Was dem Klinikum bei Krebstherapie fehlt

Von der Bettenzahl her hat Chemnitz das größte Krankenhaus Sachsens. Ein anderes ist jedoch besser ausgestattet.

Als Patient wurde Ralf Kirchübel aus Harthau in der Klinik für Radioonkologie des Klinikums Chemnitz behandelt - erfolgreich. In Gesprächen mit dortigen Medizinern erfuhr der 59-Jährige allerdings etwas, was ihm keine Ruhe lässt: nämlich, dass das nach der Bettenzahl größte Krankenhaus Sachsens noch nicht über ein besonders modernes Verfahren zur Bestrahlung von Krebspatienten verfügt - die Protonentherapie. Das bisher einzige Gerät dafür im Freistaat steht im kleineren Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. In Markranstädt bei Leipzig will laut Medienberichten ein privater Investor ein Protonentherapie-Zentrum für 250 Millionen Euro errichten lassen. Doch der Baubeginn wurde schon mehrfach verschoben.

Die Protonentherapie gilt Experten zufolge als besonders schonend und verspreche insbesondere dann Vorteile gegenüber der herkömmlichen Röntgenbestrahlung, wenn Tumore besonders tief im Körper sitzen oder von empfindlichen Organen umgeben sind. Nach seiner Entlassung aus dem Klinikum schrieb Kirchübel, der als Sprecher der Bürgerinitiative Hochwasserschutz Würschnitz oft Kontakt zu Politikern hat, Briefe an den sächsischen Landtagspräsidenten Matthias Rößler und an die Staatskanzlei in Dresden, in denen er um Unterstützung für das Klinikum bei der Anschaffung einer Protonentherapie-Anlage bat. Bei den Chemnitzer Bürgern würde das bestimmt gut ankommen, so der Harthauer.

Landtagspräsident Rößler leitete den Brief an den Petitionsausschuss des Landtages weiter. Monate später erhielt Kirchübel von dort die Antwort, der Petition könne nicht abgeholfen werden. Denn die Anzahl der am Klinikum Chemnitz behandelten Patienten, zu deren Behandlung die Protonentherapie in Betracht komme und von den Krankenkassen bezahlt werde, sei zu gering, als dass sich dafür ein zweiter Protonentherapie-Standort im Freistaat lohne. Zudem könnten dank der Anbindung an ein großes universitäres Krebszentrum in Dresden weitere Patienten im Rahmen klinischer Studien mit Protonentherapie behandelt werden. Das sei außerhalb solcher Krebszentren nicht möglich, so der Petitionsausschuss. Auch von der Staatskanzlei erhielt Kirch-übel eine ablehnende Antwort: Um medizinische Spitzenforschung zu finanzieren, müssten Kräfte gebündelt und zentralisiert werden, hieß es. Das Klinikum Chemnitz ergänze dabei als Maximalversorger die Spitzenversorgung in den Unikliniken Dresden und Leipzig.

Am Dresdner Uniklinikum werden derzeit nach eigenen Angaben rund 270 Patienten pro Jahr mit Protonen behandelt. Etwa jeder vierte davon komme aus Südwestsachsen. Eine Warteliste gebe es nicht, so die Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Prof. Dr. Mechthild Krause, auf Anfrage. Sobald die Dresdner Ärzte diese Therapie bestätigten und die Krankenkasse des Patienten die Kosten übernehme, könne die Behandlung ohne zusätzliche Verzögerung beginnen.

Auch die Krankenhausgesellschaft Sachsen hält es für zumutbar, dass Patienten aus Südwestsachsen für eine Protonentherapie nach Dresden fahren. Man sei froh, dass es diese Möglichkeit im Freistaat überhaupt bestehe, sagte ein Sprecher. Laut der Uniklinik Dresden gibt es Protonentherapie derzeit bundesweit nur dort sowie in Heidelberg, Essen, Marburg und München.

Am Klinikum Chemnitz ist man anderer Meinung: Von den Patientenzahlen her wäre ein Ausbau der Protonentherapie-Kapazitäten in Sachsen zu rechtfertigen und Chemnitz biete sich als Standort dafür an, sagt Pressesprecher Arndt Hellmann auf Anfrage. Denn die hiesige Klinik für Radioonkologie gehöre zu den größten und modernsten bundesweit. Und der Preis der neuesten Protonentherapiegeräte sei von einst 200 Millionen mittlerweile auf etwa 30 Millionen Euro gesunken. Ohne Hilfe vom Freistaat sei die Investition für das Klinikum trotzdem nicht zu finanzieren.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Mike1969
    03.09.2019

    Und dann wundert sich die Landesregierung das Menschen die AfD wählen. Hammerhart. Wenn jemand aus Plauen kommt, fährt er 2 Stunden bis Dresden + Behandlungszeit und dann 2 Stunden zurück. So wenig ist Ihnen der Südwestsachse es Wert. Mist, dass ich nicht die AfD gewählt habe. Jetzt ärgere ich mich, so kurz nach der Wahl! Ich hätte auf meine Freunde hören sollen. Das ist doch so krank schon wieder hier ...

  • 13
    4
    Klemmi
    31.08.2019

    Ein weiterer Beleg dafür, wie die bevölkerungsreichste Region Chemnitz/Südwestsachsen durch die derzeitige Landesregierung benachteiligt wurde und wird. Ob Fernverkehr auf der Schiene, Flughäfen, Überlegungen die TU zu verkleinern oder wie in diesem Fall die medizinische Versorgung auf hohen Niveau. Der Bürger aus dem Vogtland, dem Erzgebirge oder Chemnitz darf weite Wege auf sich nehmen, aber das Geld verdienen. Das war schon immer so und vielleicht wird morgen die Rechnung für dieses miese Engangement serviert.



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