Was Christen zur Fusion der Kirchgemeinden sagen

Die wegen des Mitgliederschwunds verordnete Strukturreform trifft an der Basis auf Skepsis. Mit Blick auf die Pfarr-stellen gibt es aber eine gute Nachricht.

Limbach-Oberfrohna.

Die Reformation in Sachsen ist etwa 500 Jahre her. Insofern lässt es aufhorchen, wenn in Bräunsdorf in diesen Tagen von "einer der einschneidendsten Erfahrungen seit der Reformation" die Rede ist. Derjenige, der das sagt, heißt Joachim Weißbach und war bis Ende 2019 Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde in Bräunsdorf. Als einschneidend empfindet es der 61-Jährige, dass es die Kirchgemeinde in dieser Form seit dem 1. Januar nicht mehr gibt. Sie wurde mit der Nachbargemeinde in Niederfrohna fusioniert. Seit der Reformation sei die Bräunsdorfer Kirchgemeinde eigenständig gewesen, erläutert Weißbach.

Ganz freiwillig kam die Kirchgemeindeehe nicht zustande. Durch ein Strukturgesetz der Landeskirche Sachsen wurden Kirchgemeinden zu Fusionen oder anderen Formen der Zusammenarbeit gezwungen. Hintergrund ist die sinkende Anzahl von evangelischen Christen im Freistaat. 2017 gehörten 700.000 Gläubige der Landeskirche an, 2040 werden es Prognosen zufolge nur noch 400.000 sein. Das bedeutet weniger finanziellen Spielraum und auch weniger Pfarrstellen. Mit der neuen Struktur soll das kirchliche Leben vor Ort auch in Zukunft gewährleistet werden.

Joachim Weißbach macht keinen Hehl daraus, dass er die Reform skeptisch betrachtet. "Das ist für mich eine leidvolle Geschichte. Wir wollten eigenständig bleiben", sagt der Christ und verweist auf das aktive Gemeindeleben in Bräunsdorf. Es nütze aber nichts mehr, sich zu beklagen. "Wir wollen jetzt optimistisch an die Sache herangehen und die Chancen nutzen." Die Bräunsdorfer könnten von den Erfahrungen der Glaubensbrüder und -schwestern in Niederfrohna profitieren und umgekehrt. Die Kirchgemeinde in Niederfrohna sei der Wunschpartner für die Fusion gewesen, weil es schon vorher viele Kontakte gegeben habe, etwa zwischen den Posaunenchören, erklärt Weißbach. Diese Zusammenarbeit wolle man nun ausbauen.

In der neu gegründeten Kirchenregion Limbach-Penig hat es zum 1.Januar weitere Fusionen gegeben. Oberfrohna und Rußdorf sowie Wolkenburg-Kaufungen und Penig bilden nun jeweils gemeinsame Kirchgemeinden. Pleißa, Limbach-Kändler und Röhrsdorf bleiben hingegen eigenständig. Über die neue Struktur habe es "kontroverse Diskussionen gegeben", berichtet der in Limbach und Bräunsdorf tätige Pfarrer Johannes Schubert. Denn wie die Vorgaben der Landeskirche konkret umgesetzt werden, konnte vor Ort entschieden werden. "Letztlich haben wir gemeinsam einen guten Weg gefunden", ist sich Schubert sicher.

Bei der Arbeit in den Kirchengruppen soll es keine Einschnitte geben. "Und wir versuchen auch künftig, sonntags in jedem Ort einen Gottesdienst anzubieten", sagt Schubert. Dabei steht aber nicht immer ein Pfarrer vor der Gemeinde - dazu reicht die Anzahl der Stellen nicht. Gottesdienste werden auch von Laienpredigern, sogenannten Prädikanten, geleitet. An Feiertagen wie Neujahr würden Gottesdienste aber auch zusammengelegt, ergänzt Schubert.

Ein Mitglied des Kirchenvorstands der Gemeinde Limbach-Kändler sagt, dass sich die Auswirkungen der Reform auf die Gläubigen momentan in Grenzen hielten. "Wir haben ja noch alle unsere Kirchtürme." Aber falls künftig Stellen gekürzt werden, werde man das sofort merken. In dieser Hinsicht gibt es eine gute Nachricht für die Christen: Die Oberfrohnaer Pfarrstelle, die seit dem Weggang von Markus Franz vor einem Jahr vakant ist, wird laut Pfarrer Schubert im März mit einer Kollegin besetzt, die derzeit in der Lausitz tätig ist. (mit hfn)

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