Warum sich der Breitbandausbau in Burgstädt verzögert

Telekommunikations-Konzern zu Problemen beim Verlegen von Kupfer- statt Glasfaserleitungen

Burgstädt.

Die Telekom hatte versprochen, dass Ende 2018 jeder Burgstädter, der in der Innenstadt wohnt, über schnelles Internet verfügt. Noch wird gebaut, das Ziel ist noch nicht erreicht. "Freie Presse"-Redakteurin Bettina Junge fasst die Fakten zusammen.

Warum lässt die Telekom an fast allen Ecken in der Innenstadt von Burgstädt bauen?

Sascha Aurich

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Die Telekom hatte im Frühjahr 2018 begonnen, auf einer Länge von 20 Kilometern Leitungen in der Innenstadt zu verlegen und 28 Verteilerschränke neu aufzustellen und mit moderner Technik auszurüsten. Dafür sind drei Baufirmen im Einsatz. Eine davon ist die Wechselburger Firma Bergert, die mit neun Trupps mit jeweils vier Mann arbeitet, sagt Bauleiter Benjamin Lejcek. Regionalmanager Sten Pinkert von der Deutschen Telekom-Technik hatte Anfang Mai den Stadträten versprochen, dass 2018 jeder Burgstädter, der in der Innenstadt wohnt, über ein schnelles Internet verfügt.

Warum wurde der Zeitplan nicht eingehalten?

Telekomsprecher Georg von Wagner nennt für die Verzögerungen folgende Gründe: verkehrsrechtliche Anordnungen, hochwertige Gehwegbeläge, viele Granitplatten, die entfernt werden müssen, um Kabel zu verlegen. Jetzt geben die Verantwortlichen einen Fertigstellungstermin im Sommer 2019 an.

Diese Gründe müssten doch vor Baubeginn bekannt sein?

Der Telekom-Sprecher verneint das. Die Probleme bekämen die Bauleute zum Teil erst beim Bauen mit. Das bestätigt Bauleiter Lejcek. Allerdings verweist er darauf, dass seine Firma von Dezember bis Ende Februar witterungsbedingt einen Stopp eingelegt habe. "Wir haben den Winter auch einkalkuliert", so von Wagner. Glasfaserkabel könne man jedoch nicht bei einer Temperatur von unter 0 Grad Celsius verlegen. So stabil die Glasfaser an sich ist, sie trotzt Regen genauso wie Blitzeinschlägen, sagt ein Experte. Bei Kälte will sie sich aber nicht verlegen bzw. einblasen lassen, ergänzt er. Das Einblasen geschieht mittels Druckluft, sodass die Glasfaser regelrecht ins Leerrohr hineinschwebt. Wenn das Thermometer jedoch unter die Marke von minus 5 Grad fällt, ist das nicht mehr möglich. Luft zieht sich bei niedrigen Temperaturen zusammen, sodass die Fasern verhaken und steckenbleiben würden.

Doch in Burgstädt werden größtenteils Kupferkabel verlegt. Demnach dürfte die Temperatur keine Rolle spielen, oder?

Bei Frost sind natürlich auch Tiefbauarbeiten nicht möglich, sagt Bauleiter Lejcek. Laut Telekom werden in Burgstädt insgesamt 35 Kilometer Kupferkabel verlegt.

Warum werden nicht überall Glasfaserkabel verlegt, die höhere Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen?

Telekom-Sprecherin Stefanie Halle hatte bereits im Herbst 2018 gesagt, dass es wirtschaftliche Gründe sind. "Wo es wirtschaftlich machbar ist, bieten wir Glasfaserleitungen bis zu jedem Haus an." In Gebieten, wo die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei, werde Glasfaser von der Vermittlungsstelle bis zum Verteilerkasten (Glasfaser bis zum Bordstein/Fibre to the Curb/FTTC) verlegt oder Mobilfunk angeboten. Die Telekom erweitert ihr Netz über FTTC auch in den Ortsteilen Helsdorf, Heiersdorf, Mohsdorf, Burkersdorf und dem nördlichen Teil von Burgstädt.

Es kommt auch zu Vollsperrungen von Straßen, zurzeit betrifft das die Herrenstraße. Warum ist das notwendig?

Bauleiter Lejcek erklärt, dass bei schmalen Straßen für Bagger und andere Technik nicht genug Platz ist. Deshalb sei während der Arbeitszeit eine Vollsperrung notwendig. Anlieger könnten passieren. Die Arbeitszeit ist von 6.30 bis 19.30 Uhr.

Wie kommen Anwohner zu ihren Grundstücken?

"Wir informieren die Anwohner und sprechen individuell Lösungsmöglichkeiten ab", so Lejcek.

Beim Ausbau sind Gehwegplatten in der Innenstadt nummeriert worden. Bleibt die Schrift für alle Zeit?

Wie Bauleiter Markus Henning auf Nachfrage sagt, würden die Gehwegplatten nummeriert und gekennzeichnet, um sie später an derselben Stelle wieder einbauen zu können. Die Farbe sei wasserlöslich und verschwinde mit der Zeit.

Wie ist die genaue Vorgehensweise des Ausbaus?

Auf Strecken, wo zwischen der örtlichen Betriebsstelle, die sich neben dem ehemaligen Postgebäude an der Goethestraße befindet, und dem Verteiler noch Kupferkabel liegt, wird dieses durch Glasfaserkabel ersetzt. Die Verteiler werden mit Multifunktionsgehäusen (MFG) ausgerüstet. Die Kästen am Straßenrand erhalten zusätzlich noch einen Stromanschluss, damit die neue Technik betrieben werden kann. Im MFG wird das Lichtsignal von der Glasfaser in ein elektrisches Signal umgewandelt und von dort über das bestehende Kupferkabel zum Anschluss des Kunden übertragen. Um die Kupferleitung schneller zu machen, kommt Vectoring-Technologie zum Einsatz. Diese Technik mindert die sonst auftretenden elektromagnetischen Störungen zwischen den Kupferdrähten. Höhere Bandbreiten sind erreichbar, so von Wagner. Laut Firmenchef Daniel Bergert werden in Burgstädt 290 Hausanschlüsse erneuert. Dort liege noch gar kein Internet an, bisher konnten die Bewohner nur telefonieren.

Gibt es nach dem Ausbau noch weiße Flecken, wo gar kein Internet anliegt?

Nein, so der Telekomsprecher.

Welche Leistungen liegen nach dem Ausbau an?

Das neue Netz soll so leistungsstark sein, dass Telefonieren, Surfen im Internet und Fernsehen gleichzeitig möglich sind, erläutert der Telekom-Sprecher. Das maximale Tempo beim Herunterladen steige auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) und beim Hochladen auf bis zu 40 MBit/s. bj

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