Warum Schüler ihre Freizeit auf dem Friedhof verbringen

Die Jugendlichen jäten Unkraut und fegen Laub. Sie pflegen auf diese Weise die Grabstätte eines bekannten Limbachers.

Limbach-Oberfrohna.

Vier Neuntklässler der Pestalozzioberschule in Limbach-Oberfrohna sind in den vergangenen Monaten einer eher ungewöhnlichen Freizeitbeschäftigung nachgegangen - freitags, nach der siebten Unterrichtsstunde, leisteten sie Arbeitseinsätze auf dem Limbacher Friedhof. "Ich will nicht nur zu Hause sitzen und zocken, sondern auch mal was Sinnvolles machen", erzählt Jeremy Sperling. Und sein Mitschüler Sebastian Holz ergänzt: "Damit erhalten wir ja auch Geschichte der Stadt."

Die Schüler kümmern sich seit August um die Familiengrabstätte des Limbach-Oberfrohnaer Heimatforschers Paul Fritzsching. Die befindet sich an der Hohensteiner Straße und war bis zum Sommer regelrecht verwildert. Die Teenager sind mit Sägen, Hacken und Eimern angerückt und haben das etwa 25 Quadratmeter große Areal von Unkraut, Rhododendron und Efeu befreit. "Man hat eigentlich überhaupt nichts mehr von den Gräbern gesehen", erinnert sich Schüler Niclas Spindler, der besonderen Spaß am Beschneiden von Bäumen hatte.

Die Idee für das Projekt im Rahmen eines Ganztagsangebotes der Schule hatten Ethik-Lehrerin Gabriele Uhrin und der frühere Kunst- und Geschichtslehrer Volker Bokum. Ihm war schon vor einiger Zeit die Verwilderung des Grabes aufgefallen. "Ich habe die Stadt gefragt, warum sich darum niemand kümmert. Aber dort wurde ich nur an den Friedhofsverwalter verwiesen", erzählt er. Bokum sei schon immer sehr geschichtsinteressiert gewesen und bedauerte die Verwahrlosung des Grabes. "Paul Fritzsching war ein bedeutender Heimatforscher. Es ist traurig, dass das die Stadt anscheinend nicht interessiert und man die Grabstätte einfach vergammeln ließ", sagt er. Eine Stadtsprecherin teilt auf Anfrage mit, dass die Verwaltung das Engagement der Schüler begrüßt. Das Rathaus selbst könne solche Aufgaben schwer stemmen, unterstütze aber gern Vereine oder andere Initiativen.

Bokum nahm Kontakt mit dem Friedhofsverwalter auf. Der sagte ihm, dass es keine Verwandten von Fritzsching gebe, die sich um die Fläche kümmern könnten. Da kam dem Limbacher die Idee: Zusammen mit Lehrerin Gabriele Uhrin fragte er Schüler der Pestalozzioberschule, ob diese einen Teil ihrer Freizeit dem Heimatforscher widmen wollen. Denn Paul Fritzsching spielte für die Bildungseinrichtung eine wichtige Rolle: Er gehörte 1888 zu den ersten Lehrern der neuen Bürgerschule II, der heutigen Pestalozzioberschule. 1908 wurde er zum stellvertretenden Schulleiter ernannt. Fritzsching leitete außerdem von 1924 bis 1947 das örtliche Heimatmuseum, das sich in den Kellerräumen der Schule befand. "Durch seine wissenschaftlichen Recherchen und Veröffentlichungen hat er sich große Verdienste in der regionalen Geschichtsschreibung erworben", erläutert Volker Bokum. Seit 1990 trägt eine Straße der Stadt seinen Namen.

Sechs Arbeitseinsätze auf dem Friedhof sind bereits erfolgt. Zuletzt entfernten die Schüler und Lehrer Laub, bevor sie Rindenmulch auf die Grabstätte legten. Nachdem die Fläche jetzt winterfest ist, wollen die Schüler ihr Projekt auf Plakaten darstellen, die im Schulgebäude ausgestellt werden sollen. Doch das Projekt sei damit nicht beendet, betont Gabriele Uhrin. Im März oder April ist ein Frühjahrsputz anvisiert. "Die Fritzsching-Gräber sollen keinesfalls wieder verwahrlosen", ergänzt Volker Bokum.

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