Was Grundschülern wichtig ist

80 Kinder haben im Rathaus über Probleme gesprochen, die sie bewegen. Ein Thema war besonders vielen wichtig.

Lilly* aus der vierten Klasse einer Chemnitzer Grundschule hatte gerade davon gesprochen, wie ein Junge an ihrer Schule andere Kinder immer wieder ärgert und ihnen das Leben schwermacht. Doch die Schülerin hatte auch eine Lösung: "Manche Kinder brauchen Freunde, um besser zu werden", sagte sie und erhielt von den anderen Mädchen und Jungen großen Applaus. Lilly ist eine von rund 80 Grundschülerinnen und Grundschülern, die sich am Montagnachmittag im Rathaus getroffen haben.

Statt dicken Ordnern hatten die Kinder bunte Federmäppchen auf den Tischen abgestellt, statt Aktenkoffern standen Rucksäcke und Ranzen im großen Saal des Rathauses. Doch wie die Großen diskutierten auch die Kleinen Probleme, die für sie von großer Bedeutung sind. In sechs Workshops beschäftigten sie sich mit Themen wie Sport, Freundschaft, Streit, einem besseren Miteinander, Selbstbewusstsein und sicheren Schulwegen. Die 13. Auflage der Konferenz stand unter dem Motto "Demokratie kindgerecht. Aber wie?". Es sei wichtig, Kindern den demokratischen Gedanken nahezubringen, sich auszutauschen und zu diskutieren, erklärte die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt, Ute Spindler. Sie ist die Verantwortliche für die Grundschulkonferenz. Teilnehmern früherer Runden, darunter Vereine und soziokulturelle Initiativen sei wichtig gewesen, Kindern zu erklären, wie Demokratie geht, demokratische Prozesse lebendig und anschaulich zu vermitteln, so Ute Spindler. Deshalb wurde in Arbeitsgruppen zunächst das jeweilige Thema diskutiert und daraus eine wichtige These abgeleitet.

So berichteten die Mädchen und Jungen in der Arbeitsgruppe Sicherer Schulweg davon, ob sie zu Fuß oder mit dem Bus in den Unterricht gelangen und ob sie ihren Schulweg als sicher einstufen. Luise schilderte, dass auf ihrem Weg oft Glasscherben liegen. Paul sagte, es sei wichtig, nach dem Aussteigen aus dem Bus nicht hinter dem Bus die Straße zu überqueren. "Besser warten, bis der Bus weitergefahren ist", sagte er. Anna erzählte, dass ihr Schulweg gefährlich sei, weil sie früh an einem Kindergarten vorbeikommt. "Dort sind immer viele Autos, weil die Eltern ihre Kinder in die Kita fahren. Dort muss ich immer ganz besonders aufpassen", sagte sie. Gemeinsam erarbeiteten die Schüler die These "Schulwegsicherung ist für alle wichtig". Wie die anderen auch erläuterten sie ihr Thema dann vor allen Kindern im Ratssaal.

Nachdem alle Arbeitsgruppen ihre Inhalte dargestellt hatten, stimmten die 80 Kinder über das Thema ab, das sie am meisten bewegt. 33 Schülerinnen und Schüler entschieden sich für die These "Wir sind verschieden, wir sollten aber alle die gleichen Rechte haben", die somit die meisten Stimmen bekam. Es gab dazu großen Redebedarf unter den Kindern. Mehrere berichteten, wie sie behinderten oder kranken Mitschülern helfen sowie Kinder unterstützen, die eine andere Sprache sprechen. "An meiner Schule stammen viele Kinder aus einem anderen Land. Meine Banknachbarin auch. Ich bin ihre Helferin, damit sie alles versteht", sagte ein Mädchen. Doch viele Kinder erzählten auch von Mitschülern, die andere hänseln, sie bedrohen oder verprügeln. "Ein Junge an meiner Schule wird von anderen Kindern als Blindschleiche bezeichnet, weil er nicht richtig sehen kann. Aber andere Schüler und auch ich stellen uns vor ihn und helfen ihm", sagte ein Junge.

Die Forderung der Chemnitzer Grundschüler nach gleichen Rechten für alle wird Ute Spindler jetzt an die große Politik weitergeben, kündigte sie an. Im Jugendhilfeausschuss will sie ebenso von der Konferenz der Grundschüler berichten wie in den Stadtratsfraktionen, sagte sie. Dass die Kinder das Thema Integration und Inklusion am meisten beschäftigt, habe sie nicht überrascht. "Kinder helfen gern", sagte sie. Integration und Inklusion seien große Wünsche und derzeit in Chemnitzer Kitas und Schulen "das große Thema".

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    4
    Distelblüte
    05.11.2019

    @CPärchen; Beeinflusst? Man nennt das auch gute Erziehung.

  • 7
    3
    gelöschter Nutzer
    05.11.2019

    @CPärchen: Warum geht eigentlich ständig jeder hier davon aus, Schüler würden beeinflusst?

  • 1
    9
    CPärchen
    05.11.2019

    Ich hab zwar einige Fragen, z.B. inwieweit die Schüler beeinflusst worden sind,

    aber primär: Klasse, dass sie selbst reden durften und nicht über Mittler, wie Eltern, Lehrer, Trainer usw usf.
    Das sollte regelmäßig durchgeführt werden und trägt auch einer Veränderung des Artikel 6 Rechnung, der die Kinderrechte im Grundgesetz stärken soll.



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