Warum zwei Biobauern über das Aufgeben nachdenken

Auch im Erzgebirge sind Landwirte von den Folgen des trockenen Sommers betroffen. Auf einem Adorfer Hof könnte es inzwischen selbst bei Hilfen durch den Bund eng mit dem Fortbestand aussehen.

Adorf.

Auch wenn es in den vergangenen Tagen ab und zu starke Regengüsse im Erzgebirge gab, kommt der Niederschlag für einige Landwirte längst zu spät. Sie fürchten um ihre Existenz. Denn der Futtermangel wirkt sich nicht nur auf den Geldbeutel der Bauern aus. Aber die vom Bauernverband geforderten finanziellen Unterstützungen sind für manchen Landwirtschaftsbetrieb zumindest eine Chance, um weiter fortbestehen zu können.

Einer, der das auch so sieht, ist Bert Bochmann, der zusammen mit seinem Bruder Tilo einen 80 Hektar großen Biohof in Adorf betreibt. "Durch die Trockenzeit konnten wir in diesem Jahr nur halb so viel Futter für die Tiere produzieren, als es in den vergangenen Jahren der Fall war, rund 500 statt 1000 Ballen", berichtet der 45-Jährige. Hinzu kommt, dass auf den Weiden kaum noch Gras vorhanden ist. "Wir müssen die Tiere somit jetzt schon füttern, obwohl wir dieses Jahr nur halb so viel Futter wie sonst für den Winter zur Verfügung haben", erzählt der Adorfer weiter. Außerdem könnten sie auch kein Futter zukaufen, da fast alle Betriebe dieses Jahr nicht genügend Vorräte anlegen konnten. Deshalb, so Bochmanns Einschätzung, wird schon im kommenden im Januar das gesamte Futter aufgebraucht sein. Aus diesem Grund müssen mindestens 20 der 50 Milchkühe des Hofes geschlachtet werden, so der Landwirt. Vier Tiere sind bereits abgegeben. Da es aus Sicht von Bochmann aber viele Landwirte gibt, die auch wegen des Mangels an Futter ihre Tiere schlachten müssen, werde wahrscheinlich der Fleischpreis sinken. Zudem stehen auf diese Weise zukünftig weniger Kühe für die Milchgewinnung zur Verfügung, obwohl das die Haupteinnahmequelle des Hofes ist. Momentan müssen die Brüder zudem auch noch Wasser aus der Leitung für die Versorgung ihrer Tiere nutzen, da es wegen der Trockenheit auch an Wasser aus Brunnen fehlt. Und weil, wie Bochmann sagt, eine Kuh bis zu 100 Liter Wasser am Tag trinkt, entstehen somit hohe zusätzliche Kosten durch den Wasserverbrauch. Folglich muss der Biohof im nächsten Jahr mehr Geld für Wasser zahlen. "Unser Gewinn wird deutlich zurückgehen, wodurch wir unsere Kreditraten nur noch schwer bezahlen können", so der Landwirt. Er und sein Bruder wüssten momentan nicht, ob sie die Landwirtschaft zukünftig noch hauptberuflich betreiben können. Vielleicht müssten sie sich einen zweiten Beruf suchen. Und Bochmann ist sich sicher, dass es in so manchen Landwirtschaftsbetrieben der Region ähnlich aussieht.

Von einem Hilfspaket der Bundesregierung würde er sich die Beschaffung von Futter, Steuernachlässe und Geld für die Deckung von Mehrkosten, wie zum Beispiel für Wasser, wünschen. Wer die Bauern unterstützen wolle, so Bochmann, der sollte zukünftig Produkte wie Milch direkt beim Erzeuger kaufen und nicht im Supermarkt. Die Brüder Bochmann besitzen selbst einen Biomilchautomaten im Hof.

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