Warum Unternehmen keine Azubis finden

Betriebe melden verstärkt Lehrstellen, doch es fehlen geeignete Bewerber. Laut einer Umfrage der IHK hat das nicht nur mit den Noten auf den Zeugnissen zu tun.

Ausbildungsmessen wie die "Mach was!" in der Messe Chemnitz bieten Schülern Orientierung und helfen Unternehmen, Auszubildende zu finden. Im kommenden Jahr findet die Messe am 30. und 31. März statt.
Warum Unternehmen keine Azubis finden

Für Sie berichtet: Michael Müller

Auf dem Chemnitzer Ausbildungsmarkt klaffen Angebot und Nachfrage so weit auseinander wie seit Jahren nicht. Laut Arbeitsagentur waren Ende Juli in Chemnitz noch 455gemeldete Lehrstellen unbesetzt. "Das ist der höchste Wert seit 2013", sagt Frank Vollgold, der amtierende Sprecher der Agentur. Drei von vier Ausbildungsplätzen entfallen demnach auf den industriell- gewerblichen Bereich, ein Viertel ist im Handwerk angesiedelt.

Während die Bewerberzahlen im Vergleich zu den vergangenen Jahren in etwa gleich geblieben seien, hätten die Unternehmen verstärkt Ausbildungsstellen gemeldet, so Vollgold. Dies bestätigt Gabriele Hecker von der Chemnitzer Industrie- und Handelskammer (IHK). "Viele erfahrene Mitarbeiter nähern sich der Rente und müssen ersetzt werden", erläutert sie. Der Wille, dies durch selbst ausgebildeten Nachwuchs zu realisieren, sei in den Unternehmen groß. Doch mehr und mehr Firmen erhielten gar keine Bewerbungen mehr.

Ähnlich die Situation im Handwerk. Dort meldet nicht zuletzt die Baubranche noch zahlreiche offene Lehrstellen. In Chemnitz waren es zuletzt knapp 60,sagt Andreas Herrmann von der Gewerkschaft IG Bau. "Schulabgänger haben jetzt noch die Chance, kurzfristig einen Platz zu bekommen."

Ein Blick auf die am häufigsten gefragten Ausbildungen einerseits und jene Berufe mit den meisten offenen Ausbildungsplätzen zeigt: Angebot und Nachfrage liegen gar nicht soweit auseinander. Einzelhandelskaufleute, Verkäufer, Elektroniker, Kaufleute für Büromanagement, Zerspanungsmechaniker und Mechatroniker finden sich auf beiden Seiten jeweils unter den ersten Zehn. Woran also liegt es, dass Bewerber und Ausbilder nicht unter einen Hut kommen?

"Häufig ist das eine Frage der Qualifikation", erläutert Agentursprecher Vollgold. Reiche der Schulabschluss für den Traumberuf nicht aus, empfehlen die Berufsberater der Agentur, über artverwandte Alternativen nachzudenken. Verkäuferin statt Einzelhandelskauffrau beispielsweise.

Der Schulabschluss ist dabei in vielen Fällen noch nicht einmal das eigentliche Problem. Von den zuletzt noch gut 270 unversorgten Bewerbern hatten 37 Prozent einen Realschulabschluss, zwölf Prozent sogar Abitur oder Fachhochschulreife. Hauptschulabsolventen stellen mit gut 40 Prozent die größte Gruppe. "Nahezu 80 Prozent der Betriebe geben zudem auch lernschwächeren Jugendlichen Ausbildungschancen", sagt IHK-Bildungschefin Hecker. Diese Bereitschaft erfordere von den Unternehmen immer mehr eigene Nachhilfe-Anstrengungen.

Als weitaus größere Schwierigkeit wird hingegen der Mangel an sogenannten Grundtugenden beschrieben. In einer Umfrage der Chemnitzer IHK zur aktuellen Ausbildungslage beklagten etwa 70 Prozent der teilnehmenden Betriebe Mängel bei Leistungsbereitschaft und Motivation ihrer Azubis, knapp zwei Drittel Defizite bei der Belastbarkeit, beinahe die Hälfte Probleme mit der Disziplin.

Nähere Informationen für Jugendliche, die noch ohne Ausbildungsvertrag sind, bietet die Arbeitagentur unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 4555500 oder im Internet unter www.hausderjugend-chemnitz.de.

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