Was der Freistaat mit seinen Asyl-Erstaufnahmeheimen vorhat

Trotz des künftigen Ankerzentrums in Dresden sollen neu angekommene Migranten weiterhin auch in Chemnitz untergebracht werden. Im Detail sahen die Pläne ursprünglich anders aus.

Bernsdorf/Ebersdorf.

Mancherorts gehen die Uhren eben anders. Während laut Kalender bereits der Oktober 2018 vor der Tür steht, warten die Anwohner des Thüringer Wegs am Rande des Unicampus in Bernsdorf noch immer auf den Oktober 2017. Für diesen Monat nämlich war ihnen dereinst die Schließung einer Unterkunft für Asylbewerber in ihrer Nachbarschaft in Aussicht gestellt worden.

Zu Hochzeiten der Flüchtlingskrise waren dort, in einem früheren Studentenwohnheim, vom Freistaat bis zu 400 Plätze für Flüchtlinge und Asylbewerber eingerichtet worden. Der Komplex diente als Außenstelle für die seinerzeit hoffnungslos überlastete Erstaufnahmeeinrichtung am Adalbert-Stifter-Weg in Ebersdorf. Nachbarn erinnern sich nur ungern an diese Zeit. Die Stimmung in und rund um das Heim war angespannt, Einsätze von Polizei und Feuerwehr bis weit in die Nacht hinein an der Tagesordnung.

Heute hat das Heim nur noch 120Plätze, nicht alle sind belegt. "Kein Vergleich mehr zu damals", bestätigt eine Frau aus der Nachbarschaft. Die Unterkunft für Asyl- bewerber komme ihr heute eher vor wie ein großer Kindergarten. "Mitunter hat man den Eindruck, dort sind mehr Kinder als Erwachsene untergebracht", schildert sie. Immer wieder würden neue Familien einquartiert, während andere die Einrichtung verlassen. Im Großen und Ganzen sei es ruhig. Selbst das Scheppern des Zugangstores, das Anwohnern lange Zeit besonders auf die Nerven ging, habe der Betreiber in den Griff bekommen.

Ein Jahr nach dem einst avisierten Schließungstermin stellt sich so manchem aber doch die Frage, ob das zunächst als Übergangslösung eingerichtete Heim vielleicht doch zur Dauereinrichtung werden soll. Zumal für Herbst dieses Jahres am Thüringer Weg eigentlich eine Straßensanierung geplant war, die seit Jahren als überfällig gilt.

Zumindest bis Ende kommenden Jahres, so heißt es vom zuständigen Immobilienbetrieb des Freistaates, werde sich an der Situation in Bernsdorf wohl nichts ändern. Bis dahin nämlich dauert aller Voraussicht nach die Sanierung eines ebenfalls als Erstaufnahme-Unterkunft genutzten Objekts in Altendorf. Dort sollen für eine dauerhafte Nutzung zusätzliche Funktionsräume wie Arztsprechzimmer, Spielzimmer, Mehrzweckraum, Frauentreff eingerichtet werden, erläutert ein Sprecher. "Außerdem wird das Gebäude barrierefrei ertüchtigt, komplett renoviert und das Dach saniert", sagt er auf Anfrage der "Freien Presse". Zudem werde ein Wachgebäude für das Objekt neu gebaut. Ob das Heim am Thüringer Weg auch nach Abschluss der Arbeiten in Altendorf weiterhin als Ausweichquartier benötigt wird, sei noch offen.

Gebaut wird derweil auch in Ebersdorf. Die Erstaufnahmeeinrichtung dort erhält eine zusätzliche Zufahrt. "Die Arbeiten befinden sich im Plan", sagt ein Stadtsprecher. Anfang Dezember soll die Trasse, die von der Glösaer Straße zum Adalbert-Stifter-Weg führt, freigegeben werden. Die rund zwei Millionen Euro teure Straße wird nicht zuletzt Anwohner der Huttenstraße entlasten, an deren Häusern vorbei bislang der Verkehr abgewickelt wird.

Dass die Erstaufnahmeheime in Chemnitz trotz der Einrichtung eines sogenannten Anker-Zentrums für Asylsuchende in Dresden auch weiterhin benötigt werden, daran lässt die zuständige Referentin des sächsischen Innenministeriums keine Zweifel. Es sei nicht vorgesehen, die drei Erstaufnahmeeinrichtungen im Freistaat zu schließen. Es bleibe bei dem vom Landeskabinett beschlossenen Drei-Standorte-Konzept, "wonach Einrichtungen in Chemnitz, Dresden und Leipzig betrieben werden", so die Referentin. Auch an der Verteilung der Menschen, die in diesen Heimen aufgenommen werden, ändere sich nichts. "Diese erfolgt auch künftig streng unter dem Gesichtspunkt der möglichst gleichmäßigen Auslastung der drei Standorte", erläutert sie. Eine Differenzierung der Hilfesuchenden nach Herkunftsländern und Bleibeperspektive spiele dabei keine Rolle. Im Anker-Zentrum in Dresden - einem Pilotprojekt - würden nur jene Asylsuchenden erfasst, die ohnehin nach Dresden verteilt würden, so die Mitarbeiterin.

Laut Innenministerium sind Anker-Zentren keine zusätzlichen Aufnahmeeinrichtungen, sondern Zentren, in denen Behörden konzentriert tätig werden, um Asylsuchende aufzunehmen, ihre Identität festzustellen und sie zu registrieren. So arbeiteten im Anker-Zentrum in Dresden Mitarbeiter der Landesdirektion, des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sowie des Dresdner Gesundheitsamtes an einem Standort zusammen.

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