Was Architekten in Chemnitz gefällt

Drei Projekte werden mit dem erstmals vergebenen Architekturpreis der Stadt ausgezeichnet. Keines davon ist völlig neu.

Echte Kunst sei es, aus dem, was es gibt, etwas Neues zu machen. So fasste Architekturprofessorin Hilde Léon ihr Urteil über die ersten Gewinner des Architekturpreises der Stadt Chemnitz zusammen. Die Berlinerin, die an der Leibniz-Universität Hannover lehrt, leitete die für die Auswahl der Preisträger eingesetzte Jury. Am Montagvormittag hatten sich die insgesamt acht Experten aus Berlin. München, Dresden, Leipzig und Chemnitz dazu getroffen. Am Dienstagnachmittag stand das Ergebnis fest, das viele Chemnitzer zumindest teilweise überraschen dürfte.

Denn zwei der drei gleichrangigen Preise gehen nicht etwa an spektakuläre Neubauten, sondern werden für den Umbau altbekannter Gebäude an die dafür verantwortlichen Bauherren und Architekten vergeben: Die Wohnungsbaugenossenschaft WCW und das Architekturbüro Schettler aus Weimar erhalten ihn für die Sanierung der Plattenbauten an der Irkutsker Straße 187 bis 201, der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) und die Architekten Grüntuch und Ernst aus Berlin für die neue Fassade der Bahnsteighalle des Hauptbahnhofes an der Mauerstraße. Und auch die dritten Preisträger, das junge Software-Entwicklungsunternehmen Intenta und das Chemnitzer Büro Architekturkanal, bauen nicht völlig neu, sondern beleben den historischen Standort des Werkzeugmaschinenbauers Union an der Zwickauer/ Ecke Ulmenstraße wieder. Der dafür errichtete futuristische Neubau ist Ende 2017 bezogen worden, der Altbau wird noch saniert.

Jury-Vorsitzende Léon betonte: "Wir sind eindeutig überzeugt von den drei Preisen." Insgesamt 23 Bewerbungen um die von der Stadt erstmals ausgelobte Auszeichnung waren eingereicht worden. Acht davon zog die Jury in ihre engere Wahl und stattete ihnen auf zwei Busrundfahrten Besuche mit Außen- und Innenbesichtigungen ab. Zwei kompletten Neubauten sprachen die Fachleute anschließend ihre Anerkennung aus: dem Terra Nova Campus der Körperbehindertenschule an der Heinrich-Schütz-Straße und dem neuen Main-Forschungsgebäude der Technischen Universität an der Rosenbergstraße. Am Terra Nova Campus lobte Léon das ineinander Übergehen von Schule, Turn- und Schwimmhalle und die enge Beziehung zwischen Innen- und Außenräumen. Und das fast komplett in Weiß gehaltene Main-Gebäude sei "sehr elegant, zurückhaltend und diskret", farbig gekleidete Menschen erhielten vor dem weißen Hintergrund eine "sehr schöne Präsenz", schwärmte sie.

Noch mehr Lob gab es für die Preisträger: Die Plattenbauten der WCW an der Irkutsker Straße könnten Impulse geben, wie solche Häuser in Zukunft weiter erneuert werden, so die Jury-Vorsitzende. Durch den Abriss eines Zwischenteils wurde ein langer Wohnblock aufgebrochen, Balkone wurden zu einer schichtartigen Reihe zusammengefasst, Wohnungen umgebaut und Eingangsbereiche mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen.

Die transparenten Wände der Bahnhofshalle ließen viel Licht ins Innere und sorgten gleichzeitig für Offenheit zur Stadt. Das wünschte sie sich auch für die Wand in Richtung Sonnenberg, sagte Léon. Und der Intenta-Neubau beeindrucke durch sehr schön gestaltete Arbeitsplätze und Gemeinschaftsräume wie Kantine, Konferenzraum und Dachterrasse, zum Teil mit Blick auf den Grünzug am Kappelbach.

Die Jury-Vorsitzende und auch der Chemnitzer Baubürgermeister Michael Stötzer freuten sich, dass die Projekte aktuelle Themen wie den Wohnungs- und Verkehrsbau, die Wiederbelebung von Industriebrachen und die Wirtschaftsentwicklung widerspiegelten. Übergeben werden sollen die Preise erst im November. Sie sind nicht mit Geld dotiert, sondern nur mit einer Plakette für das Gebäude und einer Urkunde für Bauherr und Architekt verbunden. Der Preis soll künftig alle drei Jahre vergeben werden.

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