusammenzuführen. Es zumindest zu versuchen. Wer möchte schon in ihrer Haut stecken, ist da oft zu hören. "Mit so einer Situation muss man erstmal umgehen", sagt Tino Fritzsche, CDU-Fraktionsvorsitzender und Oppositionsführer im Stadtrat. SPD-Fraktionschef Detlef Müller bescheinigt seiner Parteikollegin Ludwig eine "gute, behutsame Amtsführung, ohne Schnellschüsse". Ähnlich bewerten Linke und Grüne ihr Agieren, die mit der OB-Partei im Stadtrat zusammenarbeiten und gemeinsam über eine komfortable Mehrheit verfügen.

Aber inzwischen scheint der Verständnis-Bonus fast aufgebraucht. Als mehr als unglücklich wird auch in SPD-Reihen ihr Schweigen nach dem Neonazi-Gedenken vor einem Fußballspiel des Chemnitzer FC im städtischen Stadion eingeschätzt. Fans in der Südkurve hatten für einen verstorbenen Hooligan ein Trauertransparent entfaltet, der Verein unterstützte die Aktion mit einer Schweigeminute. Ein Foto des Verstorbenen war auf der Anzeigetafel zu sehen. Nahezu alle politischen Akteure der Stadt gaben noch am selben Wochenende eine Stellungnahme ab, verurteilten die Aktion, forderten Aufklärung. Barbara Ludwig meldete sich nicht zu Wort.

Sie war im Urlaub. Ihn abzubrechen, hätte dem Ereignis eine zu große Bedeutung gegeben, wird sie neun Tage später sagen. Für diese Entscheidung erntet sie auch in der Bevölkerung zunehmend Kritik: "Ich freue mich sehr, dass es nun endlich auch eine ganz klare Stellungnahme unserer verehrten Frau Oberbürgermeisterin zur Sache gab. Oder habe ich das nur geträumt", kommentierte ein Leser auf der "Freie Presse"-Homepage sarkastisch. "Es waren Situationen für die Stadt Chemnitz, in denen ihre Abwesenheit als Stadtoberhaupt nicht zu entschuldigen war", heißt es in einem Leserbrief an die Redaktion.

Ob sie auch an ihrem letzten Urlaubswochenende in der Stadt war, als das Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus" eine Aktion am Marx-Kopf startete, auf diese Frage reagierte Ludwig fast schon ungehalten: "Ich bin seit heute wieder im Dienst", sagte sie am Montag danach am Rand einer Pressekonferenz zum Thema Stadtmarketing. Ihr Statement wird sie im Anschluss auch wieder in zahlreiche Mikrofone und vor Kameras sprechen - wie immer in extravaganter Kleidung. Ihr burschikoser Stil, sich zu kleiden - häufig im Anzug, gern auch mal mit Krawatte - ist ein Markenzeichen Ludwigs. Selbstbewusst, verschlossen, schützend.

Die SPD-Fahne bei der Aufstehen-gegen-Rassismus-Kundgebung hielt Juso-Chef Kevin Kühnert hoch. Hanka Kliese wiederum, Chemnitzer SPD-Landtagsabgeordnete, vertrat in der MDR-Sendung "Fakt ist" Partei und Stadt zugleich. Es sei nicht mehr ihr Verein, in dem sie einst selbst in der Mädchenmannschaft gespielt hat, bedauerte sie im Fernsehstudio und vorher schon in einem schriftlichen Statement, in dem sie sich sehr dezidiert mit der Chemnitzer Situation auseinandersetzte. Stadtrat Lars Fassmann saß ebenfalls in der Livesendung, die sich dem Stadion-Skandal und rechten Strukturen in der Fußballszene widmete. Eingeladen war auch OB Ludwig. Es habe keine Reaktion, nicht einmal eine Absage gegeben, erklärte der Moderator. Dabei wäre es ganz entscheidend, dass sich die OB in dieser Situation zeige, sagt Olaf Sundermeyer in der Sendung. "Tut sie das nicht, ist das ein Manko", schätzt der Journalist ein, zu dessen Schwerpunktthemen von Rechten unterwanderte Fußballclubs zählen.

"In der Situation ist es Aufgabe der Oberbürgermeisterin, die transparente und schonungslose Aufarbeitung der Einflussnahmen rechtsextremer Milieus und Akteure auf CFC und Stadt nicht wegzumoderieren", fordert Volkmar Zschocke, Chemnitzer Landtagsabgeordneter der Bündnisgrünen.

Auf eine Teilnahme verzichtet hat sie vor wenigen Tagen auch bei einem anderen Termin, wo wenig Erfreuliches zu verkünden war: die Absage des Stadtfestes - der größten Chemnitzer Veranstaltung im Jahr. Darüber in einer Pressekonferenz zu informieren, überließ sie dem Chef der Wirtschaftsförderung, einer städtischen Tochtergesellschaft, die das Fest zuletzt veranstaltete. Sören Uhle erklärte, dass die Entscheidung vor dem Eindruck der Ereignisse des Vorjahres gefallen sei. Barbara Ludwig ließ später auf Anfrage ausrichten, die Absage sei mit ihr abgesprochen gewesen. Kein guter Stil, kritisiert Susanne Schaper, Landtagsabgeordnete und Fraktionschefin der Linken im Stadtrat. "Manche Dinge sind einfach Chefsache. Die kann man nicht abdelegieren", so Schaper. Zumal sich die OB bei anderen Pressekonferenzen gern voranstellt. Die Bewerbung zu Europas Kulturhauptstadt 2025 zum Beispiel - eine Herzensangelegenheit der 57-Jährigen - hat sie zur Chefsache erklärt und dafür in der Region um Unterstützung geworben. Zusammenarbeiten mit anderen Städten und Gemeinden - das macht sie sonst eher selten, ist häufig allein unterwegs.

Selbst zögerlich in der Reaktion, ruft sie wiederum schnell nach anderen Verantwortlichen, auch das wird mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen. Polizei, Verfassungsschutz und Freistaat sieht Ludwig nach den Chemnitzer Ereignissen im Spätsommer 2018 und zuletzt im Fußballstadion in der Pflicht. Das Chemnitzer Problem sei eben nicht nur ein Chemnitzer Problem, beschwört Ludwig. "Die Oberbürgermeisterin muss aber vorangehen, bevor sie mit Fingern auf andere zeigt", sagt Landtagsabgeordneter Patt, der sich schon im Herbst geärgert hatte, als Ludwig den Chemnitz-Besuch von Kanzlerin Angela Merkel als zu spät kritisierte. "Da ist zuviel ,Ihr müsst mal‘ statt ,Wir müssen‘", kritisiert CDU-Mann Fritzsche.

Sprachlos ließ die studierte Pädagogin zuletzt Kritiker und Befürworter gleichermaßen zurück, als sie sich gegenüber der Berliner Tageszeitung "taz" vor dem Prozessbeginn zu Daniel H.s Tod äußerte. Ein Freispruch sei für die Stadt schwierig, so Ludwig. Sie hoffe, dass es eine Verurteilung gebe, damit die Familie des Opfers Frieden finde - für die Verteidigerin des Angeklagten eine Steilvorlage. Sie stellte den Verdacht einer politischen Einflussnahme auf das Verfahren in den Raum. Der Deutsche Richterbund kritisierte sie für die Aussage. Mit ihrer Äußerung heize Ludwig Spekulationen rund um den Prozess an und erwecke den Anschein, die Politik wolle öffentlichen Druck und Einfluss auf das Gericht ausüben. "Das schwächt das Vertrauen in die Arbeit der unabhängigen Justiz und in den Rechtsstaat", so Sven Rebehn, Geschäftsführer des Richterbundes. SPD-Fraktionschef Müller wertete Ludwigs Aussage als "klassischen Fehler".

Andere Amtskollegen lassen sich in Ausnahmesituationen beraten, haben Vertraute. Von Barbara Ludwig heißt es immer wieder, dass sie nur sich vertraue. Womöglich hat sie zu sehr darauf vertraut, auch diese Krise zu schaffen - wie sie die Situation 2015/16 vergleichsweise souverän bewältigt hat, als fast täglich neue Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt gefunden werden mussten.

Sie stellte ihren Bürgern das Unterbringungskonzept vor, war vor Ort, als Asylbewerber aus Angst eine Turnhalle nicht beziehen wollten, redete mit Asylgegnern. Da hat sie sich nicht weggeduckt. Danach erfuhr sie aber auch Anfeindungen, die sie bis in den Privatbereich zu spüren bekam. Doch darüber spricht sie nur selten und nie offen. Womöglich aber sind diese Erfahrungen ein Grund, weshalb sie jetzt vorsichtiger mit der Öffentlichkeit umgeht. Aus Bedenken heraus, etwas Falsches zu sagen, sagt sie mitunter nichts oder zu wenig, beschreiben Beobachter ihr Agieren.

Jetzt hat sie sich für ein anderes Krisenmanagement als 2015 entschieden. "Dann muss sie aber auch mit Kritik leben. Sie ist schließlich schon lang genug im Geschäft", sagt CDU-Fraktionschef Fritzsche. Seit 2006 ist die Chemnitzerin Oberbürgermeisterin ihrer Stadt, folgte damals dem bis heute in der Stadt angesehenen Ingenieur Peter Seifert.

Vor der Amtsübernahme führte Ludwig das Chemnitzer Sozialdezernat, später Sachsens Wissenschaftsministerium. Sie wird als SPD-Unterhändlerin geschätzt, ob für den Städte- und Gemeindetag oder bei den Koalitionsverhandlungen mit der CDU. Inzwischen aber macht das Wort der Amtsmüdigkeit die Runde, auch unter SPD-Politikern in Dresden. Ob sie 2020 nach Ablauf ihrer zweiten Legislaturperiode erneut kandidiert, das lässt Barbara Ludwig noch offen, auch gegenüber ihren Genossen. (mit kok/tz)

Bewertung des Artikels: Ø 4.4 Sterne bei 10 Bewertungen
28Kommentare
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  • 12
    3
    ralf66
    30.03.2019

    Im Grunde genommen, macht es die Politiker sprachlos, dass immer mehr Menschen, aus der breiten Schicht der Bevölkerung, gegen das heutige Politikverständnis rebellieren, sich auflehnen, denen man eben nicht durchweg, dass rechsnationalextreme Hemdchen anziehen kann.

  • 7
    4
    KarlChemnitz
    30.03.2019

    @Lesemuffel: Ich hätte mich gefreut, Sie hätten die Frage beantwortet.

  • 5
    7
    Lesemuffel
    30.03.2019

    Ich habe für mich und den "großen Teil" freundlicherweise vom Großteil korrigiert) der Einwohner gesprochen, die keine Ratten sind. Wer ist Höcke? Ein Chemnitzer?

  • 9
    9
    KarlChemnitz
    30.03.2019

    @Lesemuffel: Okay, versuchen wir es anders: Sie finden also die Bezeichnung Rattenfänger und Demagoge unangemessen für Herrn Kohlmann, Herrn Haller, Herrn Höcke und... ????
    Wenn dem so ist , möchte ich hiermit die Diskussion abbrechen.

  • 6
    8
    Lesemuffel
    30.03.2019

    Wenn die Argumente ausgehen, wird sich am Nicknamen abreagiert. Die Unterstellung "Ratte" zu sein ist auch schäbig, nicht wahr? Oder fangen Rattenfänger keine Ratten ein?

  • 10
    8
    KarlChemnitz
    29.03.2019

    @Lesemuffel: Sorry, aber Ihre Aussage ist nicht korrekt! Ich habe nicht ein einziges mal den begriff Nazi verwendet, geschweige denn Sie damit bezeichnet. ImGegenteil: Ihre Einschätzung zum inflationären Gebrauch des Begriffes teile ich zu 100 %.
    Möglicherweise scheinen Sie Ihrem Nickname alle Ehre machen zu wollen: Also, Bitte LESEN!!!, bevor Sie hier pauschal Ihren Frust ablassen. Ich habe die Worte "Brandstifter" und "Demagogen" verwendet und dabei bleibe ich. Und sollten Sie auch zu denen gehören, die unabhängig vom Individuum andere Menschen aufgrund Ihrer Herkunft, Releigion, Hautfarbe, politischen Meinung oder was weiß ich, für irgendetwas verantwortlich machen wollen, was in dieser Stadt schiefgelaufen ist, dann sind Sie ausdrücklich damit auch gemeint.

  • 8
    5
    Lesemuffel
    29.03.2019

    Ausnahmsweise will ich Ihnen, KarlC. mal "auf die Sprünge helfen", obwohl ich mehr den Bezug mit meiner Meinung zum Hauptthema suche und eher nicht den Dialog mit Usern. Als Einwohner dieser Stadt ist es für mich eine Beleidigung, wenn meine Stadt reisserisch in den Medien als Nazihochburg fertiggebracht wird. Können Sie mir sagen, warum ich Nazi sein soll, weil ich Chemnitzer bin? Der inflationäre Gebrauch dieses Begriffes möglicherweise sogar für Leute, die sich kritisch zu den Verhältnissen äußern ist kontraproduktiv, erstickt den normalen Umgang miteinander und ist, nebenbei bemerkt eine Verharmlosung des Faschismus nationalsozialistische Prägung im vorigen Jahrhundert. Was wollen Sie damit erreichen? Sollen wir alle gebückt durch die Stadt gehen?

  • 8
    3
    KarlChemnitz
    29.03.2019

    @Lesemuffel: Ihre Kritik ist nicht ganz unberechtigt, daher korrigiere ich mich: "Großteil" sollte ersetzt werden durch "großer Teil". Ansonsten sehe ich den Tatbestand der Beleidigung nicht erfüllt. Vielleicht können Sie mir da ja auf die Sprünge helfen.
    Sonnige Grüße und ein schönes Wochenende wünscht Euer Gutmensch KarlChemnitz.

  • 5
    7
    Lesemuffel
    29.03.2019

    Nun, blackadde, aber erlauben Sie meine Auffassung, dass zu Rattenfänger eben Ratten gehören und diese sehe ich nicht in unserer seit Sommer 2018 bewusst auch von innen heraus lädierten Stadtgesellschaft. Diesen Ton finde ich nicht demokratisch.

  • 12
    9
    Blackadder
    29.03.2019

    @lesemuffel: KarlChemnitz hat vollkommen Recht. Wenn 1/4 der Wählerschaft eine rechtsextreme Partei wählt, sollte man das Problem nicht runterspielen, sondern sich ihm stellen. Die OB muss sich ihm stellen, ebenso wie die restlichen 3/4, die demokratisch gewählt haben.

  • 5
    12
    Lesemuffel
    29.03.2019

    Ja, KarlChemnitz, da ist es wieder, das Problem nach ihrer Fasson "ein Großteil der Bürgerschaft rennt den Demagogen und Rattenfänger hinterher"? Glauben Sie, dass sie mit der Beleidigung eines Großteils demokratisch richtig liegen? Wie wäre es mal mit a l l e n zuhören und argumentieren?

  • 13
    4
    KarlChemnitz
    29.03.2019

    Viel problematischer als das Schweigen nach den Vorkommnissen im letzten Sommer ist aus meiner Sicht ein ganz anderer Aspekt: Das, was am 26.08.2018 und danach vorgefallen ist, das war mehr als absehbar. Peu à peu hatten sich Stadthallenpark, Zenti , usw. in den zurückliegenden Jahren zu mehr als problematischen Orten in dieser Stadt entwickelt. Dort gab es zwar nicht nur Probleme mit jungen Asylbewerbern, sondern auch mit anderer Klientel, aber definitiv waren eben sehr oft junge Migranten beteiligt, die aus welchen Gründen auch immer, verstrickt waren in Drogendelikte, Ladendiebstähle, Pöbeleien und andere Themen. Die Sorge der Bürgerschaft wurde immer wegdiskuttiert und klein geredet. Das führte zunächst zu Unverständnis und daraus wurde Wut über das Bagatellisieren und Wegschieben. Irgendwann kam man dann auf die grandiose Idee der "Komplexkontrollen". Wirkung: Null, die Drogen wurden im Gebüsch deponiert und ein Messer zu tragen ist nunmal keine Straftat. Als weitere Maßnahme fuhren dann Polizeibusse durch die Stadt. Leider waren die Beamten meist zu faul, das Fahrzeug auch mal zu verlassen.
    Dann kam der Parksommer. Wir Chemnitzer haben die Plätze okkupiert. Das war wirklich eine richtig geniale Aktion, und das meine ich nicht ironisch. Nur leider muss jeder auch mal ins Bett, denn abseits dieser Aktionen (Abends: nach Parksommer und Feierabend der Ordnungshüter und Polizisten) war dann wieder alles beim alten: Schlägereien, Überfälle, Handydiebstähle, Drogenverkauf, hier und da mal eine kleine Messerstecherei,etc.
    Die geistigen Brandstifter von ProChemnitz, AfD und Co. hatten das schon lange erkannt und sich zunutze gemacht. Ich rufe in Erinnerung: Zur Bundestagswahl 2017 haben 24 Prozent der Chemnitzer AfD gewählt!
    Und hier sehe ich die großen Versäumnisse unserer Stadtverwaltung, und zwar ganz konkret bei Oberbürgermeisterin und vor allem unserem Ordnungsbürgermeister Miko Runkel. Durch das Nichthandeln, durch das ewige Kleinreden der Probleme, durch das Abtauchen und Hoffen, dass das alles wie ein böser Spuk irgendwann schon wieder vorübergeht, haben Sie dafür gesorgt, dass sich ein Großteil der Bürgerschaft abgewendet hat und nun diesen Rattenfängern und Demagogen hinterherrennt.
    Der Tod von Daniel H. und dessen Inszenierung war am Ende nur der letzte Tropfen, der das FAss hat überlaufen lassen.

  • 11
    4
    Lesemuffel
    29.03.2019

    Oft trifft zu "Schweigen ist Gold, Reden ist Silber". In diesem Sinne habe ich Verständnis für Frau Ludwig, obwohl sie nicht unbedingt "mein Fall" ist, aber in dieser Stadtverwaltung noch das Beste an Qualität. Ja, was hätte sie denn sagen sollen? Sich dagegen verwahren, dass unsere Stadt an den bundesweiten Pranger als Nazihochburg gestellt wird? Ein Aufschrei der prinzipiell Empörten mit der Meinungshoheit wäre die Folge, verbunden
    sofortigen Rücktrittsforderungen. Oder sie stimmt in den Chor derer ein, die den Hype gegen Chemnitz selbst noch verstärken, sich dabei als die besonders Guten wähnen. Also mit Draufhauen ohne Rücksicht auf Verluste, wie weitere Zersplitterung der Einwohnerschaft. Was wäre hierbei die Folge? 245 000 Nichtrechte, sondern rechtschaffene, fleißige, aufrichtige, gastfreundliche Bürgerinnen und Bürger hätten das Gefühl, von ihrer Stadtchefin in die Pfanne gehauen zu werden. Die Wut und Enttäuschung wäre riesig, das Vertrauen auf Jahre hinaus zerstört. Ich hätte als OB, obwohl das vorgenannten Sprichwort passt, vielleicht gesagt :"Meine Stadt ist keine rechtsradikale Hochburg. Messt sie an den vielen anständigen, fleißigen, gastfreundlichen Menschen hier. Legt die gleichen Maßstäbe an, wie sie für andere Städte gelten, deren Lage nicht viel anders ist. Unterlasst Die Beleidigung einer ganzen Stadt, denn unsere Demokratie ist wehrhaft. "

  • 4
    8
    cn3boj00
    28.03.2019

    @Haecker, Ihre Einschätzung kann ich nicht teilen. Souveränität (ich meine die letzten Monate) sieht anders aus. Nichts zu sagen weil ein Wort falsch ausgelegt wird ist keine Entschuldigung. Vor allem nicht wenn man dann trotzdem das Falsche sagt. Man muss die richtigen Worte finden. Sie überlässt die Stadt zunehmend den anderen, jenen, die letzten August angekündigt haben, dass sie uns zeigen wollen wem die Chemnitzer Straßen gehören.
    @Blackadder, richtig nach dem Ausschlussprinzip, aber ich weiß nicht...

  • 13
    26
    Gerhard56
    28.03.2019

    Der schnellstmögliche Rücktritt ist alternativlos.

  • 33
    5
    Haecker
    28.03.2019

    Barbara Ludwig wird zurecht bescheinigt, dass sie 2015/16 bei der Unterbringung der vielen Flüchtlinge recht souverän agiert hat. Das wurde und wird ihr von rechts angekreidet. Aber sie will sich wohl auch nicht von der anderen Seite vereinnahmen lassen, anders als ihre Kollegen in Leipzig und Dresden. Auch die Dresdner Gesellschaft ist tief gespalten und das Agieren des OB hat bisher offenbar nicht zur Überwindung dieser Spaltung beigetragen.
    Es war nicht nur der Mob, der Ende August/Anfang September das Bild der Stadt nach außen dominierte - es waren auch diejenigen, bei denen man den Eindruck haben konnte, auf solche Bilder nur gewartet zu haben. Wo war ich in diesen Tagen? Am Nachmittag des 2.September auf dem Neumarkt.
    "Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus": Welches "Bündnis"? Es ist eine Gruppe. Selbstverständlich war ich auch nicht unter den wohl 450 Demonstranten, außer Jusos wohl auch kaum andere SPD-Miglieder. Kevin Kühnert hat nicht die Fahne der SPD hochgehalten, sondern nur die deren seit weit linken Flügels.
    Barbara Ludwig weiß wohl, dass man den Teufel nicht mit dem Beelzebub austreiben kann. Manche Journalisten in den großen Print-Medien und den Öffentlich-Rechtlichen kennen zwar den Teufel, wissen aber offenbar nichts vom Beelzebub. Jedes Wort kann falsch sein - oder auch nur falsch ausgelegt werden. Dass in dem erwähnten FP-Interview zwischen Fragen und Antworten immer wieder Pausen lagen, demonstriert wohl dieses Wissen.
    Man sollte auch nicht übersehen, dass der Eklat beim CFC in einer unglücklichen Situation erfolgte: Hätte es zwischen dem Tod von Haller und dem Spiel nur etwas mehr Zeit gegeben, hätten die Verantwortlichen beim Club wohl überlegter handeln können. Und die Tatsache, dass Vorstand und Aufsichtsrat weitgehend ausgeschaltet sind, war der Situation auch nicht gerade dienlich.
    Natürlich war die Äußerung gegenüber der "taz" falsch. Natürlich darf in einem Rechtsstaat nur verurteilt werden, wem eine Schuld nachgewiesen werden kann. Es gilt das Prinzip (oder sollte gelten): Lieber einen Schuldigen laufen lassen, als einen Unschuldigen hängen. Mit diesem Grundsatz haben aber nicht nur Rechte bisweilen ein Problem, sondern mitunter auch Linke (vor allem, wenn es um Rechte geht). Wer weiß aber, wie das Interview geführt wurde? Vielleicht war es falsch, der "taz" in einer solchen Sache ein Interview zu geben.

  • 35
    13
    CPärchen
    28.03.2019

    Die Aussage sie sei erst seit heute wieder im Dienst kann ich nicht fassen.
    Jeder gute Gastronom, Handwerksmeister, Stabsoffizier, Geschäftsführer, etc. der viel Verantwortung trägt und gute Arbeit durchführt, ist im Notfall erreichbar. Ich kenne das gar nicht anders.
    Man kann doch nicht eine Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern führen wollen und dann auf feste Arbeits-/Urlaubszeiten pochen. Sie ist doch keine einfache Verwaltungsangestellte. Solche Entbehrungen sind ein Grund für höhere Vergütungen.

  • 7
    17
    Blackadder
    28.03.2019

    @Cn3: Ich meine den Herr Fassmann.

  • 4
    7
    cn3boj00
    28.03.2019

    Liebe @Blackadder hab ich da was überlesen?

  • 6
    17
    Blackadder
    28.03.2019

    @cn3: Ach der eine oder andere Name fällt mir da schon ein, auch Personen, die gerade noch im Stadtrat sitzen, wenn auch nicht für eine Partei und hier auch in letzter Zeit öfter zitiert wurden, sowie im hier kommentierten Text vorkommen.

  • 30
    7
    cn3boj00
    28.03.2019

    Oh ja, @franzudo, außer Journalisten gibt es leider sehr viele, denen nur daran liegt zu polarisieren und Krawall zu befördern, diese Leute standen wochenlang in Chemnitz an Mikrofonen und wollen es am ersten Mai wieder tun. Aber warum sagen Sie nichts zum Thema, zu Frau Ludwig?
    Die Stadtverwaltung, das sind auch andere Leute, sie bringen viel auf den Weg, bei vielen Dingen schleift es aber auch erheblich.
    Aber zu Frau Ludwig: ich glaube, dass sie spätestens seit letzem Sommer nicht mehr Herr der Lage ist. Ich kann das verstehen, dass man da sprachlos ist angesichts der Entwicklung, mit der Chemnitz vereinnahmt wird. Ich bin selbst auch ziemlich ratlos. Aber wenn man keine Worte mehr findet ist man als Führungspersönlichkeit fehl am Platz. Wie Souveränität im Amt geht hat man nicht zuletzt in Neuseeland gesehen.
    Und wenn sie glaubt dass ihr "Dienst" nur vom Betreten bis zum Verlassen des Rathauses dauert tut sie mir fast schon ein bisschen leid.
    Ich glaube nicht, dass Frau Ludwig noch einmal gewählt würde, auch wenn leider keine Alternativen in Sicht sind. Und ich gebe @Blackadder recht, gerade deshalb wäre es jetzt wichtig, wenn sich mehrerer Parteien auf einen starken Kandidaten einigen könnten, der nicht für eine Partei sondern für Chemnitz steht.
    Und ich stimme auch @acals zu: ein guter Beitrag.

  • 25
    3
    saxon1965
    28.03.2019

    @franzudo2013: "Es ist gar nicht schlecht in Chemnitz mit Chemnitzern zu reden statt nur in Mikrofone." Aber genau das macht die OB ja ungenügend!
    @Blackadder: Ich meine schon, dass es Amtsmüdigkeit gibt und die OB Symptome dafür aufweist. Neben Amtsmüdigkeit gibt es dann noch Betriebsblindheit, Netzwerke, Seilschaften, Realitätsverlust u. ä.
    Nicht dass das alles auf die OB zuträfe, aber das eine oder Andere findet sich immer wieder auch bei Politikern. Besonders bei denen, die lange im Amt sind.
    Ansonsten gebe ich ihnen Recht, dass parteilose Funktionsträger die bessere Wahl sind. Schon alleine wegen der s. g. Fraktionsdisziplin.
    Welche Stilblüten dieser undemokratische Zwang treibt, erleben wir ständig im Bundestag und letztens auch in der EU bei der Abstimmung über den s. g. §13.

  • 30
    18
    franzudo2013
    28.03.2019

    Schweigen und seine Arbeit machen ist auch eine Aussage. Und wenn man hinsieht, die Stadtverwaltung bringt viel auf den Weg.
    Wenn sich solche Kevin-Kuehnert-Auftritte nicht vermeiden lassen, dann ist das Schweigen dazu das beste was man machen kann.
    Chemnitz braucht keinen Kevin Kuehnert und auch keine Pseudojournalisten von Zeit, Spiegel, Sueddeutsche.
    Denen liegt nichts an Chemnitz, nur am polarisieren und am Krawall.
    Es ist gar nicht schlecht in Chemnitz mit Chemnitzern zu reden statt nur in Mikrofone.

  • 34
    12
    Blackadder
    28.03.2019

    @saxon1965: Ich denke nicht, dass die Zeit das Problem ist. Letzte Woche habe ich in der FP zur Eröffnung des Globus Marktes ein Detail, dass sehr bezeichnend war für die derzeitige Stadtregierung. Dort stand nämlich: von der Verwaltung war niemand anwesend, auch bekommt der Globus-Chef seit Monaten keinen Termin bei der OB - wer aber da war, war der Alt-OB Dr. Peter Seifert.
    Mich würde mal interessieren, was er von seiner Nachfolgerin hält, ob er auch so enttäuscht ist, wie viele in der Stadt. So vieles, was schief läuft, sei es der Stadionbau, die Entwicklung der Wirtschaft (Wegzug IAV), die Kulturhauptstadtbewerbung - überall wird die Verwaltung als unflexibel, abgehoben und Bürger-fern erlebt.

    Nächstes Jahr ist OB Wahl und die große Frage ist doch: wer tritt gegen Babalu an? Wenn ich ganz ehrlich sein soll, hat sie doch das letzte Mal vor allem deshalb gewonnen, weil die Alternativen keine waren. Und jetzt? Es müssen ja auch keine Parteimitglieder sein. Es gibt in anderen Städten auch parteilose OBs, wenn es ihnen gelingt, parteiübergreifenden Konsens zu erzielen. Schlechter als jetzt, kann das ja eh kaum laufen. Das ist auch ein Punkt, der Herrn Seifert immer hoch angerechnet wurde: er konnte mit allen zusammen arbeiten und hat schon VOR Abstimmungen Kompromisse erzielt und Bündnisse geschmiedet. Wer könnte jetzt so etwas schaffen? Die Bürgerschaft ist gespalten wie nie, vietleicht wäre eben gerade ein parteiloser Kandidat geeignet, die Risse zu kitten.

  • 37
    4
    acals
    28.03.2019

    Ein bemerkenswerter Artikel, den ich gerne lobe. Wertvoll das Einbinden einer Vielzahl weiterer politisch Aktiver. Auch gegenueber unserer OB fair genug im Umgang. Von dieser Art der Berichterstattung wuerden wir gerne mehr haben/lesen wollen.

  • 40
    3
    saxon1965
    28.03.2019

    Auch wenn man mit Frau Ludwig nicht tauschen möchte, so ist es ihr selbstgewählter Job und den macht sie nun schon seit 12 Jahren. 12 Jahre in denen sie verantwortlich war, auch für die gesellschaftspolitische Entwicklung dieser Stadt.
    Amtsmüdigkeit, weil 12 Jahre zu lange sind, in Chemnitz wie auch in Berlin.

  • 17
    7
    Blackadder
    28.03.2019

    @Tauchsieder: Eigentlich hört es so meistens auf. :-)

  • 12
    3
    Tauchsieder
    28.03.2019

    So geht`s meistens los.



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