Warum Scherenschnitte in Vergessenheit geraten sind

Bei einer Ausstellung in Wolkenburg ist an eine alte Kunst erinnert worden. Zeitzeugen sagen, warum spezielle Fertigkeiten auch heute noch wichtig sind.

Wolkenburg.

Scherenschnitte standen bis Sonntag im Blickpunkt einer Sonderausstellung im Schloss Wolkenburg. Unter dem Titel "Erinnerungen" erwiesen die Veranstalter mit der Schau der Scherenschneiderin Christa Bachmann und deren Weggefährtinnen eine Referenz. "Christa Bachmann lebte in Limbach-Oberfrohna. Die studierte Kunsterzieherin hätte jüngst ihren 90. Geburtstag gefeiert", sagte Museumspädagogin Gabriela Pabstmann.

Bei einem Rundgang würdigte die Organisatorin das schöpferische Tun der 2011 verstorbenen Künstlerin. Sie habe es verstanden, ihre Beobachtungen, Gefühle und Erlebnisse einem hauchdünnen Stück Papier anzuvertrauen, mit feinsten Schnitten in unterschiedlichen Techniken beeindruckende Motive zu schaffen, die auf spezielle Weise der Natur, Volkskunst aber auch Musik gewidmet sind. "Christa Bachmann war nicht nur erfolgreich künstlerisch tätig, sie leitete viele Jahrzehnte verschiedene Zirkel, gab die Technik vor allem an Kinder und Jugendliche weiter", so Pabstmann.

Eine davon war Christa Schmidt, die in der Ausstellung eigene Arbeiten vorstellt. 1962 trat sie dem Zirkel bei. "Dort habe ich mir künstlerisches Rüstzeug geholt, auf welches ich bei meinem darauffolgenden Textilstudium setzen konnte", sagte die Limbacherin. Sie zeigte eine Auswahl ihrer textilen Siebdruckarbeiten, die auf dem Prinzip des Scherenschnitts basieren. Auch Schmidt engagiert sich seit Jahren für die künstlerische Ausbildung und leitet Arbeitsgemeinschaften.

Und bedauert wie so mancher Teilnehmer des Treffs am Samstag, dass der Scherenschnitt als künstlerische Ausdrucksform ins Abseits geraten sei. "Vor allem mangelt es an jenen Akteuren, die die Technik überhaupt noch vermitteln können. Neben dem Können ist es immer schwieriger, beispielsweise über Kursräume für diese Hobby zu verfügen und Kursleiter zu finanzieren." Die Hochzeiten des Genres datieren zurück in die 1950er- bis 1980er-Jahre. Das damalige Bezirkskabinett für Kulturarbeit Karl-Marx-Stadt förderte das Netzwerk der Scherenschneider und half bei der Suche nach Ausstellungsmöglichkeiten, so Schmidt.

Die Begegnung der Scherenschnittfreunde nutzte Andrea Hufenbach, ihre Erinnerungen aufzufrischen. "Ich besuchte Ende der 1970er-Jahre eine von Frau Bachmann geleitete Arbeitsgemeinschaft an der Oberschule", sagte die Limbacherin. Dabei habe weniger der Scherenschnitt im Blickpunkt gestanden, "vielmehr trainierten wir unser Auge, lernten räumliche Situationen erfassen und abzubilden, versuchten uns grafisch mit ersten Bleistiftzeichnungen". Das seien Grundelemente, die ihr später nützlich gewesen seien, sagte sie.

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